Die Arbeiter Oliver Rosenhäger (vorne), Mike Rinno, Björn Jäckel und Karsten Mattijat (hinten v. l.) verlagern die Steine im Bach, die ein Wanderungshindernis für viele Tiere darstellen. - © FOTO: MADITA PEINE
Die Arbeiter Oliver Rosenhäger (vorne), Mike Rinno, Björn Jäckel und Karsten Mattijat (hinten v. l.) verlagern die Steine im Bach, die ein Wanderungshindernis für viele Tiere darstellen. | © FOTO: MADITA PEINE

Nieheim Barrierefreiheit für Fische

Gewässerentwicklungsprojekt soll ökologischen Zustand der Nieheimer Röthe verbessern

von madita peine
Landrat Friedhelm Spieker, Birgit Rehsies und Dr. Kathrin Weiß (v. l.) besichtigen den Gewässerabschnitt bei Nieheim, dessen ökologischer Zustand verbessert werden soll.
Landrat Friedhelm Spieker, Birgit Rehsies und Dr. Kathrin Weiß (v. l.) besichtigen den Gewässerabschnitt bei Nieheim, dessen ökologischer Zustand verbessert werden soll.

Nieheim. Unüberwindbares Hindernis: Einen Brückendurchlass bei Nieheim, durch den die Röthe fließt, können Fische wie die Groppe und andere Wasserlebewesen schon lange nicht mehr durchqueren. Der Wasserabschnitt wird nun mit Hilfe des Beschäftigungsprojekts des Kreises Höxter für die Tiere wieder passierbar gemacht - gleichzeitig bekommen Langzeitarbeitslose einen Einblick in den Bereich der Landschaftspflege.

Die Röthe ist ein 7,5 Kilometer langer Mittelgebirgsbach, der östlich von Pömbsen entspringt und nordöstlich von Nieheim in den Beberbach mündet. In dem Gewässerabschnitt bei Nieheim soll hinter einem Brückendurchlass ein etwa 40 Zentimeter hoher Absturz beseitigt werden. "Denn diesen zu überwinden schaffen nur Lachs und Forelle. Für viele andere Lebewesen stellt sie ein großes Hindernis dar", erklärte Projektleiter Dr. Stefan Kroos, Kreis Höxter. "Wir wollen eine Barrierefreiheit für alle Gewässerorganismen schaffen", sagte er weiter. In der Vergangenheit seien die Gewässer aus unterschiedlichen Gründen, wie etwa die Landwirtschaft, begradigt und ausgebaut worden. "Dies führte zu einer Verarmung der Flora und Fauna, die in dem Gewässer typischerweise zu finden sein müsste", sagte Birgit Rehsies, Dezernentin im Wasserwirtschaftsdezernat der Bezirksregierung Detmold.

Die Durchgängigkeit des Bachs für alle Tiere soll nun durch den Bau einer 25 Meter langen Steinrampe, einer Sohlgleite, hergestellt werden, die das natürliche Struktur- und Strömungsbild der Röthe nachmodelliert. Alles gemäß der europäischen Wasserrahmenrichtlinie. "Die Oberfläche der Steine darf jedoch nicht zu glatt sein, denn sonst können sich dort viele Kleinstlebewesen nicht festsetzen. Zudem sollen sich Äste als Nahrungsgrundlage absetzen können", sagte Dr. Kathrin Weiß, Leiterin der Abteilung Umweltschutz und Abfallwirtschaft beim Kreis Höxter.

"Wir wollen mit dem Projekt einen Mehrwert erreichen", sagte Landrat Friedhelm Spieker. Man wolle nicht nur das Gewässer verbessern. "Der sozial-politische Aspekt ist ebenfalls sehr wichtig", sagte er. Denn die baulichen Maßnahmen an der Röthe setzen Langzeitarbeitslose unter der Regie von Bauleiter Olaf Höckel um. Das Jobcenter des Kreises Höxter forderte sie auf, sich an dem Projekt zu beteiligen. Dadurch solle eine Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt gewährleistet werden. "Die Arbeiter können ihren Arbeitsrhythmus so neu finden", sagte der Landrat. "Wir wollen sie nicht nur an diesem Projekt beteiligen, sondern ihnen auch eine Chance auf dem Arbeitsmarkt geben", sagte Spieker. Im Rahmen des Beschäftigungsmodells erfolge auch eine Weiterbildung der Teilnehmer, unter anderem können sie einen Motorsägenschein erwerben. "Die kleinen Maßnahmen, die wir an der Röthe durchführen, könnten ohne das Projekt gar nicht stattfinden", sagte Rehsies. Bauunternehmen hätten bei solchen Arbeiten keine wirtschaftlichen Vorteile.

Die Arbeiter an der Röthe haben bisher 40 Tonnen Steine herangeschafft. "Insgesamt werden sie knapp hundert Tonnen Steine in dem Wasser bewegen", sagte Dr. Kroos. "Es ist bereits die zwanzigste Sohlgleite, die im Kreis Höxter gebaut wird", sagte er weiter. "Die Maßnahmen laufen sehr pragmatisch, ohne große Verfahren ab", freute sich Rehsies. Dadurch komme man mit den Maßnahmen gut voran.

Weitere Informationen finden Interessierte im Internet unter www.weser.nrw.de

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