Feuerlauf: Um 11 Uhr hat das Training mit Michael Esser begonnen, um  21.55 Uhr geht Holger als erster Kursteilnehmer über den glühenden Teppich. - © Josef Köhne
Feuerlauf: Um 11 Uhr hat das Training mit Michael Esser begonnen, um  21.55 Uhr geht Holger als erster Kursteilnehmer über den glühenden Teppich. | © Josef Köhne

Merlsheim Nieheimer Feuerwehrleute laufen über heiße Glut

Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Nieheim absolvierten ein faszinierendes Mentaltraining. Die Teilnehmer sind durchweg begeistert

Josef Köhne

Merlsheim. Fünf Männer und zwei Frauen im Alter von 19 bis 62 Jahren sitzen im Halbkreis und lauschen mit geschlossenen Augen der sonoren Stimme von Michael Esser. Während der Mentaltrainer ruhig und beschwörend auf die Gruppe einredet, läuft im Hintergrund leise Instrumentalmusik. Als Michael Esser nach einer Weile die Musik anhält und schweigt, ist das Fallen der sprichwörtlichen Stecknadel zu hören. Die wenig später zu hörende Aufforderung Essers, „wenn ihr wieder soweit seid, dann öffnet bitte die Augen", bringt Leben in die Gruppe. Nach wenigen Sekunden öffnen die Damen und Herren ihre Augen, schauen sich an, lächeln sich zu und beginnen leise miteinander zu reden. Michael Esser steht derweil wie ein in sich selbst ruhender Pol mitten im Raum und beobachtet schweigend jede Regung. Dann verteilt er Arbeitsblätter und wertet diese nach der Abgabe sogleich aus. „Ihr habt alle über 90 Prozent der Anforderungen erfüllt, einer sogar 100 Prozent", teilt er der Gruppe mit. Beim ersten Test hatten die Ergebnisse noch bei durchschnittlich 50 Prozent gelegen. »Ich bin ein Feuerläufer« Die Gruppe besteht in diesem Fall aus Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Nieheim. Sie haben sich freiwillig zu einem Wochenendseminar mit dem aus Stuttgart angereisten Mentaltrainer angemeldet, und sie sind von dessen Trainingsmethoden begeistert. Nach nur einem halben Tag trauen sich alle Kursteilnehmer zu, eine in Brusthöhe fixierte Eisenstange mit einem Durchmesser von 10 Millimetern zwischen ihren Körpern zu verbiegen. Noch am selben Abend stehen die Kursteilnehmer gegen 22 Uhr im Freien und lauschen mit geschlossenen Augen der Stimme des Trainers. Während nur etwa zwei Meter von ihnen entfernt Holzscheite glühen, redet Michael Esser auf die Gruppe ein. Leise, aber immer motivierend. Dreimal vollzieht sich dieses Zeremoniell, an dessen Ende die Teilnehmer ausrufen: „Ich bin ein Feuerläufer." Danach wird die Glut zu einem etwa fünf Meter langen Teppich ausgebreitet und jeder Kursteilnehmer schaut seinem „Feuerpaten" mehrere Minuten lang tief in die Augen. Dabei hören sie wieder die beschwörenden Sätze Essers, der ihnen suggeriert: „Ich bin stark, ich schaffe das, ich bin ein Feuerläufer." 900 Grad heiße Glut Und tatsächlich schaffen es alle: Nach ihrem Trainer gehen die Kursteilnehmer der Reihe nach über die 900 Grad heiße Glut. Und was den Zuschauer erstaunt, ist die Tatsache, dass alle die Stärke aufbringen, diesen Feuerlauf noch ein zweites und sogar drittes Mal zu wiederholen, ohne sich die geringste Verbrennung zuzuziehen. „Wir müssen unser Bewusstsein und unser Unterbewusstsein in Übereinstimmung bringen und wir dürfen uns in keinem Fall allein vom Unterbewusstsein lenken lassen", macht Michael Esser den Kursteilnehmern immer wieder klar und führt mehrere Beispiele an, in denen das „ich glaubte, es ganz sicher zu wissen" einen tödlichen Ausgang nahm. „Für euch in der Feuerwehr sind mentale Stärke und rationales Handeln überlebenswichtig", schärft er den Kursteilnehmern ein und beglückwünscht sie gleichzeitig zu dem Mut, der sie zu Eisenbiegern und Feuerläufern werden ließ. »Das sind wundervolle Menschen« Über die Gruppe äußert sich der Trainer in deren Abwesenheit sehr positiv: „Das sind wundervolle Menschen, die in ihrer Freizeit anderen helfen. Sie sind alle freiwillig hier und hoch motiviert. An so einen interessiert und aktiv mitmachenden Kurs kann ich mich kaum erinnern." Vorbildlich verpflegt wurden die Feuerläufer und ihr Trainer vom stellvertretenden Wehrführer der Stadt Nieheim, Stadtbrandinspektor Daniel Dierks-Lünz. Finanziert wurde das Mentaltraining von einem Nieheimer Unternehmer, der damit das ehrenamtliche Engagement der Freiwilligen Feuerwehr unterstützen möchte. Sein damit verbundener Wunsch: „Die Feuerwehrleute sollen etwas Sinnvolles bekommen, von dem sie als Führungskräfte in der Wehr, aber auch privat Nutzen ziehen können." Kreisbrandmeister Rudolf Lüke zeigte sich angesichts der durchweg positiven Teilnehmerberichte beeindruckt und erfreut. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir so etwas auf Kreisebene auch anbieten. Wenn es den Kameradinnen und Kameraden nützt, sollten wir darüber reden", so Lüke.

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