Jung & Alt: In dem vom Weinlaub klimatisierten, Geschichte atmenden Ackerbürgerhaus fühlen sich Sabrina Kelm und Sven Breimhorst mit ihrem Söhnchen Till pudelwohl. - © Josef Köhne
Jung & Alt: In dem vom Weinlaub klimatisierten, Geschichte atmenden Ackerbürgerhaus fühlen sich Sabrina Kelm und Sven Breimhorst mit ihrem Söhnchen Till pudelwohl. | © Josef Köhne

Nieheim Neues Leben in alten Nieheimer Mauern

Eine junge Familie bewohnt die ehemalige Keramikscheune

Josef Köhne

Nieheim. Um zu erklären, warum es am Rhein so schön ist, benötigte Adolf von Bergsattel in seinem bekannten Trinklied 17 Strophen. Um zu beschreiben, warum er sich mit seiner Lebensgefährtin und dem acht Wochen alten Söhnchen Till in Nieheim wohlfühlt, benötigt der 31-jährige Holztechniker und Tischlermeister Sven Breimhorst nur wenige Sätze. „Ich habe mich in dieses alte Haus verliebt. Ich mag den historischen Ortskern. Ich finde die Landschaft wunderschön. Es gibt herrliche Wanderwege. Alles, was wir zum Leben benötigen, ist in der Nähe. Die Menschen sind freundlich, zugänglich und aneinander interessiert." Das alles lässt den jungen Vater zu der Erkenntnis gelangen, dass Nieheim im Kreis Höxter auf Dauer die Heimat seiner Familie sein kann. Dass der in Delbrück-Schöning aufgewachsene Holzfachmann überhaupt den Weg in die ihm zuvor vom Käsemarkt her bekannte Kleinstadt fand, hängt mit einem ehemaligen Schulkollegen zusammen. „Er ist Geschäftsführer der Finkeldei Polstermöbelmanufaktur, und er bot mir die Stelle als Betriebsleiter an", berichtet Sven Breimhorst von seinem Umweg über Münster und einige andere Orte nach Nieheim. Hinzu kam, dass er nach den Wanderjahren als Bau- und Möbeltischler und den als Holztechniker und Meister gesammelten Erfahrungen einen festen Wohnsitz anstrebte. Und da Nieheim auch seiner Lebensgefährtin Sabrina Kelm gefiel, war die Entscheidung, sich hier nach geeignetem Wohnraum umzuschauen, nicht allzu schwer. Dass er bei der Suche mehr zufällig auf ein Inserat stieß, in dem ein Ackerbürgerhaus mitsamt einem Backhaus angeboten wurde und er in Theo Reineke einen kompetenten Berater fand, ließ ihn zügig handeln. „Wir haben uns zunächst so eingerichtet, dass wir hier in Ruhe wohnen können. Den weiteren Aus- und Umbau werden wir nach und nach in Eigenleistung vornehmen", ist er sich auch in diesem Punkt mit Sabrina Kelm einig. Die gelernte Erzieherin möchte nach ihrer Elternzeit den noch in Münster vorhandenen Arbeitsplatz aufgeben und sich nach einer geeigneten Stelle im näheren Umfeld umschauen. „Wir denken, dass unser Kind hier gute Bildungschancen hat, denn die Schulen am Ort und die weiterführenden Schulen in den Nachbarstädten bieten gute Möglichkeiten", schaut das Paar auch diesbezüglich optimistisch in die Zukunft. Prima findet es, dass die Museen gleich nebenan zu finden sind. „Was uns ein wenig fehlt, ist die von Münster her gewohnte Gastronomie", sagt Sven Breimhorst. Und so würde er sich wünschen, dass zum Beispiel das Restaurant Meilenstein im Käsemuseum seine Speisekarte ein wenig ausweiten würde, damit man gegebenenfalls. mit Geschäftsfreunden dort essen oder ein Glas Wein trinken kann. Imponiert hat dem jungen Paar das Engagement der ehrenamtlichen Bierbrauer. „Es wäre jammerschade, wenn das einschlafen würde", machen sie sich wegen einiger „hoffentlich falscher Gerüchte" Gedanken. Was Sven Breimhorst und Sabrina Kelm sehr gut in Nieheim gefällt, sind die Veranstaltungen an der Grillhütte und im Sackmuseum. „Das ist unterhaltsam, da trifft man auf Familien und man lernt sich schnell kennen", ist ihre Meinung. Über einen Mangel an Arbeitsplätzen, so glaubt der Nieheimer Neubürger, müsse man sich doch eigentlich auch keine großen Sorgen machen. „Man muss nur hinschauen, um zu erfahren, was sich hinter den Betriebswänden abspielt", sagt Breimhorst und ist selbst auf der Suche nach qualifizierten Fachkräften und motivierten Auszubildenden, die das Handwerk des Polsterers oder Tischlers von der Pike auf erlernen möchten. Der von ihm geleitete Betrieb baut exklusive Inneneinrichtungen für Yachten, Hotels und luxuriöse Kreuzfahrtschiffe. Nach allem, was er in den wenigen Monaten in Nieheim gesehen, gehört und erfahren hat, ist er der Meinung: „Im Kreis Höxter lässt sich’s ganz gut leben." In seinem Haus und dem angrenzenden Backhaus will Breimhorst später vielleicht einmal eine kleine Ferienwohnung einrichten. „Bekannte und Gäste können im Backhaus wohnen und kochen und nachts in der Dachwohnung schlafen", denkt er in die Zukunft, für die er sich eine gezielte Weiterentwicklung des Tourismus wünscht.

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