Fachgespräche: Angeregt unterhielt sich die Ministerin mit den Protagonisten des Projekts „Heimatwerker" (v.l.) Prof. Oliver Hall, Tim Rieniets und Holger Pump-Uhlmann. - © Josef Köhne
Fachgespräche: Angeregt unterhielt sich die Ministerin mit den Protagonisten des Projekts „Heimatwerker" (v.l.) Prof. Oliver Hall, Tim Rieniets und Holger Pump-Uhlmann. | © Josef Köhne

Hoher Besuch: Ministerin Scharrenbach bei Heimatwerkern in Nieheim

Vor Ort: Ministerin Ina Scharrenbach informiert sich über das Nieheimer Projekt. Mittel für den Denkmalschutz sollen aufgestockt werden

Josef Köhne

Nieheim. Heimatkunde stand auf dem Stundenplan von Ministerin Ina Scharrenbach (CDU), als sie bei ihrer Dienstreise durch NRW in Nieheim einen Boxenstopp einlegte. Dem Vernehmen nach war es der ausdrückliche Wunsch der neuen Ministerin für Heimat, Bau, Kommunales und Gleichstellung, sich vom Projekt „Heimatwerker" ein eigenes Bild zu machen und die Protagonisten vor Ort kennenzulernen. Informationen en masse lieferten ihr der Leiter des Innenstadtbüros Holger Pump-Uhlmann, der die Studierenden betreuende Professor Oliver Hall von der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur an der Hochschule OWL sowie der Leiter der Geschäftsstelle Stadt-Bau-Kultur NRW Tim Rieniets. Pump-Uhlmann hob die gute Zusammenarbeit mit der kleinen Stadtverwaltung hervor und erklärte, die Initiative Heimatwerker packe Themen an, von denen an anderen Stellen nur geredet werde. "Wir schaffen hier die Blaupause für andere Städte" Tim Rieniets zufolge geht es bei dem in Nieheim initiierten Projekt vorrangig um den Menschen und dann erst um das Gebäude. „Heimat ist Wohnraum, Heimat braucht Netzwerk und Heimat ist anerkannte Arbeit", so Rienietz. Wenn man bedenke, dass Bauen verbinde, habe sich in Nieheim viel getan. Für Oliver Hall ist es wichtig, das zu erforschen, was vor der eigenen Tür liegt. Mit dem Projekt Nieheim sei das Ziel verbunden, eine öffentliche Lernwerkstatt einzurichten, die später allen Bürgern offen steht. „Wir schaffen hier die Blaupause für andere Städte", so Hall. Da das Finanzgefüge sehr eng sei, seien Kopf und Muskel gleichermaßen gefragt. Gegenüber der Neuen Westfälischen äußerte Ina Scharrenbach, ihr sei das Projekt sehr wichtig, weil es, ebenso wie das Ministerium, den Begriff Heimat im Titel habe. „Man weiß die Heimat erst zu schätzen, wenn man sie verliert", so die Ministerin. Ihr liege daran, eine Brücke zu schlagen zwischen der Heimat für Nieheimer und der Frage, wie lässt sich neue Heimat stiften. Zum Thema Wohnen in Ackerbürgerhäusern und Denkmalschutz kündigte Scharrenbach eine deutliche Erhöhung der Denkmalschutzmittel (rund zwölf Millionen Euro) an. Außerdem nehme sie aus Nieheim den Hinweis mit, die Beantragungsbürokratie abzubauen. Zur Nachfrage erklärte Scharrenbach, natürlich könne man für derartige Häuser nur Menschen begeistern, die bewusst in ihnen leben wollten und die bereit seien, gegebenenfalls eine gewisse Enge und niedrigere Decken in Kauf zu nehmen. Bezüglich des Erhalts ganzer Ensembles werde in Zukunft im Dialogprozess mit den Städten und Gemeinden zu prüfen sein, inwieweit sich bestimmte Vorstellungen realisieren lassen. Dabei sei selbstverständlich auch die Frage der Bewohn- und Nutzbarkeit zu stellen. Ina Scharrenbach: „Denkmalschutz und moderne Nutzung sind nicht immer in Einklang zu bringen. Wenn ein Gebäude oder ein Objekt aus denkmalschützerischer Sicht so wertvoll ist, dass es möglicherweise gar keiner modernen Nutzung zugeführt werden kann, dann muss man das auch vertreten. Aber es muss auch möglich sein, Gebäude mit Denkmalschutzmitteln für die Nachwelt erlebbar zu machen. Ich werde das gegebenenfalls im Einzelfall entscheiden." Bezüglich der oftmals diskutierten Landflucht und Leerstände erklärte sie, die neue Landesregierung werde sich den Landesentwicklungsplan noch einmal genau anschauen und einige Dinge anschieben, die die Entwicklung des ländlichen Raumes unterstützen. Dazu gehörten unter anderem bessere Verkehrsanbindungen. Nieheims stellvertretendem Bürgermeister Erwin Nowak machte sie das Kompliment: „Sie haben eine sehr schöne Heimat." Begleitet wurde die Ministerin bei ihrem Besuch von den Bundestagsabgeordneten Christian Haase (CDU) und Petra Rode-Bosse (SPD). Das Projekt „Heimatwerker " lässt nach Meinung der Ausführenden im historischen Stadtkern einen ganz besonderen Ort entstehen. Flüchtlinge, Studierende und Anwohner sanieren dort in der Zeit von April 2017 bis Ende 2018 ein altes Ackerbürgerhaus. Während des Umbaus erlernen die Teilnehmer handwerkliche Grundkenntnisse und werden in baugewerbliche Fachbetriebe weitervermittelt. Auf diese Weise bekommen die Teilnehmer nicht nur eine berufliche Perspektive, sondern können sich in ihrem neuen Heimatort nützlich machen. Nach Abschluss des Umbaus wird das Haus als offene Lernwerkstatt seine Türen öffnen und kann von allen Bürgern der Stadt Nieheim für handwerkliche, kreative und andere gemeinschaftliche Zwecke genutzt werden. Durchgeführt wird das Projekt von der Stadt Nieheim, der Landesinitiative Stadt-Bau-Kultur NRW und der Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Es hat eine Gesamtlaufzeit von zehn Jahren und lässt sich bei Erfolg auf andere Kommunen übertragen. Das Projekt wird durch Mittel des Landes, der Stadt Nieheim, der Landesinitiative Stadt-Bau-Kultur NRW und anderer Spender und Sponsoren finanziert.

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