Besinnung: Bevor er die Trauergäste am Verabschiedungsplatz begrüßt, hält Oberförster Harald Gläser oft Zwiesprache mit einem Höheren. - © Josef Köhne
Besinnung: Bevor er die Trauergäste am Verabschiedungsplatz begrüßt, hält Oberförster Harald Gläser oft Zwiesprache mit einem Höheren. | © Josef Köhne

Holzhausen Der Holzhäuser Friedwald ist voller Leben

Vor zehn Jahren erfolgten die ersten Planungen für den Friedhof Ave Natura. Am Samstag wird ein ökumenischer Waldgottesdienst gefeiert

Josef Köhne

Holzhausen. Mit dem Rückgang der klassischen Familienverbände geht in Deutschland auch ein Stück der traditionellen Bestattungskultur verloren. Erdbestattungen nehmen ab, während bei den Urnenbestattungen die Zahlen ansteigen. „Immer mehr Menschen fragen nach einem Platz im Friedwald", weiß Harald Gläser. Er ist Oberförster in der von der Borchschen Gutsverwaltung und dort zuständig für den Ave-Natura-Friedhof am Holsterberg. „Die ersten Überlegungen für einen Waldfriedhof haben wir vor zehn Jahren im Herbst 2007 angestellt", erinnert sich Gläser noch sehr gut an die Diskussionen, die in unserem christlich geprägten Raum um die Baumbestattungen geführt wurden. Nachdem jedoch im November 2009 die ersten Urnenbeisetzungen erfolgten, wurden die kritischen Stimmen leiser und das Interesse größer. „Mittlerweile sind für die auf zehn Hektar Waldfläche ausgewiesenen rund 600 Bäume für 350 Vereinbarungen getroffen worden", sagt Gläser. „52 Prozent davon bei Trauerfällen, 48 Prozent als Vorsorge." Offensichtlich ist es so, dass sich zunehmend mehr Menschen den Platz für ihre letzte Ruhestätte selbst auswählen. Wenn alle vorhandenen Plätze vergeben sind, können weitere vier Hektar Wald bereitgestellt werden. Auf die Frage, was das Besondere an diesem Friedwald ist, antwortet Harald Gläser nach einer Minute des Schweigens: „Alles!" In seinen Augen ist der Wald der Ort der Ruhe und des Sterbens, aber auch der Ort des Neubeginns und des Lebens. „Hier sterben die alten Bäume und die jungen Bäume wachsen nach. Hier stehen hohe und starke Bäume, die sich ihren Platz genommen und das Wachstum der anderen behindert haben. Hier stehen Bäume, die aufgrund ihres gesunden, auf guten Boden gefallenen Samens bessere Startchancen hatten als andere, die zurückgeblieben oder verkümmert sind. Hier stehen Bäume, die vom Schicksal, von Blitz und Sturm getroffen und verletzt wurden. Und es lassen sich Bäume finden, die aus verschiedenen Gründen erkrankten oder Krebs haben", lenkt Gläser den Blick auf die Bäume, von denen jeder ein anderes Aussehen, einen anderen Charakter hat. Besonders markant ist die Buche am Verabschiedungsplatz. Ihr Stamm teilt sich unten und die dicken Äste sind im oberen Bereich wieder zusammengewachsen. Für den naturverbundenen Oberförster ist das ein Symbol der Dreieinigkeit Gottes. Im Kontext mit dem christlichen Glauben betont Gläser, dass die Bestattung im Friedwald nichts mit heidnischen Gebräuchen zu tun hat. „Hier kann sich jeder nach seinem Glauben und nach dem Ritus seiner Kirche bestatten lassen. Das heißt, dass sowohl katholische als auch evangelische Geistliche das Zeremoniell leiten und die Gräber segnen." Einmal im Jahr sind alle Angehörigen und Freunde der im Friedwald bestatteten Verstorbenen zu einem ökumenischen Waldgottesdienst eingeladen. Er findet in diesem Jahr am Samstag, 12. August, um 15 Uhr statt und wird geleitet von Pfarrer Tim Wendorff und Diakon Michael Freiherr von Boeselager. Die musikalische Begleitung übernehmen der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde und das Jagdhornbläserkorps des Hegerings Nieheim. Zum Ort der ökumenischen Feier sagt Harald Gläser: „Es ist eine Waldkirche, in der sich die fest im Boden verwurzelten Bäume dem Himmel entgegenrecken. Auch da ähneln sie den gut geerdeten Menschen, die sich zielgerichtet und bewusst dem Himmel nähern." Und mit einem leichten Anflug von Ironie zieht er eine weitere Parallele: „Ebenso wie die Menschen, bekommen auch die Bäume von den Waldbewohnern Besuch. Von den gern Gesehenen und von denen, die nur ihren eigenen Vorteil suchen."

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