Don Quijote lässt grüßen: Mit einem grotesken Jubiläumsritt erinnern Funke, Rüther und Philipzen an den 400. Todestag von Shakespeare und Cervantes. - © Josef Köhne
Don Quijote lässt grüßen: Mit einem grotesken Jubiläumsritt erinnern Funke, Rüther und Philipzen an den 400. Todestag von Shakespeare und Cervantes. | © Josef Köhne

Nieheim Storno rechnet in Nieheim ab

Das Trio Funke, Rüther und Philipzen begeistert mit genialem Wortwitz und ungebremster Spielfreude. Der Spiegel der Nation hing erneut auf Augenhöhe

Josef Köhne

Nieheim. Glänzend arrangiert und perfekt in Szene gesetzt: So erlebten 500 begeisterte Zuschauer in der ausverkauften Stadthalle das Kult-Kabarett "Storno - die Abrechnung 2016". Mit geschliffenen, sich widersprechenden Dialogen führten Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther durch die Höhen, vor allem aber durch die Niederungen deutscher, europäischer und internationaler Politik. Ihr Blick richtete sich auf die Eichenhörnchen Toupets der dröhnenden Lautsprecher Donald Trump und Boris Johnson, deren Exit-Gelüste dem "europäischen Türsteher vom Bosporus" in die Hände spielen. Sie öffneten die Türen für einen Blick hinter die Kulissen von Social Media. In den Netzwerken breitet sich weniger der heilige, als vielmehr der verwirrte Geist von zig Millionen Wichtig- und Meinungsmachern in der Welt aus. Facebook, Twitter & Co. tragen, Philipzen zufolge, zur Verdummung der Menschen bei und schaffen den Machtbesessenen die Plattform für weltweite Manipulationen. Wen wundert es da, dass sich der "kleine Geist" Harald Funke von Verschwörungstheorien leiten lässt und Putin für einen großen Zauberer hält, dem es gelingt, einem Opossum den Kopf eines amerikanischen Baulöwen transplantieren zu lassen. Zum neuen Sexualstrafrecht klärt Rüther auf: "Ein Nein heißt jetzt auch nein." Kommentar Funke: "Damit ist jedes Schützenfest im A...!" Und wer in Zukunft nicht mehr behaupten darf, dass AfD-Frauke mit der markanten Knabenfrisur Kacke labert, dem empfehlen Funke, Philipzen und Rüther vom "Stuhl Petry" zu reden. Wer bislang noch nicht den Unterschied zwischen einem gewissen Herrn Gauland und einer Kinderschokolade kannte, der erfuhr bei Storno, dass der Schokoriegel "außen braun und innen weiß" ist. Ein kabarettistische Delikatesse waren die Imitationen von Udo Lindenberg, Herbert Grönemeier und Bob Dylan. Bei Thomas Philipzen als 70-jährigem Nuschel-Udo blieb kein Auge trocken. Und da gibt?s ja auch noch den neumodernen Begriff Partnership, unter dem der intelligente Herr Rüther die Partnervermittlung für Gebildete und Akademiker versteht, während dem schlichten Herrn Funke das partnerschaftliche Schneeschippen im Winter einfällt. Dafür aber versteht sich Funke hervorragend auf Rapp vom Stil eines Bushido. Zu den in diesem Jahr vom quicklebendigen Trio Funke, Philipzen, Rüther in Erinnerung gerufenen Jubiläen gehörten die pubertären Zahnspangen- und Discoerlebnisse aus 100 Jahre Jugendherberge sowie das von Windflügeln, Pferdegetrappel und Eseleien begleitete Gedenken an William Shakespeare und Miguel de Cervantes. Storno: Die Abrechnung 2016 ist ein kabarettistisches Meisterwerk mit einem Katalysator, bei dem die reinigende Wirkung auch bei hohen Drehzahlen anhält. An VW und an der Deutschen Bank gemessen, wäre dem genial aufklärenden Trio ein Bonus sicher.

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