Wollen kämpfen: Dem ökumenischen Gedanken folgend, setzen sich Monika Hölscher-Darke und Georg von Puttkammer für den Erhalt der evangelischen Kapelle ein. - © Josef Köhne
Wollen kämpfen: Dem ökumenischen Gedanken folgend, setzen sich Monika Hölscher-Darke und Georg von Puttkammer für den Erhalt der evangelischen Kapelle ein. | © Josef Köhne

Himmighausen Ökumenische Initiative will Kapelle erhalten

Kirche: Das Presbyterium der evangelischen Kirche Marienmünster-Nieheim plant die Entwidmung der Kapelle in Himmighausen-Bahnhof

Josef Köhne

Himmighausen. "Leider werden wir uns in naher Zukunft von der Kapelle in Himmighausen-Bahnhof trennen müssen", teilt das Presbyterium der evangelischen Kirche Marienmünster-Nieheim im neuen Gemeindebrief mit. "Das ist eine schmerzhafte Entscheidung, aber sie ist nach unserer Überzeugung unvermeidbar", heißt es weiter. Als Grund für die geplante Aufgabe nennt das Presbyterium die laufenden Kosten, eine anstehende Sanierung sowie die Tatsache, dass das am Berghang gelegene Gotteshaus von Gehbehinderten nur schwer zu erreichen ist. Ferner wird darauf hingewiesen, dass der sich auch in der evangelischen Kirche abzeichnende Personalmangel regelmäßige Gottesdienste nicht mehr erlaube. In Himmighausen betrachtet man dieses Schreiben mit großer Sorge, denn dort kommt der kleinen, hoch im Wald gelegenen Kapelle eine besondere Bedeutung zu: Sie wurde 1933 mit privaten Mitteln und enormer Eigenleistung errichtet. Sie überstand den Krieg und wurde vielen evangelischen Christen, vor allem den Ostvertriebenen, zur zweiten Heimat. Viele von ihnen sind hier getauft, und an Weihnachten und Ostern teilten sie sich die Bänke mit zahlreichen Katholiken, die es ebenfalls zum Gottesdienst auf den Berg zog. In den letzten Jahren noch führten mehrere Himmighäuser Pflegemaßnahmen im Umfeld durch und zeigten damit ihre Verbundenheit zu dem malerischen Ort der Andacht und der Stille. Für Ortsheimatpflegerin Monika Hölscher-Darke ist es deshalb undenkbar, dass es die Kapelle in absehbarer Zeit nicht mehr geben soll. Gemeinsam mit dem Protestanten Georg von Puttkammer hat sich die Katholikin nun aufgemacht, für den Erhalt der Kapelle zu werben. "Ebenso, wie die meisten Mitglieder meiner Familie bin ich hier getauft", sagt von Puttkammer. Außerdem war sein Urgroßvater beim Bau der Kapelle einer der Förderer und Spender. Einen persönlichen Bezug zu dem idyllisch gelegenen Gotteshaus hat auch Leitender Forstdirektor i. R. Ernst-Heinrich Uber. Seit der in Lippe aufgewachsene evangelische Christ vor etwa 30 Jahren mit seiner Familie nach Himmighausen zog, hat er einen engen Bezug zur Kapelle. "Ich werde alle unterstützen, die sich für ihren Erhalt einsetzen", sicherte er Hölscher-Darke und von Puttkammer seine Mitarbeit zu. Ihre volle Unterstützung "als Privatiers" haben auch die örtlichen Kommunalpolitiker Willi Busse und Thomas Müther bereits zugesichert. Wie diese aussehen kann, darüber wollen Georg von Puttkammer und Monika Hölscher-Darke möglichst zeitnah in einer "ökumenischen Runde" beraten. "Ich bin mir sicher, dass auch die Himmighäuser Katholiken ein Interesse daran haben, dass die Kapelle dem Dorf erhalten bleibt und dass sie unser Anliegen unterstützen werden", zeigt sich die Ortsheimatpflegerin im Gespräch mit der NW zuversichtlich. Klare Vorstellungen für die Kirchenrettung hat Georg von Puttkammer bereits entwickelt. "Wir sollten die evangelische Kirche nicht ganz aus ihrer Verantwortung entlassen", meint der Finanzfachmann, "wir könnten sie aber mit einem neu zu gründenden Förderverein unterstützen und ihr mit einem in Himmighausen gewählten Kapellenrat einen großen Teil der anfallenden Arbeiten abnehmen." Mit dieser "ökumenischen Initiative", so hoffen die besorgten Himmighäuser, sollte sich die im "Brief vom Presbyterium" angekündigte "feierliche Entwidmung" (res sacrae) noch verhindern lassen. Auf Anfrage der NW erklärte Vakanzverwalter Pfarrer Volker Walle, es sei noch nichts entschieden. Das Problem bei der nächsten Gemeindeversammlung thematisiert. Kommentar Ein Zeichen gelebter Ökumene Man kann nicht alles erhalten, ist eine oft gehörte Meinung. Zweifellos ist das richtig, sollte im Einzelfall jedoch gut überlegt sein. So auch in Himmighausen, wo Bürger die geplante Entwidmung der evangelischen Kapelle verhindern möchten. Wer ihnen zuhört erfährt, dass das kleine Gotteshaus 1933 errichtet wurde. Somit in einem Jahr, als in Deutschland ein Führer an die Macht kam, der von einem 1.000-jährigen Reich träumte, in dem er Juden umbringen und aufrechte, sich gegen sein totalitäres Regime auflehnende Christen in Konzentrationslagern verschwinden lassen konnte. Die kleine Kapelle hat dieses unselige Regime unbeschadet überstanden, und sie gab denen ein Stück Heimat, die als „Andersgläubige" infolge der Taten des brutalen Unrechtsstaates zwangsweise in eine erzkatholische Gegend umgesiedelt wurden. Sie stand aber auch im Mittelpunkt der 1.000-Jahrfeier des Kreis-Golddorfes Himmighausen, als Superintendentin Anke Schröder hier einen von der ganzen Dorfgemeinschaft begleiteten Festgottesdienst feierte. Aus den vorgenannten Gründen, vor allem wegen des vorbildlich gelebten ökumenischen Gedankens, ist der Initiative zur Rettung der Kapelle Erfolg zu wünschen. Kontakt zum Autor

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