Ständige Begleitung: Im Abstand von drei bis vier Wochen tauschen sich Susanne Heidel (l.) und Lisa M. über ihre Schützlinge aus und legen den weiteren Fahrplan für sie fest. - © Josef Köhne
Ständige Begleitung: Im Abstand von drei bis vier Wochen tauschen sich Susanne Heidel (l.) und Lisa M. über ihre Schützlinge aus und legen den weiteren Fahrplan für sie fest. | © Josef Köhne

Nieheim/Kreis Höxter Soziales: Eine Nieheimerin betreut zwei Kinder des Vereins Sonderpflege

Das Zusammenleben auf Zeit erfordert Fachwissen und Durchhaltevermögen und schafft enge Bindungen

Josef Köhne

Nieheim/Kreis Höxter. Lisa M. hat vier Kinder, doch nur zwei sind ihre leiblichen. Da die beiden anderen weder Adoptiv- noch Pflegekinder sind, stellen ihr immer wieder Menschen die Frage, wer oder was denn diese beiden Kinder sind. "Die Antwort ist relativ einfach", sagt Lisa M., "es sind Kinder in der stationären Jugendhilfe." Was sich dahinter verbirgt, erläutert ihre Erziehungsleiterin, die Sozialpädagogin Susanne Heidel. Heidel ist Mitarbeiterin des Vereins Sonderpflege Barntrup und in dieser offiziell als Jugendhilfeträger anerkannten Einrichtung für die Region Lippe/Höxter/Paderborn zuständig. Gemeinsam mit Vertretern des zuständigen Jugendamtes vermittelt sie Kinder aus schwierigen Verhältnissen in Familien, die, wie die der Nieheimerin Lisa M., dazu bereit sind, Kinder in Vollzeit zu betreuen. »Bevor jemand für uns arbeiten darf, durchläuft er ein intensives Bewerbungsverfahren« "Bevor jemand für uns arbeiten darf, durchläuft er ein intensives Bewerbungsverfahren", macht Susanne Heidel deutlich, dass der Verein Sonderpflege Wert auf eine qualifizierte Ausbildung, Transparenz und insbesondere auf das Wohl des zu betreuenden Kindes legt. In der Regel sind es Frauen, die sich zur Aufnahme eines Kindes bereit erklären. Bevor ihnen die Verantwortung für ein zu betreuendes Kind übertragen wird, prüfen die Erziehungsleiterin, das Jugendamt und das Landesjugendamt, ob die persönlichen und räumlichen Gegebenheiten den Anforderungen entsprechen. So müssen unter anderem der Lebenspartner und mögliche vorhandene eigene Kinder der Aufnahme unvoreingenommen zustimmen. "Ohne würde es auch gar nicht gehen", weiß Lisa M. aus eigener Erfahrung. "Man kann ja nicht rund um die Uhr zu Hause sein und muss sich deshalb bedingungslos auf den Partner beziehungsweise die Familie verlassen können." Grundvoraussetzung für die Betreuung eines vom Jugendamt vermittelten Kindes ist ferner ein eigenes Zimmer. Die täglich anstehenden Entscheidungen für die Kinder treffen die aufnehmenden Betreuerinnen, die regelmäßig, zum Beispiel in der Traumabewältigung von Kindern, geschult werden. Weitergehende Probleme, wie Operationen, Wahl der Schule oder Anmeldung in Vereinen, werden mit der Erziehungsleiterin und dem Vormund (vom Gericht bestellt, leibliche Eltern oder Jugendamt) abgestimmt. "Wie man sieht, begleiten unsere Erziehungsleitungen regelmäßig die Arbeit der sozialpädagogischen Lebensgemeinschaften und übernehmen die Dienst- und Fachaufsicht. Sie nehmen Aufgaben der Koordination zwischen Erziehungsstelle, Jugendamt, Eltern und Träger wahr und gewährleisten damit, dass weder die von Sonderpflege betreuten Kinder noch die sie betreuenden Personen allein gelassen werden", erklärt Susanne Heidel. Nach fünfjähriger Erfahrung mit zunächst einem und nun zwei Kindern, kann Lisa M. das nur bestätigen. "Es ist eine Aufgabe, die einen rund um die Uhr fordert, bei der man aber viel zurück bekommt", sagt sie. Bereut hat sie ihren Schritt nie, und ihre Familie, das betont sie, denkt genauso wie sie. Dass sie sich nicht für ein Pressefoto ablichten lässt, hat weniger mit ihr, als mit den Kindern zu tun. "Sie müssen geschützt werden, das hat Priorität", meint Lisa M. und empfiehlt Familien, die die Möglichkeit haben, ein oder mehrere Kinder aufzunehmen, sich einmal mit dem Verein Sonderpflege in Verbindung zu setzen. "Wichtig ist allen Beteiligten eine konstante, möglichst langfristige Beziehung unter weitgehend familienähnlichen Lebensbedingungen", fügt Susanne Heidel an. Wer mehr erfahren möchte, findet Hinweise und Erläuterungen unter www.sonderpflege.de. Der E-Mail-Kontakt zu Susanne Heidel ist sonderpflege-barntrup@t-online.de. Der Verein Sonderpflege ist Mitglied des Paritätischen Wohlfahrtsverbands sowie der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen.

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