Offenes Forum: Anja Schmidt (v. l.), Nina Nolte und Regina Linhoff konnten den Publizisten Christian Nürnberger für den Nieheimer Frauentag gewinnen. - © Jonas Gröne
Offenes Forum: Anja Schmidt (v. l.), Nina Nolte und Regina Linhoff konnten den Publizisten Christian Nürnberger für den Nieheimer Frauentag gewinnen. | © Jonas Gröne

Nieheim 500 Besucher bei Nieheimer Frauenmesse

Der Publizist Christian Nürnberger spricht über Geschlechterrollen, Emanzipation und seine ganz persönlichen Erfahrungen, als er sich für Kindererziehung statt Karriere entschied

Jonas Gröne

Nieheim. Wenn es unter den Nägeln brennt: Auf dem 6. Nieheimer Frauentag regte der Publizist Christian Nürnberger eine Zuschauerdiskussion über die aktuellen Geschlechterverhältnisse an. Gemeinsam mit dem Publikum suchte man nach Lösungsvorschlägen. Im Käsemuseum lief derweil eine mit 30 Ständen bestückte Messe rund um das Thema Frau. Mehr als 500 Gäste besuchten am Samstag die Frauenmesse im Westfalen Culinarium zum Frauentag. »Persönliches Zeichen gegen 10.000 Jahre Männerherrschaft« Wenn man den Publizisten Christian Nürnberger nach dem Weltereignis der jüngeren Geschichte fragt, hat er eine klare Antwort parat: "Das ist die Emanzipation der Frau", stellte der Mainzer auf dem Nieheimer Frauentag fest. Als Hauptredner diskutierte der 66-jährige Nürnberger die aktuellen Geschlechterverhältnisse, auch mit Blick auf die seit Oktober letzten Jahres laufende "MeToo-Debatte". Nürnberger sieht in diesem Aufschrei nichts weniger als eine Zivilisationschance: "Sie müssen sich nicht mehr der Gewalt der männlichen Domäne unterziehen. Junge Frauen beenden endlich das System des Schweigens. Und wenn die weibliche Emanzipation jetzt endlich vollzogen wird, dann sind wir auf der Treppe der Zivilisation eine Stufe höher gestiegen", hob Nürnberger hervor. Den momentanen Aufbruch in der Gesellschaft deutete der Referent religiös: "Das ist ein Kampf um Menschwerdung" sagte er, und dieser Kampf sei beendet, wenn "eine schwarze Kardinalin zum Papst gewählt werden würde." In seinem Vortrag referierte der Mainzer Buchautor auch aus seinem Alltag. Als Mann der Fernsehjournalistin Petra Gerster entschied sich Nürnberger für die Kindererziehung: "Man fragte mich dann: Warum machst du keine Karriere? Und meine Frau fragte man: Warum bist du nicht bei den Kindern?", führte Nürnberger die Geschlechterrollen vor. Dass er den Schreibtisch gegen den Wickeltisch getauscht hat, hätte er nie bereut, sagt er. Für Nürnberger sei dieser Schritt ein persönliches Zeichen "gegen die 10.000 Jahre Männerherrschaft", die mit der momentanen Bewegung nun endlich ihr Ende finden solle, so Nürnberger. Doch als es nach 25 Jahren für ihn wieder in den Beruf ging, fühlte er mit den Müttern, die sich ebenfalls solchen Herausforderungen ausgesetzt sehen: "Dafür gibt es keine richtigen Lebensmodelle, wenn man so eine lange Zeit ausfällt", sagte Nürnberger und schlug in der später folgenden Diskussionsrunde vor: "Man könnte in der Ausfallzeit weniger arbeiten. Vor und nach der Ausfallzeit kann man im Gegenzug dann mehr arbeiten. Man müsste dafür nur ein überzeugendes System bilden." Angeregt diskutierte das Publikum im Anschluss noch mit dem Referenten über berufliche und gesellschaftliche Aspekte der Debatte. Währenddessen präsentierten rund 30 Stände im gegenüberliegenden Käsemuseum eigene Produkte, Dienstleistungen oder Kunstwerke rund um den Frauentag. Das Angebot reichte dabei von professioneller Handcremeberatung bis hin zum Brautcheck. Denn beim Stand von Hochzeitsplanerin Anne Schlüter und Make-up-Artistin Michaela Wessler konnten Frauen einen Rundumschlag zur Hochzeitsplanung erhalten: "Am schönsten ist es, wenn das Paar am Ende des Tages ein Strahlen im Gesicht hat. Dann weiß man, dass man alles richtig gemacht hat", erzählt Schlüter. Mit kleinen Kuriositäten warteten hingegen die Landfrauen aus dem Kreis Höxter auf. Wie Muffins oder Gebäckteile wirken ihre buntgefärbten Seifenstücke: "Wir stellen diese Seife aus Natron, Zitronensäure, Stärke und Öl her. Dazu kann man dann nach Belieben Blüten, Rosenblätter und ähnliches hinzugeben", sagt Katja Hübner vom Landfrauenverband. Mit mehr als 500 Besuchern ist der 6. Nieheimer Frauentag ein Erfolg gewesen: "Neben vielen Nieheimern waren in diesem Jahr auch viele auswärtige Gäste da. Wir versuchen immer 30 Stände zu stellen. Diesmal hatten wir sehr schöne Produkte dabei", blickt Organisatorin Nina Nolte zurück. Gemeinsam mit Regina Linhoff und Anja Schmidt organisierte sie den Frauentag.

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