Die von Grund auf restaurierte Barockorgel in der ehemaligen Benediktinerabtei St. Jakobus Marienmünster mit ihren jetzt 44 klingenden Registern.
Die von Grund auf restaurierte Barockorgel in der ehemaligen Benediktinerabtei St. Jakobus Marienmünster mit ihren jetzt 44 klingenden Registern.

Marienmünster Durch die Ohren ins Herz

Marienmünster. Fachleute hatten wiederholt darauf hingewiesen, dass die von dem Lippstädter Johann Patroclus Möller vor 274 Jahren geschaffene Orgel der Abteikirche St. Jakobus aus verschiedensten Gründen äußerst überholungsbedürftig sei. Jetzt, am Freitag vor dem Christkönigsfest, war es endlich soweit: Eines der kostbarsten Instrumente Westfalens hielt, im barocken Gewand einer Königin, festlich Einzug in das bis heute von der Ordensgemeinschaft der Passionisten geleitete Gotteshaus.

In feierlicher Erwartung füllten sich schon frühzeitig die nicht gerade ergonomisch getischlerten Kirchenbänke und das kunstvoll gearbeitete Chorgestühl in St. Jakobus. Alle fieberten – nach 25 Monaten Abstinenz – den ersten befreienden Tönen "ihrer" Orgel entgegen. Die delikate Aufgabe, hier das Bestmögliche restauratorisch herauszubilden und das Instrument auf seinen quellenmäßig belegten Originalzustand zurückzuführen, lag in den Händen der hochgeschätzten französischen "Manufacture d’orgues Muhleisen" aus dem Elsass.

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Das heißt auch, dass die vor vielen Jahren abhanden gekommenen zwei Pedalregister (16 und 8 Fuß) dem Instrument neu wieder zugeführt wurden. Am dreimanualigen Spieltisch wartete Professor Gerhard Weinberger aus München auf seinen Einsatz.

Im Mittelpunkt der Orgelweihe stand die Festansprache des Paderborner Domkapitulars Monsignore Andreas Kurte, der, als Offiziant, zusammen mit Pater Gerd Blick, das Weihegebet sprach und das Instrument mit Weihrauch und dem Weihwasser der Osternacht segnete.

"Gott loben, das ist unser Amt", diesen einleitenden Psalmvers platzierte Andreas Kurte in den Mittelpunkt seiner prägnanten Predigtgedanken. "Der Vers aus Psalm 100 ist keine Dienstanweisung für Organisten und Chorleiter sondern ein grundsätzlicher Auftrag für uns Christen. Gotteslob im Gottesdienst ist ein wesentlicher Teil unserer christlichen Existenz", rief Kurte den andächtig lauschenden Kirchenbesuchern zu. "Keine Religion der Erde ist ohne Musik was sicherlich nicht zufällig ist. Singend und musizierend können wir Menschen uns emotionaler und tiefer ausdrücken als nur im nüchtern gesprochenen Wort. Wo Menschen Gott preisen erweist sich das gesprochene Wort oft als unzureichend".

Andreas Kurte hob abschließend den Wert der Kirchenorgel hervor: "Wir singen, damit der Glaube nicht verstummt. Und darum brauchen wir hier in der Kirche eine Orgel, nicht in erster Linie für Konzerte, denn die Kirche ist kein Konzerthaus, sondern Ort des Gotteslobes. In einer Zeit der Veränderungen, wie wir sie in unserem Bistum und in der deutschen Kirche erleben, erinnert uns die Orgel an unsere zentrale Aufgabe für uns Christen: Gott loben, das ist unser Amt"!

Der erste Ton, den Gerhard Weinberger mittels schwarzer Ebenholztaste der mechanischen Traktur des Hauptwerks anschlug, war ein mit einer Fermate ausgeschmücktes "a" der "Toccata und Fuge d-Moll" BWV 565 von Johann Sebastian Bach. Dieses mit Arpeggien und halsbrecherischen Läufen bestückte Werk ging bei der Zuhörerschaft durch die Ohren direkt ins Herz. Den meisten Anwesenden wurde bewusst, dass dieses Orgelwerk geschaffen wurde, als die Orgel in Marienmünster bereits ihren Dienst verrichtete.

Die Scholisten der Gregorianikschola Marienmünster-Corvey, Leitung Hans Hermann Jansen, brachten sich mit fünf Versen des Hymnus’ im 1. Psalmton "Caeléstis urbs Jerusalem" stimmig und überaus würdevoll mit ein. Aber auch die Gemeinde wurde in den Gesang (ohne und mit Orgelbegleitung) mit eingebunden und ließ die Weihevesper mit drei Strophen des Hymnus’ "Te Deum laudamus – Großer Gott, wir loben dich" festlich ausklingen.
Musik kann verschlossene Türen öffnen. Dieser Abend in Marienmünster war ein neuer Anfang dafür, diese Angebote wahr- und anzunehmen.

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