Leichbauexperte Martin Stosch, Backwarenforscherin Uta Hermenau und Abwasserverwerter Martin Oldenburg (v. l.). - © FOTO: BURKHARD BATTRAN
Leichbauexperte Martin Stosch, Backwarenforscherin Uta Hermenau und Abwasserverwerter Martin Oldenburg (v. l.). | © FOTO: BURKHARD BATTRAN

Marienmünster Hinter den Kulissen der Forschung

Experten der Hochschule OWL gehen bei der Schlossrunde den Wirtschaftstrends der Zukunft auf die Spur

Marienmünster (bat). Es klingt nach Science Fiction und ist womöglich näher als man annehmen würde. Die meterdicken städtischen Abwasserkanäle, die jedes Jahr die Städte im Kreis Höxter und deren Bewohner mehrere Millionen Euro Instandhaltungskosten abverlangen, könnten künftig nicht mehr viel dicker sein, als ein Staubsaugerrohr.

"Derzeit arbeiten wir an einem großen interdisziplinären Forschungsprojekt, das mittels Unterdrucksystemen Abwasserwirtschaft und erneuerbare Energie verknüpft", erklärte Prof. Martin Oldenburg, Experte für biologische Abwasserreinigung und Abwasserverwertung im Fachbereich Umweltingenieurwesen am Höxteraner Standort der Hochschule OWL.

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Die Hochschule hatte zusammen mit der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Höxter (GfW) und der IHK zur 4. Schlossrunde eingeladen ,die in diesem Jahr im Saal der Kulturstiftung der Abtei Marienmünster stattfand. Zirka 80 Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft trafen sich, um Impulsreferate zu aktuellen Forschungen zu hören und über Transfer-Möglichkeiten zwischen Forschung und betrieblicher Anwendung zu diskutieren.

"Hier in der Abtei Marienmünster haben wir erneut einen stimmungsvollen Ort gefunden, der einen guten Rahmen darstellt, um den Austausch zwischen Wirtschaft und Hochschule zu intensivieren", begrüßte die stellvertretende Landrätin Carola Breker die Gäste und Teilnehmer. "Politik und Wirtschaft stehen oft vor ähnlichen Herausforderungen, die Wissenschaft und Forschung kann helfen, frühzeitig zu erkennen, wohin die Reise geht", betonte Breker.

Information

Noch mehr Impulse

      
  • Prof. Klaus Maas vom Lehrstuhl für Umweltinformationssysteme am Standort Höxter zeigte, wie sich aus Geodaten des Landes NRW exakte Potenzialanalysen für Dachflächen-Solaranlagen berechnen lassen.
  • Dr. Uta Hermenau forscht im Arbeitsfeld Backwarentechnologie an schmackhaften, glutenfreien Teigwaren.
  • Prof. Martin Stosch (Lemgo) forscht im Fachgebiet Holz- und Möbelkonstruktion an der Entwicklung von Leichtbau-Verfahren.

Bei den Unterdrucksystemen von Prof. Oldenburg wird das Abwasser verdichtet, das Wasser abgeschieden und die Entsorgungsfrachten direkt zur Energieerzeugung genutzt. Wenn Kläranlagen zu profitablen Kraftwerken werden, könnten endlich einmal die Abwassergebühren sinken statt immer nur zu steigen. Eine wichtige Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Hochschule ist die Effizienzforschung. Arbeitswissenschaftler und Fabrikplaner Prof. Wilfried Jungkind erläuterte, wie sich durch Prozessoptimierung 20 bis 30 Prozent Rationalisierungpotenziale erschließen lassen. "Es geht hier nicht um Arbeitsplatzabbau, sondern darum, wie man Prozessabläufe verbessert, denn der Wettbewerbsdruck auf immer globaleren Märkten zwingt dazu, mit den vorhandenen Ressourcen mehr zu leisten", erklärte Jungkind, der am Standort Lemgo für die Hochschule OWL tätig ist. Während Großbetriebe ständig durch so genanntes Industrial Engineering betriebliche Abläufe verbesserten, versuchten kleine und mittelständische

Unternehmen bisher noch viel zu wenig in diesem Feld Potenziale zu erschließen.

Die Schlossrunde fand 2009 erstmals in der Landvolkshochschule des ehemaligen Zisterzienserklosters Hardehausen statt. Danach waren Schloss Gehrden und die die Burg Dringenberg Austragungsorte der Veranstaltung. Die Schlossrunde ist ein Forum, wo Wirtschaft und Forschung sich begegnen und Unternehmen aus dem Kreis Höxter eine Gelegenheit bekommen, wissenschaftliche Kooperationspartner zu gewinnen und modernstes Know-how kennen zu lernen.

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