Es war einmal: Gestern Abend machten Burkhard und Antje Münster das Licht im Laden aus. - © Josef Köhne
Es war einmal: Gestern Abend machten Burkhard und Antje Münster das Licht im Laden aus. | © Josef Köhne

Bredenborn Bäckerei Münster in Bredenborn schließt nach 90 Jahren

Eine Spezialität war die leckere Maraschino-Torte

Josef Köhne

Bredenborn. Rund 90 Jahre ist es her, dass der Bäckermeister Franz Münster in Bredenborn eine Bäckerei eröffnete. Am letzten Tag im Januar wurde der Backofen von seinem Enkel Burkhard Münster für immer abgeschaltet. „Es war eine Kopfentscheidung", sagt Burkhard Münster, denn Bäcker ist er nach wie vor gerne und mit Leib und Seele. Allerdings konnte auch er am demografischen Wandel und an den großen Veränderungen der vergangenen Jahre nicht mehr vorbeischauen. Die Kunden wurden älter, viele sind im Lauf der Zeit verstorben und die jungen, zumeist berufstätigen Leute sind nicht zuhause, wenn der Bäckerwagen kommt, nennt er Gründe für die schon vor einiger Zeit mit seiner Frau Antje getroffene Entscheidung. Ein weiterer Grund waren die anstehenden hohen Investitionen in einen neuen Backofen und in ein neues Fahrzeug, die den 45-jährigen Handwerksmeister zum einschneidenden Cut veranlassten. „Von unseren beiden Söhnen wird keiner die Nachfolge antreten und ob ich in zehn Jahren noch jeden Tag und jede Nacht 16, 17 und mehr Stunden arbeiten kann, ist fraglich", hat Burkhard Münster über die Zukunft nachgedacht. Vater Franz-Josef arbeitete bis zu 20 Stunden täglich Den Hut zieht er noch heute vor seinem Vater Franz-Josef, der nahezu jeden Tag 20 Stunden auf den Beinen war und an Feiertagen wie Schützenfesten oder Weißer Sonntag bis zu 120 Torten backte und auslieferte. Während dieser Zeit half der Schüler Burkhard schon früh morgens in der Backstube mit und war an den schulfreien Samstagen und Sonntagen ein fleißiger Helfer. Nach der Schule begann er eine Bäckerlehre, machte 1991 die Gesellenprüfung, leistete den 15-monatigen Wehrdienst ab, sammelte Erfahrung in einer anderen Konditorei und bestand 1996 die Meisterprüfung. 1998 heiratete er seine Frau Antje („Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen") und übernahm 1999 den Betrieb. »Es war verdammt viel Arbeit, aber ich habe es gerne gemacht« Mit dem Bäckerwagen war er seit 1997 („nach Vaters Herzinfarkt") unterwegs. Während dieser Zeit war er in der Regel ab 2.30 Uhr in der Backstube. Anschließend startete er mit dem Verkaufswagen zu seinen Kunden in Sommersell, Entrup, Eversen, Rolfzen und Steinheim, später übernahm er die Kunden der Bäckerei Sasse in Oeynhausen, Vinsebeck und Ottenhausen. Samstags begann die Nachtschicht um 23 Uhr, der Verkaufswagen mit den frischen Brötchen ging um 7 Uhr auf Tour. „Es war verdammt viel Arbeit", denkt Burkhard Münster an die vielen Stunden zurück, die er in der Backstube und im Bäckerwagen verbrachte, „aber ich habe es gerne gemacht, ich habe unheimlich viele Menschen kennengelernt und ich habe viel erfahren." Er selbst wird am 1. Februar in der Bäckerei Krome seine neue Arbeit aufnehmen, Ehefrau Frau Antje fängt als Bäckereiverkäuferin in Brakel an. Froh ist das Ehepaar Münster, dass auch die beiden langjährigen Gesellen sofort einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben. Dank sagen Antje und Burkhard Münster allen Kunden, die ihnen über viele Jahre die Treue hielten und von denen ihnen einige sehr ans Herz gewachsen sind. Deutlich wurde das gestern, als sich mehrere Kunden mit Tränen in den Augen vom Bäcker ihres Vertrauens verabschiedeten.

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