Teilnehmer: Vitaliano Torno (Präsident von O-I Europa, v. l.), Johannes Schraps (SPD), Sabine Tippelt (SPD), Christian Meyer, niedersächsischer Minister für Ernährung und Landwirtschaft (Grüne), Michael Prechtl von O-I, Werksleiter Cyril Thybaut und Bürgermeister Jürgen Daul. - © Vivien Tharun
Teilnehmer: Vitaliano Torno (Präsident von O-I Europa, v. l.), Johannes Schraps (SPD), Sabine Tippelt (SPD), Christian Meyer, niedersächsischer Minister für Ernährung und Landwirtschaft (Grüne), Michael Prechtl von O-I, Werksleiter Cyril Thybaut und Bürgermeister Jürgen Daul. | © Vivien Tharun

Holzminden 120 Jahre Glashütte Holzminden

O-I Werk: Der weltweit größte Produzent für Glasbehälter lädt zum Rundgang durch die Fertigungshallen. 310 Millionen Behälter werden dort pro Jahr hergestellt

Holzminden. Sein Großvater Heinrich kam noch täglich in die Glashütte Holzminden, als dieser schon längst in Rente war „so verbunden war er der Firma“, sagt Niedersachsens Minister für Landwirtschaft und Ernährung, Christian Meyer (Grüne). Minister Meyer hält eine Rede anlässlich des 120-jährigen Bestehens der Glashütte. Die Firma hat Politiker, Unternehmer und Mitarbeiter nach Holzminden eingeladen, um gemeinsam das Werk zu besichtigen. Einige Gäste sind aus Belgien, Großbritannien und Tschechien angereist, um die Glashütte mit der langen Geschichte in Augenschein zu nehmen.„In den 50er Jahren gab es finanzielle Schwierigkeiten“ Im Jahr 1897 wurde das Werk gegründet, die Produktion ruhte während des Ersten Weltkriegs und 1921 wurde die Arbeit wieder aufgenommen. „Ende der 50er Jahre gab es finanzielle Schwierigkeiten, so dass ein privater Investor einsprang“, sagt Michael Prechtl von Owens-Illinois (O-I), dem größten Glasverpackungsproduzenten der Welt. O-I übernahm 2004 die Glashütte Holzminden. Mittlerweile werden hier pro Jahr 310 Millionen Flaschen hergestellt, was ungefähr 100.000 Tonnen Glas entspricht. Es gibt rund 1.200 verschiedene Artikel mit Füllmengen zwischen 20 Millilitern und zwei Litern. Rund die Hälfte der Produktion geht ins Ausland. Holzmindens Bürgermeister Jürgen Daul sagt, die Glashütte sei mit 280 Mitarbeitern ein wichtiger Arbeitgeber in der Stadt, der eine gute Personalpolitik habe. Werksleiter Cyril Thybaut (seit zwei Jahren am Standort Holzminden) führt die Gäste durch das Werk. Hohe Sicherheitsstandards gelten dort: Kopfbedeckung, Schutzjacke und -brille muss jeder Teilnehmer aufsetzen und anziehen. In zwei Wannen wird an sieben Tagen in der Woche, rund um die Uhr Glas geschmolzen. Die Temperatur beträgt bis zu 1.600 Grad Celsius, bis zu 230 Tonnen können in einer Wanne pro Tag geschmolzen werden. Acht Millionen Euro kostet ein Exemplar und alle 15 bis 17 Jahre ist ein neues fällig. „Die Gussformen für die Flaschen werden alle von Hand gestaltet. Das ist richtige Künstlerarbeit“ sagt Thybaut. Zudem sei die Produktionsstätte eine der flexibelsten überhaupt. Das bedeutet, dass in der Holzmindener Glashütte neben Kleinstserien auch spontan auf Kundenwünsche reagiert werden kann: „Wir können mit nur einer Maschine in kürzester Zeit verschieden schwere Flaschen unterschiedlicher Farben fertigen“, sagt Thybaut. Kunden wie Schnapshersteller Berentzen, Smoothieproduzent True Fruits und eine Reihe Wodka- oder Whiskymarken lassen in diesen Hallen ihre Flaschen entwerfen und fertigen. Die fertigen Glaswaren gehen in Länder wie Russland, Skandinavien, Neuseeland oder die USA. Ganze 60 Prozent sind Spirituosengefäße. Zukünftig würden aber auch gläserne Luxuswaren in der Produktion eine Rolle spielen. Dafür sei die endgültige Planung aber noch nicht abgeschlossen, sagt Thybaut.

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