Falknerin Monique Menne mit Uhu Igor (sechs Jahre alt), die hellen, orangefarbenen Augen verraten, dass er dämmerungsaktiv ist - © Amina Vieth
Falknerin Monique Menne mit Uhu Igor (sechs Jahre alt), die hellen, orangefarbenen Augen verraten, dass er dämmerungsaktiv ist | © Amina Vieth

Neuhaus Am Wochenende dreht sich im Wildpark Neuhaus alles rund um Kauz und Co

Was die Tiere so besonders macht und warum es wichtig ist, sie zu schützen

Amina Vieth

Neuhaus. Sie sind lautlose Jäger, faszinieren durch ihr einmaliges Aussehen und schüren eine Mischung aus Begeisterung und Unbehagen, wenn der Blick der großen Augen auf einem verharrt. Kaum ein Vogel zieht den Menschen so in seinen Bann wie die Eule. Doch die Tiere haben teils schwer zu kämpfen, ihre Lebensräume schwinden immer weiter und auch das Futterangebot schrumpft. Um auf diese Problematik aufmerksam zu machen, ist der Waldkauz der Vogel des Jahres 2017. Im Wildpark Neuhaus dreht sich am kommenden Wochenende daher alles um den Kauz und Co. Falknerin Monique Temme erklärt, was die Tiere so besonders macht, und warum sie schützenswert sind. Monique Menne betreibt die Falknerei im Wildpark Neuhaus. 13 Vögel beherbergt sie dort, drei davon sind Eulen: Schleiereule Joshi, Uhu Igor und Waldkauz Knut, der ist erst im April geschlüpft. „Der Walkauz ist die häufigste Art, es gibt etwa 75.000 Brutpaare in Deutschland", erklärt Menne. Auch im Weserbergland gebe es einige. Von der Schleiereule gebe es nur 30.000 bis 40.000 Brutpaare in der Bundesrepublik und der Uhu sei mit rund 3.000 Brutpaaren selten. „Aber auch hier in der Region haben wir ein paar", sagt Wildparkleiter Robert Willeke. Der Solling und das Weserbergland würden mit dem Mischwald und den Felswänden einen guten Lebensraum für die Greifvögel bieten. Der Waldkauz beispielsweise lebe – wie der Name schon sagt – gerne im Wald oder zumindest in der Nähe eines Waldes. Er beziehe gerne alte abgestorbene Bäume, wo er auch brüten kann. Ein- bis zweimal könne der Waldkauz pro Jahr brüten, erklärt Menne. Für die Brut und Aufzucht der Jungen lebe das Pärchen zusammen, für den Rest des Jahres zwar im selben Revier, „das sie auch beide verteidigen", aber getrennt, so die Falknerin. Im Weserbergland und Solling gibt es neben dem Waldkauz auch den Sperlingskauz, Steinkauz, Rauhfußkauz, die Waldeule, Sumpfohreule, Schleiereule und den Uhu, berichtet Willeke. Grundsätzlich würden sich die Bestände der Eulen erholen, durch Schutzmaßnahmen und Projekte zur Auswilderung, aber die Lebensräume würden schrumpfen und das Nahrungsangebot gehe zurück. Dabei spielt auch die schwindende Insektenpopulation eine Rolle, wie Willeke erklärt. Denn Eulen würden sich unter anderem von Mäusen, aber auch von größeren Insekten und kleineren Vögeln ernähren, und für die Vögel sind die Insekten die Nahrungsgrundlage. Der Kreislauf funktioniert nicht, wenn die Grundlage fehlt. Auch die Zivilisation birgt Gefahren für die Vögel. Straßenverkehr, Windräder oder auch große Glasflächen, die die Vögel nicht als Barriere erkennen und sich daran totfliegen, werden zur Todesfalle. Warum die Eulen geschützt werden sollten? „Sie sind Nischenjäger. Sie bejagen die Tiere, die die stärkste Population haben. So tragen sie zum Gleichgewicht bei", erklärt die Falknerin. „Artenrückgang ist immer bedenklich", ergänzt Willeke und betont: „Wo wir es beeinflussen können, sollten wir den Rückgang auf jeden Fall vermeiden." Wer seinen Teil dazu beitragen möchte, der könne beispielsweise im Garten Lebensräume schaffen, für Insekten beispielsweise. Einfach mal etwas naturbelassen lassen, Hecken oder Blumen pflanzen für die kleinen Tiere. „Man sollte auch kritisch mit dem Einsatz von Insektiziden sein", so Willeke. Bei den Aktionstagen am kommenden Wochenende geht es aber nicht nur um Lebensräume und Nahrung der Eulen, sondern auch um die Faszination, die sie seit je her auf den Menschen ausüben. Nicht zuletzt wegen ihrer besonderen Eigenschaften, die sie aus der Masse der Vögel hervorstechen lassen. Wenn sich eine Eule ihrer Beute nähert, hört diese ihren Angreifer nicht kommen. „Sie sind lautlose Jäger. Man hört keinen Schlaggeräusche der Flügel", erklärt Menne. Das sei der Beschaffenheit der Federn zu verdanken. Sie seien nicht nur weicher als andere Gefieder, sondern auch am Rand gezähnt, wodurch die Luft verwirbelt werde, erläutert die Falknerin. Und sie können sehr langsam fliegen, um ihre Beute ausfindig zu machen. „Die Schleiereule kann im Pirschflug mit sieben Stundenkilometern fliegen. Andere Vögel können nicht so langsam fliegen", erklärt Menne. Zu einem guten Jäger macht die Eulen auch ihr sehr gutes Gehör. Je dunkler es wird, desto mehr wird das Gehör bedient. Und nicht alle Eulen sind nachtaktiv, berichtet Menne. „An der Augenfarbe lässt sich erkennen, zu welcher Zeit sie aktiv sind." Dunkle Augen zeichnen die nachtaktive Eule aus, beispielsweise der Waldkauz. Orangefarbene Augen wie beim Uhu stehen für den dämmerungsaktiven Vogel. Und die Eulen mit gelben Augen jagen am Tag. Sie könnten dank ihres sehr guten Gehörs aber auch in der Nacht jagen und nachtaktive Eulen ebenso am Tag. Bei anderen Vögeln sei das nicht so, „sie stellen ihre Aktivitäten zur Nacht ein". Die Augen sind ohnehin ein besonders Merkmal der Eulen. „Sie sind starr", betont Menne. Deswegen können die Eulen auch nicht anders als starren. Durch die Fähigkeit, den Kopf um 270 Grad drehen zu können, haben die Greifvögel dennoch alles im Blick.

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