Ralf Schwager, hier entsteht der Marktplatz - © Amina Vieth
Ralf Schwager, hier entsteht der Marktplatz | © Amina Vieth

Holzminden Kaufhaus wird Erlebnishaus

Das Spielparadies ist schon eingeweiht, im Oktober folgt der Marktplatz

Amina Vieth

Holzminden. „Wir haben sehr viel vor dieses Jahr", kündigt Ralf Schwager an, das Spielparadies, das kürzlich eröffnet wurde, ist erst der Anfang. „Wir wollen weg vom Kaufhaus, hin zum Erlebnishaus", erklärt der 76-jährige Unternehmer, der noch lange nicht ans Aufhören denkt. Das Ziel: Sich vom Onlinehandel abheben, etwas bieten, was man im Internet eben nicht bekommt. Noch in diesem Jahr soll eine Markthalle bei Schwager entstehen und das Haus bekommt eine neue Fassade. Ralf Schwager ist Unternehmer mit Leib und Seele, und mit Herzblut dabei, wie auch sein Team, wie er sagt. Der 76-Jährige hat voll und ganz die Zukunft seines Unternehmens im Fokus. Den Vorsitz des Stadtmarketings hat er nach zehn Jahren abgegeben, in Katrin Konradt „eine gute Nachfolgerin" gefunden. „Deswegen vermisse ich es auch nicht." Nun sei er nur noch ein „normaler Bürger", er habe kein „verantwortungsvolles Amt" mehr inne. Und bei den Plänen allein für das aktuelle Jahr auch gar keine Zeit. „Ich lasse mir immer etwas Neues einfallen." Woher die Inspiration kommt: „Wir sind in ganz Europa unterwegs, hauptsächlich aber in den Niederlanden. Die sind dort viel kreativer als wir." Speisen und Getränke auf 500 Quadratmetern Eine Sache ist bereits umgesetzt: das Spielparadies. „Wir wollen den Kindern etwas bieten, etwas für sie machen, sie sollen Spaß haben. Sie sind unsere Kunden von morgen", betont Schwager. Und so ist die Spieleabteilung ins Untergeschoss gezogen. Die Kinder erreichen ihre Abteilung jetzt über eine Rutsche, „das Highlight". Bei der Eröffnung sei ein Mädchen 54-mal gerutscht. „Und sie hat auch kleinere Kinder auf dem Schoß mitgenommen. Das war sehr schön zu sehen." Ein kleiner Helikopter, eine Werkzeugbank, eine Kinderküche und eine Carrera-Bahn sorgen ebenfalls für Unterhaltung. Es sollen auch bald Schwager-Meisterschaften stattfinden. Und es gibt eine Kinder-Cocktailbar. Vom Spielparadies ist ein Durchbruch zum „Point" für junge Mode geschaffen worden. Und im zweiten Obergeschoss, wo vorher die Spieleabteilung war, ist nun Platz für den Marktplatz, der am 4. Oktober um 10 Uhr eröffnet werden soll. Ursprünglich plante Schwager eine Markthalle in der Stadt. „Aber die Pläne sind vom Tisch." Jetzt realisiert er einen Marktplatz in seinem Haus. Auf 500 Quadratmetern entsteht das kulinarische Angebot, wo von regional bis international verschiedene Speisen und Getränke angeboten werden. Die Fassade wird aufgemacht und mit Fenstern ausgestattet, damit der Raum lichtdurchflutet wird. Drei Bereiche soll es geben, mit insgesamt 150 Sitzplätzen: für Eilige, die schnell etwas essen oder trinken wollen, für Gemütliche, die Zeit mitbringen, und für die Lounger, die sich länger dort aufhalten möchten. Ein Kamin und ein Brunnen sollen für eine gemütliche Atmosphäre sorgen. An einer 20 Meter langen Theke gibt es Frühstück, nachmittags Waffeln, Crepes, Pfannkuchen und Obstsalat. Softdrinks aller Art sowie Bier vom Fass, frisch gepresster Saft und Smoothies und Weine werden auch angeboten. „Samstags gibt es dann auch Austern", kündigt Schwager an. An Speisen wird es sowohl kalte als auch warme Gerichte geben. Von Bagels, Salatbar und Desserts bis hin zur original Thüringer Bratwurst und Berliner Currywurst sowie Wok-Gerichten, Flammkuchen, Steaks, Pasta, wechselnde Suppen, Risotto und vegetarische sowie Kartoffelgerichte. „Es wird alles frisch gekocht." Auf Pizza wird bewusst verzichtet. „Wir möchten den Pizzerien hier keine Konkurrenz machen", sagt Schwager. Er sieht die Markthalle auch sonst nicht als Konkurrenz zur Gastronomie in der Stadt. „Mittagstisch gibt es kaum noch, und abends haben wir nicht auf." 15 neue Arbeitsplätze entstehen, davon fünf für Auszubildende Man wolle auch die Menschen aus den Dörfern erreichen. „Dort gibt es teilweise keine Kneipen mehr. Und mittags haben sie nicht auf." Deswegen sollen die Speisen auch für außer Haus angeboten werden. 15 neue Arbeitsplätze entstehen, davon fünf für Auszubildende. „Wir sind noch auf der Suche", so Schwager. Und wenn sich die Markthalle etabliert hat, sollen dort auch Veranstaltungen wie Geburtstage, Jubiläen und Hochzeiten gefeiert werden. Auf die Markthalle seien viele Leute schon sehr gespannt. „Wir müssen jetzt sehen, dass wir die Erwartungen erfüllen." Ein weiterer wichtiger Schritt, der noch in diesem Jahr erfolgen soll: eine neue Fassade. Damit soll im September begonnen werden. Die Photovoltaikfront bleibe erhalten. Der Rest erhalte eine Kupferoptik. Ob auch das Projekt Marktplatz Süd in Höxter den Unternehmen zum Handeln antreibt? „Ich sehe Höxter nicht als Konkurrenz, sondern als Mitbewerber. Und ich freue mich über jeden Mitbewerber, der stärkt die Region." Und auch für die kommenden Jahre hat Schwager schon Pläne. „Die werden aber noch nicht verraten." In Rente wolle er noch nicht gehen. „Wenn ich gesund bleibe, mache ich noch zehn Jahre." Genug Ideen habe er auf jeden Fall. Und auch Leidenschaft und Elan und ein Team, das mitzieht.

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