Hohe Aufklärungsquote: Erster Kriminalhauptkommissar Carl Fahrenholz (v. l.), Kriminaldirektor Ralf Leopold und der Holzmindener Kommissariatsleiter Marco Hansmann stellen die Kriminalstatistik für das Jahr 2017 vor. - © Burkhard Battran
Hohe Aufklärungsquote: Erster Kriminalhauptkommissar Carl Fahrenholz (v. l.), Kriminaldirektor Ralf Leopold und der Holzmindener Kommissariatsleiter Marco Hansmann stellen die Kriminalstatistik für das Jahr 2017 vor. | © Burkhard Battran

Holzminden Polizei Holzminden will alte Menschen besser schützen

Kriminalität: Ermittler im Landkreis Holzminden stellt Statistik für das zurückliegende Jahr vor. Aktuell läuft eine große Aufklärungskampagne gegen Seniorenbetrug

Burkhard Battran

Holzminden. Der Enkeltrick hat sich abgenutzt. Derzeit kämpft die Polizei gegen Trickbetrüger, die sich als falsche Polizisten ausgeben. „Im Hannoveraner Raum haben wir allein in den ersten zwei Monaten Vermögensschäden in Höhe von 160.000 Euro zu verzeichnen", sagt Chefermittler Carl Fahrenholz, Erster Kriminalhauptkommissar der Holzmindener Polizei. Die Opfer sind zumeist Senioren. Die Masche läuft immer so ab, dass Anrufer sich als Polizisten ausgeben, die mit der Aufklärung eines Einbruchs befasst seien. Dabei sei eine Liste gefunden worden, auf der auch der Name des Angerufenen stehe. Sie seien in Gefahr, Opfer eines Einbruchs zu werden und sollten deshalb Vermögensgegenstände zur Sicherheit an die vermeintlichen Polizisten übergeben – und auch ihr Geld von der Bank holen. Ein ganz normaler Taxifahrer mit einem ganz normalen Kurierauftrag „Wir haben uns auch schon auf die Fährte gesetzt, leider ohne Erfolg", sagt Fahrenholz. Der „Läufer", der die Wertsachen abgeholt habe, sei ein ganz normaler Taxifahrer mit einem ganz normalen Kurierauftrag gewesen. „Der hat die Sendung an einen nächsten Taxifahrer und dieser wieder einen nächsten übergeben, bis die Wertsachen schließlich über Berlin in Polen landeten", berichtet Fahrenholz. Das Polizeikommissaritat hat darum eine Aufklärungskampagne gestartet, die bereits Früchte trägt. „Wir haben beispielsweise auch Banken und Sparkassen miteinbezogen und sensibilisiert, dass sie uns kontaktieren, wenn alte Menschen auffällig viel Geld abheben wollen und sie Opfer eines Betruges werden könnten", betonte Kriminaldirektor Ralf Leopold, Leiter der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden. Straftaten sind auf niedrigem Niveau Dienstag hat das Polizeikommissariat Holzminden seine Kriminalstatistik für das vergangene Jahr vorgestellt. Die Straftaten im Landkreis Holzminden sind dabei weiter auf einem niedrigen Niveau. Gegenüber dem Mindestrekordjahr 2016 hat die Gesamtzahl der Straftaten jedoch leicht zugenommen. Für das Jahr 2017 wurden 3.513 Straftaten registriert. Im Jahr davor waren es 3.488 gewesen. Vor zehn Jahren lag die Zahl hingegen bei über 4.200. „Wir haben nicht nur eine vergleichsweise niedrige Kriminalitätsrate, sondern auch eine überdurchschnittlich hohe Aufklärungsquote", sage Leopold. Mit einer Aufklärungsquote von 69,46 Prozent lag der Wert nur leicht unter dem Vorjahr (69,78 Prozent). Die beste Aufklärungsquote war 2010 (70,2 Prozent), die schlechteste Quote war 2012 mit 67,29 Prozent erzielt worden. In jedem Fall liegt die Aufklärungsquote beim Kommissariat Holzminden deutlich über dem Landesdurschnitt, der bei 62,3 Prozent liegt. „Auch die gut funktionierenden Netzwerke in unserem ländlichen Raum tragen zu diesem Ergebnis bei", ergänzt Kommissariatsleiter Marco Hansmann. Zahl der Wohnungseinbrüche gestiegen Wieder leicht zugenommen hat im vergangenen Jahr die Zahl der Wohnungseinbrüche. Hier wurden 102 Fälle registriert im Vorjahr waren es 89 Fälle gewesen. Die niedrigste Deliktquote war 2008 mit 35 Fällen. Im Jahr 2001 waren mit 150 Anzeigen besonders viele Fälle von Wohnungseinbrüchen verzeichnet worden. Auch die Zahl der Fahrraddiebstähle hat nach jahrelangem rückläufigen Trend im letzten Jahr wieder zugenommen. 2012 war diese Zahl mit 88 besonders niedrig. Im letzten Jahr wurden 126 Fahrraddiebstähle registriert. „Derzeit prüfen wir, ob sich dieser Deliktbereich durch die Anbringung von GPS-Sendern eindämmen lässt", sagte Polizeirat Hansmann. Extrem hoch war der Fahrradklau im Jahr 2004 als über 240 Fälle angezeigt worden waren. Weniger schwere Körperverletzungen Tendenziell weiter rückläufig ist im Landkreis die Gewaltkriminalität. Die Fälle schwerer Körperverletzung sind gegenüber dem Vorjahr um 26 Prozent auf 70 Vorfälle gesunken. Auch die häusliche Gewalt ist mit zuletzt 105 Anzeigen um 7,6 Prozentpunkte leicht gesunken. Zugenommen hat in indes der Bereich der einfachen Körperverletzungsdelikte. Hier ist die Zahl von 302 auf 339 um rund zehn Prozent gestiegen. Im Landkreis sind 100 Polizeikräfte tätig, davon 60 in der Dienststelle Holzminden. Die Wache in Holzminden war im letzten Jahr für 130.000 Euro modernisiert worden.

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