Noch sitzt der verurteilte Täter Dietmar J. in einer JVA ein. - © Andreas Zobe
Noch sitzt der verurteilte Täter Dietmar J. in einer JVA ein. | © Andreas Zobe

Holzminden/Boffzen Polizistenmorde: Mindeststrafe für verurteilten Täter abgelaufen

Anfang Januar erfolgte bei der Vollstreckungskammer eine Prüfung – Ende des Monats wird mit einem Ergebnis gerechnet

Simone Flörke

Holzminden/Boffzen. „Lebenslange Freiheitsstrafe kann bei schlechter Prognose auch lebenslang bedeuten und ist nicht nach 25 Jahren erledigt": Das sagt Christina Pannek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hildesheim. Dort ist vor 25 Jahren der Prozess gegen den Polizistendoppelmörder Dietmar J. zu einem Urteil gekommen: lebenslange Freiheitsstrafe mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und mit Anordnung der Sicherungsverwahrung. Die Strafvollstreckungskammer hatte die Mindeststrafe auf 25 Jahre festgesetzt. Die läuft in diesem Jahr ab. Anfang Januar ist erneut geprüft worden, ob eine Aussetzung der lebenslangen Freiheitsstrafe zur Bewährung in Betracht komme, so die Sprecherin auf NW-Anfrage. Eine regelmäßige Prüfung nach Strafgesetzbuch. Eine Nachricht der Strafvollstreckungskammer liege ihr derzeit noch nicht vor. Christina Pannek erwartet diese Mitteilung Ende des Monats. Auch dann liege noch keine endgültige Entscheidung vor, beide Seiten hätten die Möglichkeit, dagegen Beschwerde einzulegen. Bewährung ist eine Möglichkeit Zu einer Prüfung, ob der Vollzug einer Sicherheitsverwahrung nun anzuordnen ist, käme es erst dann, „wenn aufgrund einer positiven Sozialprognose und der Erwartung keiner weiteren Straftat die Strafaussetzung der lebenslangen Freiheitsstrafe zur Bewährung" akut werden würde, ergänzt sie. Das sei aber nur rein theoretisch der Fall, weil es sich ausschließe. Also gibt es zwei Möglichkeiten: Der Verurteilte kommt auf Bewährung frei oder nicht. Dietmar J. hatte am 12. Oktober 1991 die beiden Polizisten Andreas Wilkending (34) und Jörg Lorkowski (30) von der Wache Holzminden mit einem nächtlichen Anruf in einen Hinterhalt auf einen Wanderparkplatz in den Solling gelockt. Angeblich habe es dort im Rottmündetal einen Wildunfall gegeben. Die beiden Beamten von „Hilde 10-35" übernahmen – und wurden nicht mehr lebend gesehen. Hass auf Polizisten Dietmar J., damals 29 Jahre, hatte Wilkending mit fünf und Lorkowski mit vier Schüssen aus einem Schnellfeuergewehr getötet. Aus „allgemeinem Hass auf Polizisten", wie das Landgericht Hildesheim später feststellte. Die beiden Toten waren erst gefunden worden, als Dietmar J., sein Bruder M., der ihn zum Parkplatz gefahren hatte, und ein dritter Bruder von Spezialkräften festgenommen worden waren. Die beiden Polizisten wurden verscharrt auf dem Truppenübungsplatz Senne. Dietmar J. legte ein Geständnis ab und bekam lebenslange Haft, sein Bruder M. wegen Beihilfe zehn Jahre. Der dritte Bruder war vom Vorwurf der Beihilfe zum Doppelmord freigesprochen, aber wegen anderer Delikte zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

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