Höxter Wirbel um Verkaufspläne für Öko-Kraftwerk in Höxter

Unternehmen betont Interesse am 500-Millionen-Projekt

Höxter. Gerüchte um angebliche Verkaufspläne des geplanten Pumpspeicherkraftwerks bei Beverungen (Kreis Höxter) schlagen Wellen. Die Option soll in einem internen Papier des Investors Trianel genannt werden. Das Aachener Unternehmen hat die Verbreitung des Projektberichts per Gericht gestoppt. Trianel betont sein Interesse am 500-Millionen-Euro-Projekt bei Amelunxen. Gestern beschäftigte der interne Projektbericht das Landgericht Köln. Vertreter einer Bürgerinitiative aus der Eifel mussten sich verpflichten, das brisante Papier – darin Details über drei von Trianel geplante Pumpspeicherkraftwerke – nicht zu verbreiten. Das Gericht sei den Argumenten Trianels gefolgt, sagte Trianel-Sprecher Elmar Thyen. "Damit wird sichergestellt, dass  Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Trianel, die der Projektbericht beinhaltet, nicht unbefugt an Dritte weitergegeben werden." Details aus dem Bericht sind jedoch in der Eifel, wo es massive Proteste gegen ein geplantes Kraftwerk am Rursee gibt, ein offenes Geheimnis. Laut Informationen der Neuen Westfälischen hatte Trianel Ende 2012 gegenüber potenziellen Projektpartnern angegeben, das geplante Kraftwerkstandorte auch an andere Unternehmen verkauft werden könnten. Diese Aussage galt auch für den Standort an der Nethe – samt der zu dem Zeitpunkt fast komplett gesicherten Grundstücke in den Orten Amelunxen und Bosseborn.Trianel hat Option bisher verschwiegen Die Verkaufsoption ist deswegen brisant, da Trianel diese Option öffentlich nie genannt hatte. Außerdem beruhte die breite Zustimmung für das Projekt im Kreis auch auf Zusagen Trianels, als Bauherr Bedenken vor Ort – etwa in Amelunxen beim Hochwasserschutz – umfassend zu berücksichtigen. Dagegen machen die anderen geplanten Standorte, am Rursee in der Eifel und im Kreis Gotha in Thüringen, den Planern erhebliche Sorgen. Nach Informationen der NW hatte Trianel das Projekt in der Eifel wegen des breiten Widerstands zwischenzeitlich sogar komplett abgeschrieben. Auch in Thüringen soll ein hohes Klage-Risiko gesehen werden. Damit dürfte das Nethe-Projekt bislang der aussichtsreichste Kandidat sein. Denn Trianel will zunächst nur ein Projekt verwirklichen. Welches das ist, soll Ende 2013 entschieden werden. An der Nethe wäre eine Inbetriebnahme 2022 denkbar, so schnell ginge das an keinem anderen Standort.Zusagen an Kommunen sollen eingehalten werden Aber würde Trianel selbst bauen? Unternehmenssprecher Thyen bezeichnet den Projektbericht als eine "inzwischen inhaltlich teilweise überholte Vorlage". Die Frage, ob die Verkaufsoption für das Nethe-Projekt denn noch bestehe, beantwortet er nicht direkt. Die "Angabe, ob Projektrechte veräußerbar sind", hänge mit der bilanziellen Darstellung der "bisherigen Projektergebnisse"zusammen. Grundsätzlich agiere Trianel "als Statthalter für eine zukünftig noch zu gründende Projektgesellschaft". Daran können sich etwa Stadtwerke beteiligen. Trianel werde sicherstellen, dass Zusagen an Bürger und Behörden vor Ort "auch von der noch zu gründenden Projektgesellschaft eingehalten werden", so Thyen. Bei der Stadt Beverungen setzt man weiter auf den Partner Trianel: "Wir sind Mitglied und kennen ihn als kleinen Stadtwerke-Verbund, wollten gerade nicht die vier Großen. Uns wäre es am liebsten, wenn Trianel selbst das Projekt umsetzt – und am liebsten bei uns", sagt der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters, Ludger Ernst. Ihm persönlich sei der Passus über die Verkaufsoption nicht bekannt gewesen.Große Hoffnungen im Ort Amelunxen Auch Reinold Stücke, Vorsitzender des Regionalrates, kennt den Bericht nicht: "Das wurde im Regionalrat nicht kommuniziert." Man habe aber vereinbart, bei Veränderungen und Neuigkeiten auf dem Laufenden gehalten zu werden: "Im Augenblick sehe ich nicht, dass sich für uns etwas ändern wird." Der Regionalrat habe mit der Änderung des Regionalplans seine Arbeit erledigt. Uwe Scherding, Bezirksausschussvorsitzender von Amelunxen und Mitglied im Arbeitskreis Trianel Wasserspeicherkraftwerk Nethe (TWN), sieht die Aussagen des internen Papiers mit Blick auf die vereinbarte Transparenz gegenüber den Bürgern durchaus kritisch. Spätestens in der nächsten Sitzung des Arbeitskreises am 16.April werde man darüber reden. Scherding plädiert für eine zeitnahe Bürgerversammlung. Denn nach wie vor müsse man an die Bedeutung des Kraftwerks für den Ort im Blick behalten: "Eine zweite Chance, nachdem die erste mit der Biogasanlage nicht genutzt wurde", sagt er und verweist auf den demografischen Wandel im Dorf: Die Bevölkerungszahl sei von 1.300 auf 1.100 gesunken, der letzte Metzger habe geschlossen, die Grundschule mache dicht. Sicherlich werde es in der sehr langen Bauphase Einschränkungen für den Ort und die Menschen geben. Aber 150 bis 200 Arbeiter böten für die Infrastruktur im Dorf auch neue Möglichkeiten.

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