Höxter Was Kinderaugen zum Leuchten bringt

Museumsleiterin Dr. Corinna Wodarz sitzt in ihrer eigens gestalteten Inszenierung vor "Schaufenstermutti" und Backblech. Auch in vergangenen Jahrzehnten gehörte das Plätzchen backen zum absoluten Muss in der Weihnachtszeit.
Museumsleiterin Dr. Corinna Wodarz sitzt in ihrer eigens gestalteten Inszenierung vor "Schaufenstermutti" und Backblech. Auch in vergangenen Jahrzehnten gehörte das Plätzchen backen zum absoluten Muss in der Weihnachtszeit.

Höxter. Es riecht zwar noch ein bisschen nach frischer Farbe, aber ansonsten wirkt alles rundum neu im schön verzierten Hütteschen Haus direkt am Tor zur Altstadt Höxters. Bis zuletzt haben Dr. Corinna Wodarz und ihre fleißigen Helfer im mehrstöckigen Weserrenaissance-Gebäude aus dem 16. Jahrhundert gearbeitet, damit das neue Museum rechtzeitig Einzug halten kann. Und die mehrjährige privat gestemmte Schönheitskur hat sich gelohnt, denn was die Besucher in dem liebevoll renovierten  "Museum im Hütteschen Haus (MHH)" erwartet,  sind künftig spannende Reisen durch wechselhafte Epochen der Kulturgeschichte.

Information

Das Hüttesche Haus     

Das denkmalgeschützte Haus gehört zu den ältesten Gebäuden Höxters, wurde 1565 erbaut.
 

Vieles liegt in der Geschichte im Dunkeln. Im Winter 1910 fiel es einem Brand zum Opfer, anschließend wurde es wieder aufgebaut.


Seitdem die dienten Räume im Erdgeschoss als Ladenlokal vorwiegend für Kunsthandwerk, im Obergeschoss waren zwei Wohnungen untergebracht und im Dachgeschoss einzelne ausgebaute Zimmer.

Leider verfiel das Denkmal in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend, bis 2010 Corinna Wodarz sich an die Renovierungsarbeiten machte. (mars)

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Gleich die erste Ausstellung, die nun eröffnet wurde, passt natürlich zur kommenden Adventszeit. Die Schau stimmt ein auf das Fest der Wünsche, der leuchtenden Kinderaugen, auf selbstgebackene Plätzchen und glitzerndem Tannenschmuck. Unter dem Titel "Morgen kommt der Weihnachtsmann. Weihnachten mit Kinderaugen von 1900 bis 1980" ist in sechs unterschiedlichen Räumen zu sehen, wie das Fest der Feste in früheren Jahrzehnten gefeiert wurde, welche Wünsche sich für Kinder erfüllten und welche auch unerfüllt blieben. Sieben Inszenierungen machen auf den 100 Quadratmetern Ausstellungsfläche mit festlicher Dekoration sowie mit unterschiedlichen Wohnwelten bekannt.

Mehr als 500 Exponate, zum größten Teil Spielzeug, zeigen in großen Vitrinen, was wirklich unter dem Tannenbaum gelegen hat. "Die Kinder vergangener Generation hatten Wünsche, die heute als selbstverständlich gelten und damals nur in wohlhabenden Familien erfüllt wurden", hat Corinna Wodarz im Laufe ihrer langen Ausstellungstätigkeit herausgefunden.

Puppen, Zinnfiguren und Blechspielzeug

Denn die Geschenke fielen gerade um die Jahrhundertwende meist sehr dürftig aus. "Da konnten sich die Kinder freuen, wenn sie ein paar neue Schuhe bekamen oder ein eigenes Bett, welches dann nicht mit den Geschwistern geteilt werden musste", erklärt die Kunsthistorikerin, die in Deutschland zu den größten Sammlerinnen von Alltagsdesign zählt.

Ganz oben auf dem Wunschzettel standen Puppen, Zinnfiguren, Schaukelpferd oder Blechspielzeug. Für die Kinder aus ärmeren Familien blieben diese Wünsche unerfüllt, in den gutbetuchten Häusern waren sie dagegen kein Problem.

Entbehrung, Armut, NS-Terror und Krieg bestimmten auch die nächsten Jahrzehnte, in denen Weihnachten ebenfalls mit wenigen Geschenken, oft mit Selbstgebasteltem, auch was den Tannenschmuck anging,  gefeiert wurde. Die Inszenierung im zweiten Museumsraum spiegelt die düstere Stimmung wider. Im schwarzen Kostüm sitzt die traurige Ehefrau und Mutter vor dem Bild ihres an der Kriegsfront kämpfenden Mannes. Ein wenig abseits steht der kleine Sohn ganz einsam an einem Schaukelpferd. "Die Kinder teilten sich das Wenige, was da war", so Corinna Wodarz.

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