Die zwölfjährige Chiara darf zwar noch kein Auto fahren, testet aber schon mal, wie es sich anfühlt, hinter dem Steuer eines Rennwagens zu sitzen. - © FOTOS: CARLA DREWES
Die zwölfjährige Chiara darf zwar noch kein Auto fahren, testet aber schon mal, wie es sich anfühlt, hinter dem Steuer eines Rennwagens zu sitzen. | © FOTOS: CARLA DREWES

BOFFZEN "Geile Karren" als zweites Wohnzimmer

Getunte Autos soweit das Auge reicht / Elftes Treffen in Boffzen

Boffzen. Chrom blitzt in der Sonne, Bässe tönen über den Platz, ein Motor heult auf. Autos getunt vom Kühlergrill bis zum Auspuff – "geile Karren" so weit das Auge reicht. Auf dem Gelände der Autowerkstatt Orts in Boffzen treffen sich Autobegeisterte und Tuningliebhaber aller Marken. Viele Besucher kommen extra aus Kassel, Hameln oder Paderborn, um ihre Autos zu zeigen oder sich neue Anregungen zu holen. Es ist das elfte "Geile-Karren-Treffen", wie es die Initiatoren nennen.

"Das Autotuning hat sich in den letzten Jahren sehr verändert", weiß Michael Orts, Inhaber der Autowerkstatt Orts in Boffzen. Anlässlich seines 15-jährigen Firmenbestehens hat der Autokenner das markenoffene Treffen auf sein Gelände geholt, denn Autotuning ist sein Spezialgebiet. "Früher waren kleine und breite Räder gefragt, heute müssen Räder nicht mehr breit, aber groß sein", erklärt er.
Auch beim Autotuning gibt es Modeerscheinungen. Vielen Autoliebhabern, die gerne an ihren Autos schrauben und basteln, ist die Optik sehr wichtig. Das Motortuning ist laut Michael Orts durch die modernen Motoren sehr aufwändig und kompliziert geworden.

"Es gibt zwei Arten von Autotunern. Den einen ist die Leistung wichtig, sie bauen sich einen Tuningchip ein. Bei den anderen steht die Optik im Vordergrund", sagt Orts. Voll im Trend liegen matte Farben, lederbezogene Details und Monitore im Fahrzeuginnenraum, auf denen DVDs laufen oder Playstation gespielt werden kann. "Für viele ist das Auto wie ein zweites Wohnzimmer", erzählt Michael Orts, "so ein Auto wird nie fertig, es fallen einem immer wieder neue Sachen ein, die man machen kann".

Mittlerweile hat Michael Orts seine ganze Familie für Autos und Motorsport begeistert. Seine Tochter, die zwölfjährige Chiara, fährt bereits Kartrennen in ganz Ostwestfalen. Ihr älterer Bruder Marlon wird nächstes Jahr 15 Jahre alt und darf dann an den ersten Autorennen speziell für Jugendliche teilnehmen. Ein Auto dafür hat er schon. "Autos in der Klasse, in der ich fahren werde, dürfen nicht mehr als 100 PS stark sein", sagt der 14-Jährige.

Ebenfalls vom "Tuning-Virus" befallen ist Dirk Schikorra aus Holzminden. Er stellte seinen schwarzen Ford Escort aus. "Mein Auto ist ein ganz typisches getuntes Auto", meint Schikorra.
Rücksitze mussten einem Hifi-Einbau weichen
Schikorra ist stolz auf sein Auto, denn vor 18 Jahren bestellte er ihn aus dem Prospekt und tunt und bastelt seit 1995 in der eigenen kleinen Hobby-Werkstatt an ihm herum. "Man sieht ihm sein Alter nicht an, denn regelmäßige Pflege ist sehr wichtig. Er hat jetzt 200.000 Kilometer auf der Uhr und ist nur noch Saisonfahrzeug", sagt der Ford-Fan.

Mit seinem schwarzen Flitzer hat er bereits an über 150 Autotreffen teilgenommen. Er war schon fünfmal auf dem größten Ford-Treffen Europas in England. "Selbst der Urlaub richtet sich bei uns nach den Treffen, wir verbinden dies meistens", so der Holzmindener.

Vom Auspuff über das Lenkrad bis zum Fahrwerk hat er alles selbst eingebaut, auch die Rücksitze mussten einem Hifi-Einbau weichen. "Ich mag es, wenn die Leute auf der Straße gucken", sagt Schikorra. Die Liste der Eintragungen auf seinem Fahrzeugschein ist lang: 29 Veränderungen hat er genehmigen lassen. Dafür sind er und sein Auto in der Szene bekannt.

Besonders spannend war auch der umgebaute Rennwagen, in dem die Besucher Playstation mit original Rennatmosphäre spielen konnten.

Wer aber echtes Reifenquietschen lieber mochte, konnte sich im aufgebauten Parcours des Automobil-Clubs Höxter selbst hinter das Steuer eines Karts setzen und einige Runden Gas geben.
Michael Orts: "Wir sind eine große Interessengemeinschaft und jeder ist willkommen, der sich irgendwie für Autos interessiert".

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