Über den Tischtennissport hat Pastor Christian Bode den Kontakt zum Behindertensport geknüpft. 2008 war er bei den Paralympics in Peking noch als Trainer der Tischtennis-Mannschaft bei den Spielen dabei. In London wird er nun als Olympiapfarrer vor Ort im Olympischen Dorf und den Sportstätten sein. - © FOTO: TORSTEN WEGENER
Über den Tischtennissport hat Pastor Christian Bode den Kontakt zum Behindertensport geknüpft. 2008 war er bei den Paralympics in Peking noch als Trainer der Tischtennis-Mannschaft bei den Spielen dabei. In London wird er nun als Olympiapfarrer vor Ort im Olympischen Dorf und den Sportstätten sein. | © FOTO: TORSTEN WEGENER

HOLZMINDEN/LONDON Seelsorger für die Spitzensportler

Holzmindens evangelischer Pastor Christian Bode begleitet das Deutsche Team bei den Paralympischen Spielen in London

Holzminden/London. Auf den ersten Blick verbindet Kirche und Sport nicht viel. Doch im Glauben wie im Wettkampf geht es um gemeinsame Werte und die Anerkennung der menschlichen Würde. Grund genug für den Deutschen Olympischen Sportbund und den Deutschen Behindertensportverband bei den Olympischen und Paralympischen Spielen in London ein Team von Sportpfarrern einzusetzen. Einer von ihnen ist Christian Bode aus Holzminden.

"Für mich ist das eine ganz spannende, aufregende Situation, wie sich letztendlich der Kontakt zwischen den Sportlern und uns ergeben wird", sagt der evangelische Pastor Christian Bode. Zusammen mit einem Vertreter der katholischen Kirche wird der zweifache Familienvater aus Holzminden das deutsche Team bei den Paralympischen Spielen vom 29. August bis zum 9. September betreuen.

Wie bereits aktuell bei den Olympischen Spielen stellen die evangelische und katholische Kirche bei den Paralympics jeweils einen Theologen, der die Sportler, aber auch dem gesamten Trainer- und Ärzteteam als Ansprechpartner zur Verfügung steht. "Das bezieht sich aber nicht nicht nur auf seelsorgerliche Fragen, sondern die Athleten können auch mit uns sprechen , wenn sie nach Augenblicken der Ruhe suchen, um Kraft zu tanken", sagt Bode, der nach Peking 2008 zum zweiten Mal an den "Paralympics" teilnehmen wird, diesmal aber in neuer Funktion. 2008 war der 34-Jährige noch als Trainer der Tischtennisspieler bei den Olympischen Spielen für Sportler mit Behinderung dabei.

Als Kind lernte Bode beim TSV Schwalbe-Tündern in Hameln das Tischtennisspielen. Mit 17 Jahren bestand der Pastor die Tischtennis-Trainerausbildung und kam damals auch das erste Mal mit dem Behindertsport in Berührung, als er bei der Behinderten-Sport-Gemeinschaft Bielefeld ein Projekt leitete. Der Kontakt zur Trainertätigkeit und zum Behindertensport war hergestellt und ließ Bode ab diesem Zeitpunkt nicht mehr los.

Als Jugendcoach trainierte er in Hameln unter anderem den damals siebenjährigen Dimitrij Ovtcharov, der in der vergangenen Woche für Deutschland im olympischen Tischtennis-Turnier die Bronzemedaille gewann.

Nachdem der Pastor zwei Jahre Landestrainer im Tischtennis-Behindertensport in Berlin war, trainierte der gebürtige Hamelner seit 2002 den Tischtennis-Bundeskader im Behindertensportverband. Jetzt begleitet er zum ersten Mal als Seelsorger die Paralympics.

Bode ist begeistert von den Geschichten hinter den Schlagzeilen: "Mich fasziniert, mit welcher Beharrlichkeit und persönlichem Einsatzwillen und Leistungsbereitschaft die Sportlerinnen und Sportler sich auf diese Wettkämpfe vorbereiten. Wie viel Zeit sie investieren und auf wie viel sie zu verzichten bereit sind", sagt Christian Bode. "Dann hautnah mitzuerleben, wie diese Vorbereitung umgesetzt wird - das ist ein Privileg. Wenn man später in der Zeitung liest ’Leider nur ein vierter Platz’, weiß man auch, dass das der kleinste Teil der Geschichte ist."

Bode, aktuell leidenschaftlicher Langstreckenläufer, weiß, dass der Druck nicht nur bei Olympia sonder auch bei den Paralympics enorm ist. " Das ganze System ist nur auf Medaillen ausgerichtet. Die Nominierungskriterien sind sogar noch viel härter", berichtet Bode, seit anderthalb Jahren auch Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Kirche und Sport der Evangelischen Kirche in Deutschland. "darum hoffe ich, dass ich für die Athleten eine Tankstelle für die Seele sein kann."

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