BEVERUNGEN Verhärtete Fronten

Diskussionen um die Zukunft der stillgelegten Bahntrasse in Beverungen

VON TORSTEN WEGENER
Auf der ehemaligen Bahntrasse soll nach Wunsch der Verwaltung ein Alleenradweg entstehen mit einer wahrscheinlichen Breite von 2,5 Metern. Alternativ hat ein privater Investor Interesse, die Trasse als Energiewald zu nutzen. - © FOTO: WEGENER
Auf der ehemaligen Bahntrasse soll nach Wunsch der Verwaltung ein Alleenradweg entstehen mit einer wahrscheinlichen Breite von 2,5 Metern. Alternativ hat ein privater Investor Interesse, die Trasse als Energiewald zu nutzen. | © FOTO: WEGENER

Beverungen. Fast vier Stunden diskutierten Bürger sowie Vertreter der Beverunger Verwaltung und der Bahnflächenentwicklungsgesellschaft NRW über den geplanten Alleenradweg auf der stillgelegten Bahntrasse innerhalb der Stadt Beverungen. Die Informationsveranstaltung in der Stadthalle brachte aber keine allgemeine Zufriedenheit. Die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern waren zwischenzeitlich sehr verhärtet.

Eine Sicht- und Lärmbelästigung für die Anwohner sowie Folgekosten für Kommune und Anlieger führen die Gegner des Alleenradweges als Argumente gegen die Maßnahme an. Für sie stellt sich deswegen die Frage: Welchen Sinn hat der Radweg überhaupt, der im Grunde eine Tankstelle im Norden der Stadt mit einer Tankstelle im Südwesten der Stadt verbindet?

Der wohl wichtigste Grund hat nichts mit radtouristischen Zielen oder mit einem unbedingt benötigten Radweg für die Bürger der Stadt zu tun, sondern mit den Besitzverhältnissen. Die Bahn wird die alte Bahntrasse zwischen Scherfede und Holzminden definitiv verkaufen. Ein privater Investor steht schon bereit, der die komplette Strecke kaufen würde. Allerdings hat die Stadt Beverungen die Chance, die Teilstücke innerhalb Beverungens und Dalhausen zu kaufen und so alle Handlungsoptionen zu behalten. Mit dem Kauf ist allerdings der Alleenradweg verbunden, dessen Bau vom Bund gefördert wird.

Information

Ein klares Ja

Der Bezirksausschuss Dalhausen unterstützt den Bau eines etwa 2,7 Kilometer langen Alleenradweges auf der stillgelegten Bahnstrecke.

Der Radweg könnte als Verlängerung des R4 dienen, der aus Beverungen kommend am Ortseingang endet.

Damit müssten Radfahrer nicht mehr die enge Hauptstraße nutzen.

Sollte in Beverungen die Maßnahme jedoch nicht umgesetzt werden, dann ist laut Bauamtsleiter Ludger Ernst die Finanzierung für Dalhausen in Gefahr. (tor)

Die Bahnflächenentwicklungsgesellschaft NRW (BEG), eine gemeinsame Gesellschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der Deutschen Bahn AG, plant den Ausbau der stillgelegten Bahntrasse zu einem Alleenradweg. In NRW gibt es laut BEG über 300 geeignete Streckenkilometer, von zirca 600 Kilometern stillgelegter Bahntrasse, für Alleenradwege. Die Teilstücke im Beverunger Stadtgebiet gehören dazu.

Das entwickelte Konzept stieß bei der Landesregierung und -politik auf so offene Ohren, dass der Öffentlichkeit bald darauf das Handlungs- und Förderprogramm "Alleenradwege auf stillgelegten Bahnstrecken" vorgestellt wurde. Die BEG betreut und forciert nun das Handlungsprogramm für ganz Nordrhein-Westfalen.

"Die Situation, dass sich an dieser Bahntrasse etwas verändert, kommt definitiv. Wenn sie nicht die Kommune für einen Radweg kauft, dann wird dort vom Investor eine Energiewaldroute mit einem Wirtschaftsweg entstehen", sagte Thomas Lennertz, Geschäftsführer der BEG. Energiewälder sind Stilllegungsflächen, die mit schnellwachsenden Baumarten wie Pappeln, Robinien oder Weiden bepflanzt werden. Ziel ist die Produktion von Hackschnitzeln zur Verfeuerung in Biomassekraftwerken. "Der entstehende Wirtschaftsweg wäre dann aber nicht nur für die Kraftfahrzeuge des Investors befahrbar, sondern könnte auch auf eigene Gefahr von der Bevölkerung genutzt werden", sagt Bauamtsleiter Ludger Ernst. "Die Zeit, dass diese Bahntrasse zugewachsen ist und niemand sich dort aufhält, ist vorbei", verdeutlichte Lennertz.

Beverungens Baumamtsleiter Ludger Ernst (l.) und BEG-Geschäftsführer Thomas Lennertz stellten sich den zum Teil sehr kritischen Fragen der Bürger. - © FOTO: WEGENER
Beverungens Baumamtsleiter Ludger Ernst (l.) und BEG-Geschäftsführer Thomas Lennertz stellten sich den zum Teil sehr kritischen Fragen der Bürger. | © FOTO: WEGENER

Etwa 970.000 Euro bekommt Beverungen als Förderung, wenn es die Alleenradwege in Beverungen und Dalhausen umsetzt. "Wir haben ja noch keine Ausschreibungsergebnisse, aber die Kosten sind damit wahrscheinlich annähernd gedeckt", sagt Ernst. Beverungen würde, wenn die Finanzierung passt, kostenfrei zwei Grundstücke und Radwege bekommen. "Die folgenden Unterhaltungskosten können wir aber noch nicht abschätzen".

Zum Ärger der Kritiker hat die Verwaltung am Infoabend noch keine Details des Radweges veröffentlicht. Der Radweg soll am St.-Florians-Weg nahe dem Feuerwehrgerätehaus an der Dalhäuser Straße beginnen und am ehemaligen Bahnhof enden. Dazwischen sind zwei, drei Einstiegsmöglichkeiten geplant, unter anderem auch am Schulzentrum.

"In die genauere Planung können wir erst dann gehen, wenn der Rat beschlossen hat, dass die Alleenradwege umgesetzt werden sollen", erklärte Bürgermeister Christian Haase.

Auch dann kann erst über Maßnahmen, die den Sichtschutz betreffen, genau diskutiert werden. Anlieger kritisierten am Infoabend, dass durch den hohen Bahndamm Radfahrer, Fußgänger und Freizeitsportler fröhlich in den Garten und ins Schlafzimmer winken können. "Das müssen wir dann vor Ort besprechen, wie wir das Problem lösen", sagte Haase.

Am morgigen Donnerstag entscheidet der Rat der Stadt Beverungen, in einer öffentlichen Sitzung um 19 Uhr im Hotel Caprice, über den Bau des Alleenradweges auf der stillgelegten Bahntrasse.

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