Christian Lange vom Deutschen Roten Kreuz Höxter präsentiert zwei Pullover in der gut gefüllten Kleiderkammer. Dem Verein wird seine Arbeit jedoch durch dubiose Anbieter und illegale Müllentsorgung erschwert. - © FOTO: SEBASTIAN BEUG
Christian Lange vom Deutschen Roten Kreuz Höxter präsentiert zwei Pullover in der gut gefüllten Kleiderkammer. Dem Verein wird seine Arbeit jedoch durch dubiose Anbieter und illegale Müllentsorgung erschwert. | © FOTO: SEBASTIAN BEUG

KREIS HÖXTER Alte Kleider werden auch verkauft

Karitative Institutionen im Kreis freuen sich über höhere Spendenbereitschaft und warnen vor Betrügern

Kreis Höxter. Kleidersammeln ist ein knallhartes Geschäft: Immer mehr kommerzielle Anbieter drängen auf den Markt und graben mit dubiosen, teilweise illegalen Methoden den etablierten, karitativen Einrichtungen das Wasser, sprich die Kleidung, ab. Kann diese Entwicklung auch im Kreis Höxter nachgewiesen werden?

"Es gibt Container, die sind grau, es steht jedoch nicht DRK drauf", warnt Christian Lange vom Vorstand des Deutschen Roten Kreuzes, Kreisverband Höxter. Diese Container ständen ohne Genehmigung der Städte und führten die Spender irre, bemängelt er.

Das tut Joachim Rempe, Kreisgeschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Warburg, ebenfalls. Er erinnert sich, letztes Jahr habe es einen Container ohne Genehmigung in Warburg gegeben. Insgesamt gehe die Menge an gespendeten Kleidungsstücken in Warburg zurück, so Rempe. "E-Bay mag ein Grund dafür sein", überlegt er. Dennoch erhalten die Warburger jährlich etwas über 100 Tonnen Kleidung aus ihren rund 25 Containern.

In Höxter liegt die Ausbeute aus den etwa 30 Containern bei 180 Tonnen. "Seit fünf Jahren ist die Spendenbereitschaft konstant", berichtet Lange, "wir merken aber, dass mehr Bedürftige zu uns kommen, auch, weil wir bekannter werden."

Das Deutsche Rote Kreuz betreibt in Höxter und in Warburg eine Kleiderkammer, die an mehreren Terminen in der Woche ihre Pforten öffnet.

"Die Leute rufen an, fragen, was passiert mit ihren Kleidern", erzählt Lange. Das Verhältnis sei ein Drittel zu zwei Drittel: ein Drittel kommt in die Kleiderkammer, zwei Drittel werden veräußert. Aus den Einnahmen finanziert der Verein beispielsweise die Logistik oder weitere soziale Maßnahmen.

Ein weiteres Problem nebst dubiosen Anbietern: Müll. Aufgrund steigender Gebühren, bemängelt Lange, entsorgen immer mehr Menschen ihren Abfall in den DRK-Containern - zum Leid der ehrenamtlichen Helfer und des Kreisverbandes, der für die Entsorgung aufkommen muss.

Aufgrund solch niederschlagender Nachrichten reichen immer mehr Spender ihre Altkleider bei kleineren Organisationen persönlich ein. Ursula Rolf ist verantwortlich für die Kleiderkammer in Beverungen. "Die Spenden haben zugenommen", erzählt sie. "Berichte im Fernsehen treiben die Leute zu uns."

Auch in Brakel habe, so Christiana Hofer von der dortigen Kammer, die Spendenbereitschaft zugenommen. "Wir haben mehr als wir brauchen können", freut sich die Ehrenamtliche. Den Überschuss reichen die Brakeler an die Agape in Lippe weiter, welche die Kleidungsstücke nach Rumänien liefert oder verkauft. Die Beverunger geben ihren Überschuss dem Deutschen Roten Kreuz.

In Steinheim gibt es seit nunmehr sechs Jahren die Kleiderökumene, die gemeinsam von der katholischen und evangelischen Gemeinde betrieben und immer bekannter wird. Verunsicherungen kann Gertrud Hornemann, evangelische Gemeinde, nicht bestätigen. "Bei uns wissen die Kunden, wo die Ware landet. Sie sagen nein, wir geben es lieber euch", erklärt Gertrud Hornemann. Ihre Mitstreiterin Anneliese Niehörster stimmt ihr zu: "wir haben uns gut etabliert."

Der Überschuss aus Steinheim geht ebenfalls an die Agape, sowie an die Werkstätten Bethel, die Kleidungsstücke auch aufarbeiten, um sie für die Finanzierung ihrer Einrichtung weiter zu verkaufen.Viele der im Kreis Höxter gespendeten Altkleider werden also nicht von ostwestfälischen Bedürftigen getragen, sondern verkauft.

Der Erlös kommt aber, insofern der Spender nicht dubiosen Containern auf den Leim geht, caritativen Einrichtungen zu Gute.

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