Der Kenianische Bischof Norman King’oo Wambua kam zu Besuch in den Kindergarten St. Anna in Fürstenau und beantwortete die Fragen der Kleinen rund um das Thema Afrika. - © FOTO: JULIA RADTKE
Der Kenianische Bischof Norman King’oo Wambua kam zu Besuch in den Kindergarten St. Anna in Fürstenau und beantwortete die Fragen der Kleinen rund um das Thema Afrika. | © FOTO: JULIA RADTKE

"Bildung ist die Lösung"

Kenianischer Bischof Norman King’oo Wambua besucht den Kindergarten St. Anna in Fürstenau

Fürstenau. Kindergarten, Schule, eine unbeschwerte Jugend und ein Job, der Spaß macht - davon können die Mädchen des Kenianischen Stammes Sabaot nur träumen. Zur Schule gehen hier die Wenigsten. Mit 15 oder 16 Jahren werden sie verheiratet. Bischof Norman King’oo Wambua will das ändern: Er reist quer durch Deutschland, um Unterstützung für ein Mädchen-Internat zu finden. "Bildung ist die Lösung, um diesen Frauen zu helfen", erklärt er. Einen Zwischenstopp legte der Bischof in Fürstenau ein. Dort besuchte er den Kindergarten St. Anna und sprach mit den Kindern über seinen Kontinent.

"Gibt es in Kenia eine Feuerwehr", will der vierjährige Tim wissen. Bischof Norman King’oo Wambua lacht. "Ja, die gibt es. Aber nur in den Städten", erklärt er. "Und gibt’s ’nen Krankenwagen", fragt Tim weiter. Den gibt es nicht. "Wenn das Kind krank ist, muss die Mutter es zum Krankenhaus tragen oder mit dem Rad bringen", erklärt Bischof Wambua. Eine Stunde lang besuchte der 59-Jährige den Kindergarten in Fürstenau. Die Kleinen sangen ein Lied für ihn, blätterten mit ihm durch einen Afrika-Bildband und stellten ihm Fragen rund um das Leben in Kenia. Zum Abschluss beteten sie alle zusammen und der Bischof segnete die Kinder.

Einen Tag lang hielt sich Norman King’oo Wambua im Kreis Höxter auf. Entstanden ist der Kontakt durch Dr. Michael Stoltz aus Fürstenau. Der engagiert sich seit Jahren im Verein Nangina, der sich für die Entwicklung und Verbesserung der Lebensbedingungen für Menschen in der dritten Welt einsetzt. Gemeinsam mit Dr.Klaus Flohr aus Osnabrück suchen die drei nun nach Unterstützung für ihren Bau der Mädchen-Schule. 10 bis 20 Prozent wollen sie aus Eigenmitteln finanzieren. Für den Rest hoffen sie auf Unterstützung vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Eine Million wird das Ganze kosten. Dafür erhalten allerdings auch 400 bis 500 Mädchen einen Schulplatz.

Der Stamm der Sabaot besteht aus etwa 200.000 Menschen - die leben relativ isoliert von der Außenwelt am Rand des Mount Elgon. Die Schulsituation in dieser Region sei sowieso katastrophal, berichtet Bischof Wambua. Für Mädchen ist es besonders kompliziert. "Viele Familien möchten ihre Töchter so früh wie möglich verheiraten, um die Kühe als Brautpreis zu bekommen", berichtet der Bischof. Dazu kommt, dass die Schulgebühren in Kenia sehr hoch sind. "Ein Jahr Oberschule kostet eine Krankenschwester drei Monatsgehälter", erklärt Dr. Klaus Flohr. Die Folge: Die Schulgebühren werden für Jungen bezahlt, für Mädchen nicht. "Wir möchten diesen jungen Frauen raus aus der Abhängigkeit helfen", erklärt der Bischof. "Sie sollen einen Schulabschluss machen, wirtschaftlich unabhängig sein und später auf eigenen Füßen stehen", fügt er hinzu.

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