Die sechsjährige Belgische Schäferhündin Shara holt sich nach absolvierte Arbeit zwischen Schutt und Asche das verdiente Lob und ihr Lieblingsspielzeug von Polizeihauptkommissar Günter Nobbe ab. - © FOTO: TORSTEN WEGENER
Die sechsjährige Belgische Schäferhündin Shara holt sich nach absolvierte Arbeit zwischen Schutt und Asche das verdiente Lob und ihr Lieblingsspielzeug von Polizeihauptkommissar Günter Nobbe ab. | © FOTO: TORSTEN WEGENER

Wehrden Besondere Spürnasen gefragt

Brandmittelspürhunde schnüffeln in Wehrden nach Brandbeschleunigern

VON TORSTEN WEGENER

Wehrden. Wenn alles in Schutt und Asche liegt, beginnt für sie die Arbeit. Sachverständige des Landeskriminalamts fangen mit der Ursachen-Suche an: Wie ist der Brand entstanden? Oft werden dabei ganz besondere Spürnasen zur Unterstützung eingesetzt: Brandmittelspürhunde. Zwei Spürhunde waren gestern in Wehrden und inspizierten das verkohlte Wohnhaus der "Alten Krone", das am Dienstagmorgen gebrannt hatte. Denn Asche ist nicht gleich Asche.

Insgesamt gibt es in NRW nur vier Brandmittelspürhunde und zwei Diensthundeführer, die zentral in Stukenbrock stationiert sind. Auch die Ausbildung der Spürhunde findet in der Polizeischule in Stukenbrock statt. Dort wurden in den 1990er Jahren überhaupt die ersten Brandspürhunde in Europa ausgebildet.

Einer der Diensthundeführer für Brandmittelspürhunde ist Polizeihauptkommissar Günter Nobbe. Er war mit seinen beiden Hunden Shara und Pedro in Wehrden und untersuchte das Gebäude auf mögliche Rückstände von Brandbeschleunigern.

Hunde können auch Duftgemische selektiv wahrnehmen. Sie analysieren Teilkomponenten unabhängig von ihrer Intensität. Die Duftinformationen werden im Gedächtnis sorgfältig gespeichert und in großem Umfang später wieder erkannt.

"Die Brandmittelspürhunde werden auf sechs bis sieben Präparate konditioniert. Basis aller Substanzen ist Kohlenwasserstoff, welcher überall enthalten ist. Damit decken wir alle herkömmlichen Produkte ab", erklärt Günter Nobbe, der seit zwölf Jahren diesen Beruf ausübt. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern, werden in NRW die Hunde nicht dual, sondern spezifisch ausgebildet. Ein Brandmittelspürhund wird für keine anderen Zwecke trainiert oder eingesetzt.

Um einen Hund komplett auszubilden und ihm die richtigen Düfte beizubringen, brauchen die Trainer in speziellen Lehrgängen 50 Ausbildungssitzungen. "Die Schwierigkeit liegt darin, den geeigneten Hund zu finden", berichtet der Polizeihauptkommissar. Als Spürhundrasse hat mittlerweile der Belgische Schäferhund den Deutschen Schäferhund abgelöst. "Der Belgische Schäferhund eignet sich einfach besser. Er ist sehr geländesicher, was wichtig ist, denn nach wie vor können immer Trümmerteile abstürzen. Zudem hat er einen ausgeprägteren Spiel- und Beutetrieb und ist nicht aggressiv", erläutert Nobbe.

Dabei sind die Erfolgserlebnisse für den Spürhund sehr wichtig. Werden sie mehrmals in Folge an Orten eingesetzt, an denen nichts zu finden ist, dann wird vom Herrchen spontan auch mal eine kleine Spur gelegt. "Sonst zweifeln die Hunde mit der Zeit an sich", sagt Nobbe.

Hat der Hund eine Spur, dann zeigt er sie passiv an, indem er sich vor die Stelle legt. Bei Erfolgserlebnissen bekommen die Hunde dann ihr Spielzeug zur Bestätigung.

Eventuell wird die Stelle noch mit einem Photo-Ionisations-Detektor (PID) geprüft. Hätte die Polizei nur den PID zur Verfügung, bräuchte sie zur Brandanalyse Stunden, wofür ein Hund wenige Minuten braucht. Brandschuttproben werden dann zur Auswertung ins Labor gebracht.

Der Einsatz der Hunde hat gestern nach Mitteilung der Polizei keine Erkenntnisse gebracht. Die Ermittlungen werden heute mit Unterstützung eines Gutachters weiter fortgeführt. Nach Auswertung der bislang vorliegenden Erkenntnissen könne Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden.

     

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