Die Flüchtlinge Nemo (19, Irak) und Jafari (21, Afghanistan) mit (hinten v. l.) mit Projektbetreuerin Caroline Maas und den ehrenamtlichen Werkstattmechanikern Hans Werner Drühe, Josef Niegel, Michael Gast und Michael Fliegel - © Burkhard Battran
Die Flüchtlinge Nemo (19, Irak) und Jafari (21, Afghanistan) mit (hinten v. l.) mit Projektbetreuerin Caroline Maas und den ehrenamtlichen Werkstattmechanikern Hans Werner Drühe, Josef Niegel, Michael Gast und Michael Fliegel | © Burkhard Battran

Höxter In der Fahrradwerkstatt geht es rund

Fördermittel aus dem Bundesministerium sichern den Betrieb der Welcome-Fahrradwerkstatt bis Oktober 2018

Burkhard Battran

Höxter. Wer mobil ist, kommt besser zur Schule und besser zur Arbeit. Außerdem kann er auch besser soziale Kontakte pflegen. „Wenn Flüchtlinge mobil sind, dann unterstützt das auch ganz maßgeblich die Integration", sagt Projektbegleiterin Caroline Maas vom Höxteraner Welcome-Verein. Aus diesem Grund werden vom Bundesamt für Migration insbesondere Fahrradwerkstätten mit öffentlichen Geldern unterstützt. Das Bundesamt sieht in solchen Aktivitäten noch einen weiteren Vorteil. „Da viele Frauen mit Migrationshintergrund das Fahrrad fahren nicht erlernt haben, können sie an vielen Aktivitäten nicht teilnehmen", erläutert das Ministerium. Eine Fahrradwerkstatt ist somit auch eine zentrale Einrichtung, Frauen grundsätzlich an die Mobilität heranzuführen. Der Höxteraner Welcome-Verein betreibt seit zweieinhalb Jahren im Anlieferungsareal der Marktplatz-Betriebe am Ende der Heiligegeiststraße eine kleine Fahrradwerkstatt. „Es handelt sich um leer stehende Betriebsräume, die uns von einem wohlmeinenden Geschäftsmann kostenfrei zur Verfügung gestellt werden", erklärt Maas. Fünf alte Fahrräder ergeben ein neues In den Räumlichkeiten stapeln sich die Drahtesel gewissermaßen bis unters Dach. In jeder Ecke steht irgendwo ein Rad. Sogar die ehemaligen Sanitärräume werden als Fahrradabstellkammer genutzt. Aktuell ist mit rund 70 Fahrrädern jeder Fleck belegt. „Es kommt viel rein und es geht auch immer viel raus", sagt der ehrenamtliche Fahrradmonteur Michael Gast. Immer freitags ist die Fahrradwerkstatt nachmittags geöffnet. Dann schrauben Gast und seine ehrenamtlichen Kollegen Hans-Werner Drühe, Josef Niegel und Michael Fliegel im Akkordtempo. Unterstützung erhalten sie von den Flüchtlingen Nemo (19) aus dem Irak und Jafari (21) aus Afghanistan. „Es ist wichtig, dass diejenigen, die können, auch selbst mithelfen", erläutert Projektbetreuerin Maas. Die Werkstatt funktioniert nach dem Prinzip: Fünf alte Fahrräder ergeben ein neues. Das heißt, Bürger spenden alte Räder. In der Werkstatt werden die brauchbaren Teile so zusammengesetzt, dass am Ende ein gutes funktionstüchtiges Fahrrad dabei herauskommt. „Die Bevölkerung unterstützt uns sehr gut mit Spenden und bis heute haben nahezu 1.000 Räder unsere Werkstatt durchlaufen", erklärt Fahrradmonteur Hans-Werner Drühe. Aber nicht alle Teile lassen sich aus Materialspenden generieren. Insbesondere Schläuche und Ventile und auch andere Verbrauchsstoffe müssen gekauft und bezahlt werden. „Wir haben im Monat einen Materialverbrauch von rund 400 Euro", sagt Maas. Zwar erhält die Fahrradwerkstatt auch Geldspenden, aber sie reichen nicht, um dauerhaft den laufenden Betrieb zu sichern. „Als es im Sommer echt eng wurde, habe ich beim Bundesministerium einen Antrag gestellt, der im Oktober auch positiv beschieden wurde", freut sich Projektbetreuerin Maas. 10.000 Euro wurden dem Höxteraner Mobilitätsprojekt zuerkannt. „Damit konnten wir endlich die Werkstatt mit professionellem Werkzeug ausstatten und können jetzt auch viel besser arbeiten und die Flüchtlinge anleiten", erklärt Fahrradmonteur Michael Fliegel. Das Werkzeugkontingent wurde erhöht und ordentliche Werkbänke und Ständer angeschafft. Aber nicht alles Geld wurde in die Einrichtung gesteckt. Caroline Maas: „Im Wesentlichen ging es darum, die laufenden Kosten zu sichern und für ein Jahr ist unser Werkstattbetrieb nun sicher finanziert."

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