Jürgen Domian kommt in dien Residenz Stadthalle Höxter. JÜRGEN DOMIAN 02.02.2016 1Live Moderator
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Jürgen Domian kommt in dien Residenz Stadthalle Höxter. JÜRGEN DOMIAN 02.02.2016 1Live Moderator
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Höxter Moderator Jürgen Domian im Interview

Jürgen Domian liest in der Stadthalle aus seinem neuen Roman „Dämonen“. Mit der Neuen Westfälischen sprach er über Suizid und Zen-Buddhismus

Vivien Tharun

Herr Domian, am 25. November lesen Sie in der Stadthalle aus Ihrem neuen Roman „Dämonen". In der Geschichte geht es um den 60-jährigen Mann Hansen, der keine Lust mehr auf das Leben hat und in Lappland sterben möchte. Alter und Geburtstag von Hansen stimmen mit Ihren Daten überein. Gibt es weitere Parallelen zwischen Ihnen und der Romanfigur? Jürgen Domian: Keine Literatur, weder die Hoch- noch die Trivialliteratur, ist zu trennen von ihrem Schreiber und dessen Erleben. Fiktion und Wahrheit fließen ineinander. Im Detail kann ich es gar nicht beantworten, da müsste ich mich wohl auf die Psychoanalysecouch legen. Warum haben Sie sich für Lappland als Handlungsort entschieden? Domian: Seit Jahren fahre ich dorthin und ziehe mich für mehrere Wochen in die Einsamkeit der Wildnis zurück. Lappland bedeutet für mich Kontemplation, Exerzitien halten und eben auch Kampf gegen die eigenen Dämonen. In der Stille hört und sieht man sie am besten, man kann ihnen nicht ausweichen. Im Buch dokumentiere ich den Kampf Hansens gegen seine Dämonen, die Dämonen des Bösen, der Schuld, der Trägheit. Und über allem steht die Frage: Wird es dich töten – oder nicht? Wie lange haben Sie an dem Buch geschrieben? Domian: Die reine Schreibarbeit dauerte etwa ein Dreivierteljahr. Die damit verbundene Recherche kann ich nicht beziffern. Ich habe mich für das Buch intensiv mit Schriften des Zen-Buddhismus und der interreligiösen Mystik beschäftigt. Was war für Sie daran die größte Herausforderung? Domian: Das Zen! Zen ist für uns westorientierte Menschen unglaublich schwer zu begreifen. Weil wir alles rational erfassen wollen. Geht es aber um die wichtigsten Dinge unserer Existenz, um die Zeit, um den Tod oder die Liebe, da kommen wir mit Ratio nicht weit. Was sollte sich in der Gesellschaft am Umgang mit dem Thema Suizid verbessern? Domian: Natürlich muss man einen Menschen, der Selbsttötungsabsichten hegt, lange befragen und beleuchten. Meistens kann man helfen, kann bei ihm noch Lebens- und Hoffnungsfunken finden. Aber wir haben zu akzeptieren, dass es eben auch Menschen gibt, die einfach nicht mehr leben wollen. Nicht jeder Suizidant ist seelisch krank und bedarf einer Behandlung. Die Selbsttötung muss von der christlichen Stigmatisierung befreit werden. Das betrifft sowohl den assistierten Suizid im Fall der Sterbehilfe, als auch die Selbsttötung ohne ersichtlichen Grund. Der Dramaturg John von Düffel hat die Veranstaltung inszeniert. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit von Düffel? Domian: Meine Agentur hat ihn vorgeschlagen und angefragt. Ich war sofort begeistert. Zwar kannte ich ihn persönlich vorher nicht, allerdings verfolge ich schon lange sein künstlerisches Schaffen. Für mich ist es eine große Ehre, mit ihm arbeiten zu dürfen. Hatten Sie auf Ihrer aktuellen Lesetour bereits ein besonderes Erlebnis im Umgang mit dem Publikum? Es soll ja zur Lesung für die Zuhörer die Möglichkeit gegeben, anonyme Zettel zu schreiben . . . Domian: Ja, sehr spannend. Vor der Lesung füllen die Leute kleine Zettel aus und beichten mir auf diese Weise, von welchen Dämonen sie geplagt werden. Während der Veranstaltung gehe ich auf die Zettel ein. Ich habe dabei ein wenig das Gefühl, ich würde in meiner Sendung sitzen. Die Leute schreiben äußerst intime Dinge. Sie berichten von Betrug, heimlicher Sexualität, einem Doppelleben oder von verurteilten Straftaten. Zwei Jahrzehnte lang haben Sie nachts im Fernsehen gearbeitet. Haben Sie nun Ihren Tagesrhythmus verändert – oder sind Sie weiterhin ein Nachtmensch? Domian: Ich habe den Lebensrhythmus völlig umgestellt. Das war auch dringend nötig. Nach so vielen Jahren Nachtschicht war ich gesundheitlich an meine Grenzen gekommen. Jetzt bin ich wieder Tag-Mensch – und es geht mir prächtig. Vermissen Sie die spontanen Gespräche mit Menschen, die in Ihrer Sendung „Domian" angerufen haben? Domian: Absolut ja! Ich vermisse keineswegs die Nachtarbeit, aber ich vermisse den intensiven Kontakt mit so unterschiedlichen Menschen. Zu Ihrem Auftritt in der Höxteraner Stadthalle: Waren Sie schon einmal in Höxter, oder hatten einen Brief/Anrufer daher? Domian: Ich war vor vielen Jahren öfter in Höxter. Ein Studienkollege kam von dort. Ich habe die Stadt in sehr guter Erinnerung. Was erwartet die Zuschauer der Lesung? Domian: Es wird ein ehrlicher und ernster Abend, mit Überraschungen und mit hoffentlich vielen heiteren Momenten.

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