Langeweile: Müßiggänger Leonce (Leon Bömmelburg) vertreibt sich die Zeit mit seinem Smartphone. Auch Valeria (Alicya Wozniak) frönt dem Nichtstun. - © Helga Krooß
Langeweile: Müßiggänger Leonce (Leon Bömmelburg) vertreibt sich die Zeit mit seinem Smartphone. Auch Valeria (Alicya Wozniak) frönt dem Nichtstun. | © Helga Krooß

Höxter Theater-Ensemble begeistert mit "Leonce und Lena" in Ottbergen

Premiere: Theater im Ku-Stall überzeugt mit dem Büchner-Lustspiel - daraus entsteht eine unterhaltsame Groteske

Helga Krooß

Ottbergen. In seinem 1836 geschriebenen Stück „Leonce und Lena“ skizziert Georg Büchner das Bild einer Adelsgesellschaft, das aus Langeweile, Müßiggang, Belanglosigkeit und Arroganz besteht. Aber es geht auch um Fremdbestimmung, Willkür, den Sinn der Existenz, Träume und Hoffnungen. Man muss schon genau hinhören, um all die literarischen, politischen und gesellschaftlichen Anspielungen zu registrieren. Hut ab vor dem achtköpfigen Ensemble des Theaters im Ku-Stall (Thim-Ku), dem es auf fantastische Weise gelang, aus dem Lustspiel eine bunte, schrille Groteske entstehen zu lassen, bei der gelitten, schwadroniert, lamentiert und philosophiert wird, bei der Regisseurin Melanie Peter Facetten der Gesellschaft spiegelte. Schnell wurde deutlich: Jeder ist in seiner Lebensrolle gefangen, gesellschaftlichen Strukturen und Zwängen unterlegen. Der Mensch als Automat, als Anhängsel seines Smartphones, als lächelnder Auftragsempfänger. „Mein Leben gähnt mich an wie ein großer weißer Bogen Papier, den ich vollschreiben soll. Aber ich bringe keinen Buchstaben heraus“, stöhnt Leonce. Geradezu lustvoll scheint sich er in seinen Lebensüberdruss eingearbeitet zu haben. „Ich bin eine Reflexion meiner Gedanken“, sagt er über sich.Das Stück wird vor allem durch die Hauptakteure zum Vergnügen Nun soll er auf Anordnung seiner Mutter, Königin Uschi, mit der ihm unbekannten Prinzessin Lena vermählt werden. Leonce tritt die Flucht nach Italien an. An seiner Seite die philosophierende Lebenskünstlerin Valeria. Auch Lena entschließt sich, mit ihrem Gouvernant nach Italien zu fliehen. Leonce und Lena treffen unterwegs aufeinander, ohne zu wissen, dass sie dem jeweils angedachten Ehepartner begegnet sind. Sie verlieben sich ineinander. Das Stück wird vor allem durch Leon Bömmelburg als Leonce und Alicya Woznaik als Valeria zu einem besonderen Vergnügen. Lange Monologe, kompliziertes Wortspiel: Mit Hingabe und Perfektion verkörpert Bömmelburg den an Weltschmerz leidenden Prinzen. Schlagfertige Ergänzung dazu ist Alicya Wozniak, die ihre Rolle großartig ausfüllte und für die nötige Heiterkeit sorgte. Sie spielte zudem die glamouröse Rosetta, Leonces Geliebte. Einfach herrlich auch Maren Schlebusch, die die leicht verpeilte Königin Uschi („ich schwätze, also bin ich“) darstellte. Vanessa Disse überzeugte als romantische Lena. Amüsiert mit Wortwitz, Mimik und Gestik haben auch Mona Riedel (Präsidentin), Heiko Beck (Zeremonienmeister) und Raimund Perschke (Hofprediger). Besondere Akzente wurden mit fantasievollen Perücken und filigraner Schminktechnik gesetzt. Sie hoben die marionettenhaften Charaktere noch hervor. Die Perücken hatte Maren Schelbusch aus Schaumstoff nach Maß angefertigt. Einen wirkungsvollen Kontrast bot das Bühnenbild, das sich als eine Art verwahrloste Baustelle mit Gerüst, Müllsäcken und leeren Wein- und Schnapsflaschen präsentierte. Ein Live-Stream zur Garderobe sowie eingeblendete Hashtags sorgten für zusätzliche Aufmerksamkeit beim Publikum.Zwei weitere Termine für Vorstellungen Weitere Vorstellungen des Lustspiels „Leonce und Lena“ im Ku-Stall in Ottbergen sind am Freitag, 17. November, und Samstag, 18. November, jeweils um 19.30 Uhr.

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