Laura Ordonio ief den New York City Marathon. - © Vivien Tharun
Laura Ordonio ief den New York City Marathon. | © Vivien Tharun

Höxter Höxteranerin läuft den New York City Marathon

Laura Ordonio schafft trotz Krämpfen die gesamte Strecke, denn die Schmerzen sind kleiner als das Glücksgefühl, im Ziel zu sein

Vivien Tharun

Höxter. Kurz vor der Hälfte der Strecke machen die Muskeln schlapp. Die 35-jährige Laura Ordonio legt sich auf eine Straße in New York, um gegen die stechenden Schmerzen anzukommen, die ihr durch die Beine schießen. „Aufgeben ist keine Option", sagt Ordonio zu sich selbst, denn die Höxteranerin hat lange darauf hingearbeitet, einmal in ihrem Leben beim größten Marathon der Welt mitzulaufen. Zwei Frauen eilen zu ihr und helfen, die Waden zu dehnen. Bis zu fünfmal in der Woche trainieren Schon mit 30 Jahren wollte Ordonio den New York City Marathon mitlaufen, „leider hat es dann aus beruflichen Gründen nicht geklappt", sagt sie. Vor einem Jahr ermutigen sie dann Freunde aus der Schweiz, es nun endlich zu versuchen. Das Training beginnt, der Startplatz wird für 2.000 Euro über einen speziellen Reiseanbieter aus eigener Tasche gebucht. „Vier- bis fünfmal in der Woche habe ich ein bis drei Stunden trainiert", sagt sie. Am Wochenende übt sie am Ufer des Neckar Läufe bis 35 Kilometer Länge, denn seit einiger Zeit wohnt sie in Stuttgart und arbeitet dort in der Sportbranche. Das effektive Training aus Lauf-, Mobilisations- und Kraftübungen nimmt die fitte Hobbysportlerin ungefähr zwölf Wochen vor dem eigentlichen Marathon auf. Zur Übung läuft sie die Halbmarathons in Köln und Stuttgart mit. Doch die Atmosphäre dort ist nicht mit der zu vergleichen, die sie am vergangenen Sonntag in New York erlebt: „Die New Yorker stehen am Streckenrand, jubeln den Sportlern zu, klatschen ab und verteilen Bananen". Die Stimmung ist in der gesamten Stadt gut und offen. Die Strecke des Marathons führt von Staten Island im Süden bis in den bekannten Central Park im nördlichen Stadtteil Manhattan. Polizei und Militär sind anwesend, um das Großereignis zu sichern, halten sich aber dezent im Hintergrund. „Nur wenige Tage vorher war der Terroranschlag in Manhattan", sagt Ordonio. Daher sind die Schutzmaßnahmen noch einmal erhöht worden. Ordonio war selber schon an der Organisation von Marathons beteiligt und weiß daher, was in der amerikanischen Millionenmetropole im Hintergrund der Veranstaltung geleistet wird. Ein großer Teil der Straßen ist gesperrt, auf jeder Meile werden die Teilnehmer mit Wasser versorgt. Sanitäter sind zu jeder Zeit an allen Punkten der 42,195 Kilometer langen Strecke anwesend. Trotz zwischenzeitlicher Schmerzen nimmt Ordonio deren Hilfe aber nicht in Anspruch: „Dann hätte ich die Strecke verlassen müssen". Der Traum wäre zu enden gewesen. „Mein Ziel war aber das Ziel", sagt die Läuferin. Sie steht auf und legt die letzten Abschnitte des Marathons teilweise gehend, teilweise trabend zurück. "Ab Kilometer 30 kommt der Mann mit dem Hammer" Sie zückt ihr Smartphone und ruft über das Internet ihre Familie in Deutschland an, um sich die nötige Motivation für die letzten Kilometer zu holen. Zu Hause sitzt ihre Schwester auf dem Sofa und feuert die 35-Jährige an. Beim Wettkampf ist Ordonios Freundin Christine Haemmerli Tschudi aus der Schweiz dabei, die selbst mitläuft und im Vorfeld die nötige Unterstützung bot. Ordonio ist nicht die Erste, die mit Stichen und Krämpfen bei diesem berühmten Lauf zu kämpfen hat: „Es gibt die Redewendung ,Ab Kilometer 30 kommt der Mann mit dem Hammer‘, um die Laufsituation nach mehr als der Hälfte der Strecke zu beschreiben." Bei den meisten Sportlern sind dann die Kohlenhydratspeicher des Körpers leer. Die Folge: Die Leistung bricht ein. Andere Teilnehmer, denen es genauso geht, kommen mit der Wahlstuttgarterin ins Gespräch. Die Läufer muntern sich gegenseitig auf, es zu ende zu bringen. Auf den letzten 500 Metern drückt Ordonio auf den Videoknopf ihres Smartphones und filmt sich selbst dabei, wie sie unter Freudentränen und gelegentlichen „Au"-Rufen nach fünf Stunden, einer Minute und 54 Sekunden durch das Ziel im Central Park läuft. Sie belegt Platz 36.164 von mehr als 50.000 Teilnehmern. Aber um die Platzierung geht es ihr nicht: „Ich wollte einfach nur einmal dabei sein."

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