Aufführung: Die Kinder der dritten Klasse aus Albaxen mit ihrem Stück vom Eichhörnchen, das nicht lesen konnte. - © Simone Flörke
Aufführung: Die Kinder der dritten Klasse aus Albaxen mit ihrem Stück vom Eichhörnchen, das nicht lesen konnte. | © Simone Flörke

Höxter Bücherei feiert mit Revue und Rabe Socke

Die Stadtbücherei Höxter begeht das 75-Jährige mit einem Festakt, Aktionen und einer Zaubershow. Ein Duo aus Berlin begeistert die großen Gäste beim Erinnerungsabend, eine bekannte Kinderbuchfigur seine kleinen Zuhörer

Simone Flörke

Höxter. Lautes Schreien und Stampfen in der Aula der VHS: „Na klar, das ist die Blechtrommel von Günter Grass“, ruft einer der Gäste nach kurzem Zögern mit einem Lächeln durch den Raum: Anerkennendes Kopfnicken der Schauspieler Marjam Azemoun und Frank Sommer. „Weltklasse“, kommentierte einer der Besucher diesen mitreißenden, unterhaltsamen, humorvoll-hintersinnigen und einfach rundum gelungenen Auftakt zum 75-Jährigen der Stadtbücherei Höxter mit rund 70 Gästen. Das Duo aus Berlin nahm sein Publikum mit auf eine höchst spannende Zeitreise durch 75 Jahre Welt- und Lokalgeschichte – vor allem aber durch Literatur- und Autorengeschichte. Dabei flochten die Bühnenprofis immer überraschend Details aus der Geschichte der Stadtbücherei ins speziell für diese Revue zusammengestellte Programm, schlüpfen in Rollen. Sie entwarfen Mono- und Dialoge und ließen das Publikum mit Zitaten aus Büchern mitraten, um welche Werke es sich wohl handelte – von Heinrich Böll bis Harry Potter. Bürgermeister Alexander Fischer dankte für „Engagement, Herzblut und Akribie“ des Teams und das positive Bild der Stadt Höxter, das sie darstellten. Bücherlesen ist für ihn verbunden mit Bildung und Fantasie, die „rettende Insel“ in der täglichen Datenflut, für die man nicht nur einen Zeigefinger zur Mausbedienung, „sondern auch zwei Hände, um Dinge anzufassen, und einen Kopf zum Nachdenken“ benötige: „Lesen macht uns toleranter und offener für Menschen und Kulturen.“ Zum zweiten Teil des Jubiläums waren dann die kleinen und großen Leser am Samstag eingeladen: Dabei las Rabe Socke (Bücherei-Kollegin Nicole Raabe im Kostüm) in der gemütlichen Sitzecke, begeisterten Cordula und Rüdiger Paulsen aus Werther mit ihrer Ballonkunst die Kinder. Bei Margret Lorig gab’s vegetarisch-vegane Speisen vom Minibürger bis zum Gemüsespieß. „Lecker“, kommentierten die Kinder. Mädchen und Jungen der dritten Klasse der Grundschule Albaxen führten mit Doris Winkler von der Musikschule die Geschichte vom „Eichhörnchen, das nicht lesen konnte“ auf. Auch die musikalische Früherziehung sorgte für Unterhaltung. Am Nachmittag verblüffte nicht nur die Geburtstagstorte, sondern Zauberkünstler Jan Gerken von der Zauberakademie Berlin mit klassischer Zauberkunst in neuem Gewand. „Ich wünsche der Stadtbibliothek, dass sie die 150 Jahre schafft – und einfach ewig da ist“, freute sich Leiterin Eva-Maria Allert. Vor allem aber, dass man die jungen Leser erreiche. Dafür sei es notwendig, mit der Zeit zu gehen. So setze man auch auf interaktive Medien wie die Tiger-Books oder die elektronische Ausleihe, sagt die Diplom-Germanistin mit Master of Arts Library and Information Science, die seit 2000 im Bibliothekswesen arbeitet. Was sie selbst gern liest? „Biografien. Ich gucke auch gern in Sachbücher mit aktuellen Themen aus der Weltgeschichte. Die versuchen wir, zeitnah für die Bücherei zu bekommen. Aber es kann bei mir durchaus auch mal ein Liebesroman sein – zum Abschalten.“Abschied nach 30 Jahren Gerührt war sie, als sie Blumen und Urkunde zum Abschied bekam: Ina-Maria Sünkeler hatte beim Jubiläum ihren letzten Arbeitstag in der Stadtbücherei. Nach 30 Jahren „mit Fachwissen und freundlicher Art“, so Bürgermeister Alexander Fischer. „Ich werde alle sehr vermissen“, sagte sie. Und dass sie als Leserin der Bücherei verbunden bleibe. Nachfolgerin ist Severine Waldeyer.

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