Urteil: Der Dachlatten-Prozess ist nach zwei Verhandlungstagen in Paderborn abgeschlossen worden. - © Polizei
Urteil: Der Dachlatten-Prozess ist nach zwei Verhandlungstagen in Paderborn abgeschlossen worden. | © Polizei

Höxter Lange Haft für Räuberpärchen

Prozess: Felix N. und Desiree C. lauern einem geistig beeinträchtigten Mann in der Dunkelheit auf und schlagen ihn mit einem Kantholz nieder, um an dessen Geldbörse zu kommen

Jutta Steinmetz

Ovenhausen/Paderborn. Möglicherweise hat Staatsanwalt Kai Uwe Waschkies recht, wenn er vermutet, dass sich Felix N. (alle Namen geändert) und seine Freundin Desiree C. ein bisschen wie Bonnie und Clyde fühlten, als sie zunächst mit Einbrüchen in Scheunen ihren Lebensunterhalt bestritten. Vielleicht ließen sie deshalb jedes menschliche Mitgefühl fahren und lauerten am 1. April in der abendlichen Dunkelheit Ovenhausens einem Mann auf, über dessen geistige Beeinträchtigung sie sehr genau Bescheid wussten. Mit einem Kantholz knüppelte Felix N. sein wehrloses Opfer nieder, um an dessen nur mäßig gefüllte Geldbörse zu kommen. Anders als das Filmpärchen sind die beiden Höxteraner mit dem Leben davongekommen. Aber sie müssen fortan mit der Schuld leben, eine „sinnlose“ und „niederträchtige Tat“ (O-Ton Waschkies) vollbracht zu haben. Und sie müssen für diese auch büßen. Die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Paderborn verurteilte nach zwei Verhandlungstagen Felix N. wegen besonders schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu sechseinhalb Jahren Gefängnis, Desiree C. als Mittäterin zu dreieinhalb Jahren Haft. Einziger Lichtblick des Falles war das Verhalten von Felix N. auf der Anklagebank: Ohne zu beschönigen, schilderte er, wie berichtet, von Anfang an die Planung und den Ablauf der Tat.Das Opfer soll12.000 Euro Schmerzensgeld bekommen Und er rang sich schließlich am zweiten Verhandlungstag zu einer öffentlichen Entschuldigung bei seinem Opfer durch, das unter anderem schwerste Brüche im Gesicht davongetragen hatte. Diesem wird er auch 12.000 Euro Schmerzensgeld zahlen, so der Beschluss des Gerichts. Ganz anders das Gebaren von Desiree C: Bis zum Schluss versuchte sie, ihre Hände in Unschuld zu waschen. Allerdings vergebens. Ihren unterschiedlichen widersprüchlichen Einlassungen, die allesamt lediglich den Tenor, von der Tat nichts gewusst zu haben, gemeinsam hatten, mochte das Gericht genauso wenig Glauben schenken wie zuvor Staatsanwalt Kai Uwe Waschkies. Und zwar vor allem wegen der Aussage des Hauptangeklagten Felix N. „Das, was er sagt, halte ich für grundehrlich“, sagte der Anklagevertreter in seinem Plädoyer und erinnerte daran, dass der 25-Jährige ganz offen die Tat mitsamt seiner eigenen Gewalttätigkeit geschildert hatte. Folglich konnte das Gericht bei seiner Urteilsverkündung der 24-Jährigen nicht allzu viel zugutehalten. Obschon Desiree C. im Gegensatz zu Felix N. bis dahin noch ohne jede Vorstrafe durchs Leben gegangen war und auch selbst nicht zugeschlagen hatte, wollten ihr die Richter keine Bewährungschance einräumen. Ihr könne kein strafmilderndes Geständnis angerechnet werden, sagte Richter Oliver Neuwinger, wohl aber die „Niedertracht der Tat“.

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