Entsetzte Gesichter: Christian Haase registriert am Wahlabend um 18 Uhr die Ergebnisse mit verschränkter Miene. Auch andere Gäste in der CDU-Kreisgeschäftsstelle können es nicht fassen. - © Foto: David Schellenberg
Entsetzte Gesichter: Christian Haase registriert am Wahlabend um 18 Uhr die Ergebnisse mit verschränkter Miene. Auch andere Gäste in der CDU-Kreisgeschäftsstelle können es nicht fassen. | © Foto: David Schellenberg

Kreis Höxter Bundestagsabgeordneter Christian Haase im Interview

Der wiedergewählte CDU-Bundestagsabgeordnete über die Verluste der eigenen Partei, das Erstarken der AfD und die künftige Regierungskoalition

David Schellenberg

Herr Haase, herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl. Was überwiegt mit etwas Abstand, Freude über ihren persönlichen Erfolg oder Enttäuschung über das Abschneiden der CDU insgesamt? Christian Haase: Ich bedanke mich zunächst einmal bei allen Wählerinnen und Wählern für das entgegengebrachte Vertrauen. Ich werde mich weiterhin mit voller Kraft für meine Heimat einsetzen. Das Wahlergebnis insgesamt ist ernüchternd und muss nun genau analysiert werden. Offensichtlich haben wir bestimmte Bevölkerungsgruppen nicht erreicht. Sie sind Vorsitzender der CDU im Kreis Höxter. Auch hier hat die CDU deutlich an Stimmen eingebüßt. Worin liegen aus Ihrer Sicht die Ursachen? Haase: Die überregionalen Strömungen gehen auch nicht am Kreis Höxter vorbei. Wir werden in den Gremien die Ergebnisse bewerten. Dem will ich nicht vorgreifen. Was kann die CDU hier vor Ort tun, um wieder mehr Rückhalt in der Bevölkerung zu erhal-ten? Haase: Wir haben nach wie vor einen starken Rückhalt. Mir ist es wichtig, die Vor-Ort-Aktivitäten in den Kommunen zu stärken. Die Bevölkerung muss wissen, für was wir stehen. Wenn ich Landtagswahl und Bundestagswahl zusammennehme hat es unendlich viele Gesprächsangebote gegeben. Bestimmte Bevölkerungsteile wollten aber gar nicht reden, sondern Protest ausdrücken. Hier möchte die CDU verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Bundesweit hat die Alternative für Deutschland (AfD) 12,6 Prozent erhalten, im Kreis Höxter 9,6 Prozent. Wie bewerten Sie diesen Rechtsruck? Haase: Mir ist es zu früh von einem Rechtsruck zu sprechen. Viele Wählerinnen und Wähler wollten ihren Protest ausdrücken. Dass sie dabei eine in Teilen rechte beziehungsweise rechtspopulistische Partei unterstützt haben, haben sie in Kauf genommen. Einer drohenden Spaltung können wir nur kommunikativ und als CDU geschlossen entgegenarbeiten. Wie wollen Sie die AfD-Wähler vom Sonntag wieder von Ihrer Politik überzeugen? Haase: Das wird Thema der Analyse sein. Ein Blick in den Bund: Die SPD hat eine Große Koalition ausgeschlossen. Ein richtiger Schritt? Haase: Ich finde es nicht gut, wenn man sich angesichts des Erstarken der Extreme, immerhin fast 22 Prozent, aus der Verantwortung zurückzieht. Nun bleibt nur ein Regierungsbündnis mit CSU, FDP und Grünen. Wie kann eine langfristige stabile Zusammenarbeit aussehen? Haase: Mit guten Inhalten und einer den Menschen zugewandten Politik. Glauben Sie noch an die Zukunft der PKW-Maut und eine Obergrenze für Flüchtlinge? Haase: Über Beides wird sicherlich in den nächsten Tagen gesprochen. Aussagen dazu wären rein spekulativ.

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