Sachlich und nüchtern: Dem CDU-Landtagsabgeordneten Matthias Goeken, Sonja Haase, dem wiedergewählen Bundestagsabgeordneten Christian Haase und der Höxteraner Büroleiterin war gestern Abend nicht nach Jubel zumute. - © David Schellenberg
Sachlich und nüchtern: Dem CDU-Landtagsabgeordneten Matthias Goeken, Sonja Haase, dem wiedergewählen Bundestagsabgeordneten Christian Haase und der Höxteraner Büroleiterin war gestern Abend nicht nach Jubel zumute. | © David Schellenberg

Höxter Christian Haase gewinnt erneut den Wahlkreis

Große Enttäuschung bei den Sozialdemokraten aber auch bei der CDU.Beide heimische Bundestagsabgeordnete verlieren mit dem Landestrend an Stimmen.

Nicole Hille-Priebe
Dieter Scholz

David Schellenberg

Höxter. Auch wenn das Ergebnis im Kreis Höxter erwartbar war - einen spannenden Wahlabend erlebten die Menschen zwischen Steinheim und Warburg dennoch. Die Frage war vor allem, mit welchem Ergebnis der CDU-Kandidat Christian Haase in den Bundestag wiedergewählt wird und mit welchem Ergebnis die AfD in der Region abschneidet. Dass die Bürger über ihre politische und gesellschaftliche Zukunft mitentscheiden möchten, zeigt die hohe Wahlbeteiligung von rund 75,6 Prozent - gegenüber 73,1 Prozent im Jahr 2013. Profitieren konnten die heimischen Bundestagsabgeordneten davon allerdings nicht. Christian Haase (CDU) Als um 18 Uhr die ersten Prognosen über den Bildschirm flimmerten, herrschte bei Christian Haase zunächst Ernüchterung. "Über dieses Ergebnis kann sich keine der großen Parteien freuen", sagte er mit Blick auf die Verluste der CDU und die starken Gewinne der AfD. Und wirklich besser wurde seine Laune im weiteren Verlauf des Abends nicht - auch wenn er seine Wiederwahl als Bestätigung seiner Arbeit sieht. "Darüber freue ich mich natürlich", sagte Haase. Das Ergebnis auf Bundesebene müsse jetzt genau analysiert werden und sei ein schwieriger Arbeitsauftrag. Petra Rode-Bosse (SPD) Lange Gesichter bei der SPD, auch wenn das Ergebnis für Petra Rode-Bosse nicht wirklich überraschend kam. "Es wird aber wohl noch schlimmer, als wir dachten", ahnte die Bundestagsabgeordnete bereits um 17.50 Uhr. Zehn Minuten später war klar: "Mit Blick auf die AfD ist das Ergebnis einfach nur schrecklich. Aber auch für die SPD selbst ist es ein Debakel, daran gibt es nichts zu deuteln. Jetzt ist tiefes Durchatmen angesagt. Aus unserem dramatischen Abschneiden ziehe ich den Schluss: Die SPD braucht dringend eine Auszeit vom häufigen (Mit-)Regieren." Dass ihr persönliches Ergebnis über dem Parteiergebnis liegt, ist nur ein schwacher Trost. "Ich werde in meinen alten Beruf zurückkehren und mich auf meine Praxis für Psychotherapie konzentrieren, die in den letzten zwei Jahren hintenanstehen musste." Robin Wagener (GRÜNE) Der Kandidat der Bündnisgrünen, Robin Wagener, sieht das bundesweite Ergebnis seiner Partei mit "einem lachenden und einem weinenden Auge". Das Abschneiden der AfD schmerze, allzu viele seien der Partei "auf den Leim gegangen", sagt Wagener. Dass die Grünen über den Umfrageergebnissen lägen, sei ein sehr gutes Ergebnis, "obwohl Themen wie der Klimawandel im Wahlkampf kaum eine Rolle spielten". Wagener spricht vom "Verantwortungs-druck": Das starke Ergebnis sei ein Auftrag, das vorgestellte Programm auch in einer möglichen Dreier-Koalition umzusetzen. Herman Graf von Schulenburg (FDP) Auch wenn seine Zahlen vom FDP-Bundesergebnis weit entfernt sind, ist der Politiker am Wahlabend alles andere als unglücklich: "Als Neuling war ich noch nicht so bekannt, deshalb freue ich mich umso mehr über das Vertrauen, das mir die Wähler entgegengebracht haben und bin persönlich sehr zufrieden. Auf Bundesebene ist uns der Wiedereinstieg in die Bundespolitik deutlich geglückt, aber unsere Rolle in Berlin muss noch genauer definiert werden. Eins ist klar: Wir wollen gestalten - eine Aufgabe wird dabei sein, die AfD zu entlarven und dafür zu sorgen, dass diese Partei nur eine Episode bleiben wird." Norbert Senges (AFD) "Es hätte ruhig ein bisschen mehr sein können", sagte AfD-Kandidat Norbert Senges. Doch sei er "insgesamt zufrieden". Senges verfolgte daheim in Warburg mit den Wahlhelfern die Sendungen im TV. "Vor allem die Menschen in diesem Land, die arbeiten, haben gesagt, es reicht", bemerkte Senges. "Die etablierten Parteien haben verspielt und haben ihr blaues Wunder erlebt", zog er Bilanz. Lothar Kowelek (LINKE) "Regional sind wir zufrieden mit dem Ergebnis, weil wir uns leicht verbessern konnten. In Berlin wird es jetzt interessant hinsichtlich der Oppositionsarbeit, das sorgt in unserer Detmolder Parteizentrale heute Abend für die meisten Diskussionen - denn mit der AfD war zwar zu rechnen, aber dieses hohe zweistellige Ergebnis ist erschreckend."

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