Eine Polizeibeamtin lieferte ein bedrückendes Psychogramm von Wilfried W. - © picture alliance / dpa
Eine Polizeibeamtin lieferte ein bedrückendes Psychogramm von Wilfried W. | © picture alliance / dpa

Höxter Polizistin beschreibt Wilfried W. als Manipulator, Intriganten, Sexisten und Rassisten

Eine Ermittlerin musste rund 7.500 Sprachnachrichten von Wilfried W. anhören und dokumentieren

Jutta Steinmetz

Paderborn/Höxter. Es mag sein, dass Wilfried W. keinen einzigen geraden Satz aufs Papier bringen kann. Dafür ist wahrscheinlich seine Lese-Rechtschreibschwäche verantwortlich. Wenn es aber um das gesprochene Wort, um mündlich geführte Kommunikation geht, dann verfügt er über außerordentliche Fähigkeiten. Davon ist eine Kriminalpolizistin, die lange Jahre im Opferschutz gearbeitet hat, überzeugt. Sie bescheinigte dem 47-Jährigen gestern am 31. Tag im Bosseborn-Prozess eine hohe soziale Intelligenz. Das ist ein Eindruck, den Wilfried W. eigentlich nicht gerne öffentlich vermitteln will. Er stellt sich lieber als einfachen Mann dar. So macht er es jetzt vor dem Schwurgericht Paderborn, so machte er es früher aber auch, wenn er via Telefon mit Frauen erste Kontakte aufnahm. "Weiß genau, wie er steuern kann" Das zeigen die rund 7.500 Audiodateien, die die Polizeibeamtin ausgewertet hat. Sprachnachrichten waren nämlich die erste Wahl des 47-Jährigen, wenn es darum ging, mit Frauen zu kommunizieren. Dabei verfolgte er anscheinend eine feste Strategie. „Es gibt zwei verschiedene Seiten", sagt die erfahrene Ermittlerin über Wilfried W.s Agieren. Zunächst habe er sich als kleiner, schlichter und sogar hilfloser Junge präsentiert, um dann anschließend Druck aufzubauen. „Er weiß genau, wie er eine Frau finden und steuern kann." Zu dieser Strategie gehörte, dass Wilfried W. anscheinend nach einem speziellen Typ suchte, nach Frauen, deren soziales Umfeld klein und überschaubar war. Auf diese Weise, so die Zeugin, habe er vermeiden wollen, dass sich andere Menschen einmischten. Aus gutem Grund, denn die Beziehungen waren laut der Beamtin von „permanentem Kontrollzwang" sowie von bösen Verbalattacken geprägt. "Erschreckt und fasziniert" „Hochgradig manipulativ, intrigant, sexistisch und rassistisch" seien viele der Äußerungen von Wilfried W. gewesen. „Jede zarte Kritik wurde mit Beleidigungen und Vorhaltungen niedergeschmettert", erklärt die Beamtin. Dass sich trotzdem Frauen nicht vom Angeklagten lösen konnten, führt sie auf die soziale Intelligenz des Angeklagten zurück. Dieser habe genau gewusst, wie weit er bei seinem jeweileigen Gegenüber gehen konnte. Ganz still ist es, während die Zeugin ihre Erkenntnisse ausbreitet – und dabei ihre eigenen Empfindungen schildert. „Erschreckt und gleichzeitig fasziniert" habe sie bei ihrer Auswertung verfolgt, wie Wilfried W. die Frauen an sich band, „wie er all die bekannten Täter-Vorgehensweisen anwandte, um Opfer zu finden." Mit Angst und Schrecken habe sie immer weiter den Beleidigungen, Unwahrheiten und der ständigen Kritik aus dem Munde des Angeklagten zugehört. Wilfried W. habe schon via Telefon Macht ausgeübt, „kaum auszudenken, was bei einem persönlichen Kontakt möglich gewesen wäre." Die Verhandlung wird am 2. Oktober fortgesetzt.

realisiert durch evolver group