In Usbekistan: Auf ihrer Tour machten Benedikt Ummen und Magdalena Witty in Samarkand, steinerne Stadt in Usbekistan und Weltkulturerbe, Halt. - © Privat
In Usbekistan: Auf ihrer Tour machten Benedikt Ummen und Magdalena Witty in Samarkand, steinerne Stadt in Usbekistan und Weltkulturerbe, Halt. | © Privat

Höxter Pärchen aus Höxter reist 23.500 Kilometer mit dem Tesla um die Welt

E-Mobilität: Benedikt Ummen und Magdalena Witty haben ihre Mission erfüllt – sechs Monate fuhren sie mit einem Tesla um die halbe Welt. Sie berichten von spannenden Erfahrungen und großen Herausforderungen

Amina Vieth

Höxter. Sechs Monate waren Benedikt Ummen aus Höxter-Lüchtringen und seine Freundin Magdalena Witty mit ihrem Tesla auf halber Weltreise. Von Deutschland über den Balkan durch den Iran zurück übers Baltikum wieder in die Heimat. Ihre Mission: Ein Zeichen für E-Mobilität setzen. Das ist ihnen geglückt. Die Reise war aber noch viel mehr: ein Abenteuer, ein Test für ihre Beziehung und der Weg zu einem anderen Blick auf die Welt und die Heimat. Gerade eine Woche sind sie zurück und verarbeiten noch all die Erlebnisse. Sie waren die Ersten, die mit einem Elektroauto im Iran waren. Die Ersten, die die 23.5000 Kilometer lange Tour über diese Strecke überhaupt mit einem E-Auto gewagt haben. Und sie sind stolz, dass es ihnen geglückt ist. „Sogar ohne einen Unfall oder eine Panne. Nicht ein einziges Mal mussten wir von unserem Reiseplan abweichen", betont Magdalena Witty erfreut. Sie habe mit einem Super-Gau im Laufe der Tour gerechnet, „aber das Auto hat gehalten". „Es ist immer noch wie ein Traum", sagt der 27-jährige Lüchtringer. Die Erlebnisse müssten erst noch sacken. Der schwarze Tesla mit den gelben Aufklebern „E-Explorer" rollt mittlerweile wieder über die deutschen Straßen, auch durch Höxter. Ganz unscheinbar. „Man sieht dem Auto seine Geschichte gar nicht an", sagt Magdalena Witty und lächelt verträumt. »Wir sind als Team zusammengewachsen« Nur die zahlreichen Landesaufkleber am Kotflügel lassen erahnen, dass der Tesla schon auf fernen Straßen und Wegen der Welt gefahren ist und an unberührten Orten war. So übernachtete das Paar im Auto in der menschenleeren Steppe in Kasachstan im Iran, machte Halt in den Dünen am kaspischen Meer und schlief im Auto 3.000 Meter über Null auf dem iranischen Pass. Erlebnisse, die sie nicht missen wollen. Aber auch Erfahrungen, die sie als Menschen und als Paar veränderten. 135 Tage waren sie unterwegs. Jeden einzelnen Tag davon zusammen. Eine Belastungsprobe. Das Entscheidende: „Jeder hatte seine klare Rolle", erklärt Benedikt Ummen. In der Vorbereitung hatte Magdalena die Zügel in der Hand, kümmerte sich um Visa, plante akribisch den Ablauf der Reise. Ummens Part: das Fahren. „Ich bin in Stresssituationen ruhiger." Witty reagiere emotionaler, wie sie selbst sagt, und ergänzt: „Ich habe mich auf die Funktion als Copilot konzentriert." Und es habe alles gut funktioniert. „Wir sind als Team zusammengewachsen", betonen sie, und in ihrem Blick und Umgang miteinander liegt eine Vertrautheit, die sich andere Paare wohl nur wünschen können. „Wir haben uns noch einmal ganz anders kennengelernt." »Das wichtigste Geräusch war das Klacken des Stempels im Pass« Aber nicht immer war alles traumhaft oder lief reibungslos. Wie nervenzerreißende Grenzkontrollen, die drohten die Reise zum vorzeitigen Ende zu bringen. So in Turkmenistan, wo das schwarze Auto mit den gelben Aufklebern beinahe nicht zur Weiterfahrt zugelassen wurde, weil in der Hauptstadt nur weiße Autos erlaubt sind. „Das wichtigste Geräusch war immer das Klacken des Stempels im Pass, dann war alles gut." Oder die tägliche Suche nach Stromquellen, um den Wagen aufzuladen. „Für Strom zu sorgen, war meine Aufgabe", sagt der studierte Maschinenbauer. Und überall seien sie fündig geworden. Doch so komfortabel wie in Deutschland und den Nachbarländern – Stecker rein und los – war es selten. „Wir mussten viel improvisieren. Auch häufig direkt an den Sicherungskästen anschließen. In Deutschland wäre das undenkbar." Mit einem Übersetzungsblatt mit Symbolen konnten sie ihr Anliegen auch trotz Sprachbarrieren schnell verdeutlichen. Und man habe ihnen in den meisten Fällen uneingeschränkten Zugang zu Stromquellen gewährt. Nicht ohne Risiko für den Maschinenbauer. „Ab und an habe ich gespürt, wie ein leichter Stromstoß durch meinen Körper fährt", berichtet Ummen und vergleicht es mit dem Berühren eines Weidezauns. Einmal sei sogar Qualm aus einer Steckdose aufgestiegen, berichtet Witty. 400 Kilometer mit einer Ladung 400 Kilometer schafft der Tesla mit einer Ladung. In Kasachstan sei es einmal ungewiss gewesen, ob sie rechtzeitig zu einer Stromquelle kommen. Sie waren in der Steppe unterwegs und es gab nur drei Orte, wo sie Strom erhalten konnten. „An den ersten beiden Orten wurden wir weitergeschickt. Erst am dritten Ort, in einem Café, konnten wir laden – bei Kilometer 360", berichtet Ummen. Der Betreiber habe ihr Anliegen schnell verstanden und Zugriff auf den Sicherungskasten gewährt. Die Hilfsbereitschaft, die sie unterwegs erlebten, sei überwältigend und berührend gewesen, betonen Ummen und Witty. „Damit hatten wir so nicht gerechnet." Die Deutschen könnten davon noch etwas lernen. »Es sind auch nur Menschen« Die Vorurteile die gegenüber vielen Orten und Menschen herrschen seien unbegründet. „Es sind auch nur Menschen, die einen ganz normalen Tagesablauf haben. Sie haben nur eine andere Kultur." Diese kennenzulernen habe sehr viel Freude bereitet und das Verständnis für andere Menschen und Kulturen vertieft. „Egal wo wir hinkamen, wir wurden überall herzlich empfangen und aufgenommen. Und uns wurde immer geholfen", berichtet Witty. Ob es die Suche nach Strom betraf oder Übernachtungsmöglichkeiten. Häufig wurden sie zum Essen eingeladen oder ihnen wurden sogar Ferienwohnungen angeboten. Diebstahl oder Vandalismus gab es nicht. Wie ihnen ist man auch dem Auto sehr respektvoll begegnet. „Und nie gab es Neid." Innerhalb weniger Stunden habe sich in den Städten herumgesprochen, dass ein deutsches Paar mit einem Elektroauto angekommen ist. Und schon wurden Ummen und Witty zu Berühmtheiten. Die Menschen seien neugierig gewesen, einige wollten Probe fahren oder einfach nur mehr über das Auto wissen. Beitrag über das Paar im iranischen Fernsehen Im Iran seien sie jedoch mit Aufmerksamkeit überschüttet worden, „das war zuviel". Über Instagram habe sich die Nachricht ihrer Ankunft schnell verbreitet. Auch Medien schalteten sich ein. So drehte auch eine iranische Autosendung, ähnlich dem Format „Top Gear", einen Beitrag über sie. In der zweiten Woche im Iran verspürten die Reisenden dann etwas Heimweh. Des Essens und der vertrockneten Natur überdrüssig sehnte sich Ummen nach Freibad, Weser und Biergärten. Nach sechs Monaten non Stop on Tour ist das Paar nun froh, wieder zuhause zu sein. „Man ist übersättigt mit neuen Städten, Gebäuden und ständigen Ortswechseln." Je näher sie der EU kamen, der Rückweg führte durch das Baltikum, desto entspannter sei die Fahrt geworden. Es war wieder einfacher aufzuladen, der Verkehr geregelter und der Euro wurde akzeptiert. Nach 135 Tagen erreichten sie dann Berlin, dort soll es jetzt beruflich weitergehen. Das Paar freut sich auf den Alltag, und darauf, an einem Ort zu verweilen. »Wir wurden überall herzlich empfangen und aufgenommen« Und sie wissen zu schätzen, was sie an ihrer Heimat, ja an der EU haben. Freiheit, Demokratie, keine Grenzkontrollen und Vielfalt. Länder wie Turkmenistan, mit seiner bizarren Diktatur, würden einem klar vor Augen führen, wie wertvoll sowas ist. „Dahin würden wir nicht noch einmal fahren." Reisen stehe vorerst aber eh nicht auf ihrer Agenda. Wie sie künftig überhaupt ihren Urlaub verbringen möchten, wissen sie noch nicht. Vielleicht kommt ja wieder der Hunger nach einer langen Reise, so Witty. Vielleicht aber auch nur eine Ferienwohnung in einer Wanderregion. Fest steht für sie auf jeden Fall, dass es noch viel zu entdecken gibt.

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