Auf 3.000 Metern Höhe: Benedikt Ummen mit Magdalena Witty im Elburs-Gebirge im nördlichen Iran zwischen dem Kaspischen Meer und dem Persischen Hochland. Das Camping im Auto habe „sehr komfortabel funktioniert". - © Privat
Auf 3.000 Metern Höhe: Benedikt Ummen mit Magdalena Witty im Elburs-Gebirge im nördlichen Iran zwischen dem Kaspischen Meer und dem Persischen Hochland. Das Camping im Auto habe „sehr komfortabel funktioniert". | © Privat

Höxter Mit dem Elektro-Auto von Lüchtringen um die halbe Welt

Benedikt Ummen und Magdalena Witty sind mit ihrem Fahrzeug auf Rundreise. Stationen sind unter anderem der Balkan, der Iran, Kasachstan und Russland. Gerade haben sie Halbzeit und berichten der NW von den prägendsten Ereignissen und größten Herausforderungen

Amina Vieth

Lüchtringen/Kirgistan. Rund 30.000 Kilometer mit dem Elektroauto um die halbe Welt: Für manche mag das verrückt klingen, Benedikt Ummen und Magdalena Witty erfüllen sich damit den Wunsch einer großen Abenteuerreise. Gestartet sind sie im April in Lüchtringen, aktuell sind sie in Kirgistan. Das Experiment Sie wollen zeigen, dass auch mit einem Elektroauto lange Distanzen zurückgelegt werden können. In vielen Ländern, die das Paar durchquert, hat man noch nie so ein Fahrzeug gesehen. An eine Steckdose zu kommen, sei aber nicht das Problem. Die Landesgrenzen seien die Herausforderungen. „Wir hatten beide vor, mal eine große Reise zu machen, bei der man auch etwas erleben kann", berichtet Benedikt Ummen aus Lüchtringen, der in Zürich Maschinenbau studierte. Seine Freundin Magdalena Witty aus Utting am Ammersee (Bayern) lernte er vor drei Jahren beim Skifahren kennen. Durch Zufall hat das Paar gemeinsam ein halbes Jahr Freizeit und nutzt diese für eine Tour durch den Iran und Zentralasien über Russland zurück nach Deutschland. Dafür haben sie sich extra ein Elektroauto, einen Tesla gekauft. „Wir wollen zeigen, dass es geht", so der 27-Jährige. Am 11. April ging es in Lüchtringen los, in die Schweiz, nach Österreich, durch den Balkan und Kosovo. „Dort wurden wir spontan auf eine Hochzeit eingeladen", erinnert sich Ummen an „eines der bisher schönsten Erlebnisse". Schnell mussten sie noch passende Kleidung kaufen, schließlich reisen sie mit leichtem Gepäck. „Und dann durften wir den Hochzeitskonvoi anführen, was eine große Ehre im Kosovo ist." Auf der Feier seien sie von allen herzlich empfangen und aufgenommen worden. Vier Stunden Warten vor der turkmenischen Grenze Überhaupt erstaune und freue ihn die Freundlichkeit und Herzlichkeit, mit der sie überall begrüßt werden. „Und an Strom kommen wir auch immer irgendwie, das ist nicht das Problem." Die Menschen seien hilfsbereit. Und wenn es gut läuft, ist das Auto in drei Stunden wieder aufgeladen. Aber es gab auch weniger erfreuliche Ereignisse. Am schwierigsten seien die Grenzübergänge, sobald man die EU verlässt. „In der EU merkt man gar nicht, dass es Grenzen gibt. Aber woanders, wo sie auch solche Autos nicht kennen, wird es anstrengend." Immer wieder musste das Paar erklären, was das für ein Auto ist, was sie machen. Witty habe etwas Russisch vor der Reise gelernt, häufig laufe die Kommunikation aber auch über Hände und Füße. „Viele sind begeistert, wenn sie verstehen, dass das Auto ohne Benzin, Diesel oder Gas läuft. An der Grenze von Armenien in den Iran wollte ein Grenzbeamter unbedingt eine Runde mit unserem Auto fahren." Was das Paar gestatte. „Er war total happy." Zudem sei ihr Tesla das erste Elektroauto, das überhaupt in den Iran gefahren ist. Eine Promo-Tour für Tesla sei die Reise aber auf keinen Fall, betont Ummen. „Tesla sponsort das auch nicht. Wir finanzieren das durch Ersparnisse." Nur weiße Autos dürfen in die Stadt An der Grenze zu Turkmenistan wurde ihre Geduld auf die Probe gestellt. „Vier Stunden mussten wir warten, weil sie uns nicht reinlassen wollten." Das Problem: „In der Hauptstadt Asgabat dürfen nur weiße Autos fahren. Wir mussten versprechen, vor der Stadt zu parken", berichtet Ummen von den „verrückten Gesetzen", die in der Diktatur dort herrschen. Umdrehen kam für das Paar aber nicht infrage. Und nun – nach der Halbzeit – gebe es eh kein Zurück mehr. Sorge, dass das Auto geklaut wird, haben sie nicht. „Man kann es gar nicht kurzschließen." Die größte Angst: „Schäden am Auto, dass die Batterie oder der Motor kaputtgehen. Das könnte hier niemand reparieren." Bisher sei – auch trotz des chaotischen Verkehrs – nichts passiert. Rund 13.000 Kilometer hat das Paar, das bei dieser Reise auch als Team mehr zusammenwachse, noch vor sich. Im September wollen Ummen und Witty wieder in Lüchtringen sein. „Mit einem neu geordneten Weltbild" kehren die beiden voraussichtlich zurück. „Mehr Wertschätzung für das, was wir in der EU haben, keine Grenzen, die Politik funktioniert, es gibt Pressefreiheit. Hier in diesen Ländern ist das völlig anders, aber die Menschen arrangieren sich damit und sind trotzdem zufrieden. Und mehr Gelassenheit sowie Toleranz für die vielen verschiedenen Lebenskonzepte bringen wir mit." DIE ROUTE Deutschland – Schweiz – Österreich – Balkan – Kosovo – Bulgarien – Türkei – am Schwarzen Meer entlang – Georgien – Armenien – Iran – Turkmenistan – Usbekistan – Kasachstan – Kirgistan (aktuell dort) – wieder Kasachstan (Einladung von den Schweizern zur Expo 2017) – Russland, Baltikum – Skandinavien – zurück nach Deutschland.

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