Mit Freude: NW-Redakteurin Amina Vieth baggert erstmals ein Loch – und kann nun verstehen, was Männer daran mögen. - © Thorsten Otte
Mit Freude: NW-Redakteurin Amina Vieth baggert erstmals ein Loch – und kann nun verstehen, was Männer daran mögen. | © Thorsten Otte

Fürstenau Das große Baggern in Fürstenau

Aktion: Baumanu in Fürstenau öffnet das Areal an zwei Wochenenden im Juni für Besucher. Dort sollen dann Träume nicht nur von großen und kleinen Jungs wahr werden – die NW hat’s getestet

Amina Vieth

Fürstenau. Thorsten Otte macht Kinderträume wahr – der Baumaschinenhändler öffnet seinen Baggerpark an zwei Wochenenden im Juni für die Öffentlichkeit. Die Besucher können Bagger und Radlader fahren, Löcher ausheben, wieder zuschütten und Material umherfahren. NW-Redakteurin Amina Vieth wollte eine Antwort auf die Frage finden, warum so viele Männer und Jungs Gefallen an Baggern finden und probierte es selbst aus. Da steht er, der Traum der Jungs und der Kinder im Manne – ein Bagger. Das schwere Gerät zu bedienen soll so viel Freude bringen? Etwas Skepsis kommt schon auf. Doch fragt man Thorsten Otte, strahlt er voll Freude. „Es ist schön, sein Schaffenswerk zu sehen", sagt Otte. Er sitzt im Job aber kaum auf dem Bagger, sein Arbeitsplatz ist das Büro. Mit seiner Frau Diana betreibt Otte den Handel für Baumaschinen und Nutzfahrzeuge Baumanu in Fürstenau. Seit 2003 ist er selbstständiger Händler. Bis 2005 in Holzminden, seitdem in Fürstenau ansässig. Es habe aber Jahre gedauert, bis der Händler im direkten Umfeld überhaupt bekannt war, sagt Otte. Deswegen habe man zum zehnjährigen Bestehen einen Tag der offenen Tür veranstaltet, erklärt Otte beim Gang über den Hof, wo mehrere Baufahrzeuge stehen. Darunter auch Radlader und Bagger, die den Besuchern im Juni so viel Freude bereiten sollen. Bevor es ans Baggern geht, gibt es zuerst einmal wichtiges Grundwissen für den Laien: „Radlader haben Räder. Sie dienen dazu, Material zu transportieren und dürfen auch am Straßenverkehr teilnehmen", erklärt der Fachmann. Bagger hingegen dürfen nur transportiert werden, haben Räder oder Ketten und dienen dazu, Löcher auszuheben oder zuzuschütten. Für den Ernstfall hat der Betreuer einen Notausknopf Baumanu betreut hauptsächlich Bauunternehmen, aber auch Privatkunden, die beispielsweise ein Loch für einen Teich ausbaggern wollen. Statt einen Profi fürs Baggern zu beauftragen, was günstiger sei, so Otte, machen sie es lieber selbst. „Sie nehmen die Mehrkosten in Kauf, um selbst den Bagger bedienen zu können." Seine Frau ergänzt: „Es wurde schon gefragt, ob wir Gutscheine fürs Baggerfahren verkaufen." Auch eine Anfrage für eine Betriebsfeier im Baggerpark habe es schon gegeben. Der Baggerpark, ein über die Jahre von 5.000 auf 15.000 Quadratmeter größer gewordenes Gelände, werde nur selten genutzt. Kunden können dort die Geräte ausprobieren und die Fahrschule Weinholz aus Holzminden (Kooperation) führt dort Lehrgänge durch. Weil die Nachfrage von Baggerfans aber immer größer wird, kann am 10. und 11. Juni sowie am 24. und 25. im Baumanu-Baggerpark jeder baggern, der Lust darauf hat. Drei Bagger und ein Radlader werden den Besuchern zur Verfügung stehen. Aber was begeistert so seht daran? „Das ist schwer zu erklären", sagt Otte. Da helfe nur, es selbst auszuprobieren. Auf dem Baggerpark-Gelände stehen zwei Bagger. Ein Minibagger mit 1,6 Tonnen und ein größeres Gerät mit acht Tonnen. Gängige Maschinen. »Keinesfalls hektisch werden« Udo Föste, einer der drei Festangestellten und bereits mit 35 Jahren Erfahrung, steht bereit, um die Einweisung zu geben. Helm und Sicherheitsschuhe? „Das wird nicht benötigt. Im Bagger sitzt man geschützt", erklärt Otte. Aber die Bedenken wachsen, den Bagger zu beschädigen oder etwas anderes damit zu zerstören. „Keine Sorge", beruhigt der Fachmann, „da kann nichts passieren." Und für den Ernstfall hat der Betreuer einen Notausknopf, wodurch die Hydraulik bei Bedarf lahmgelegt wird. Das wird es auch beim Aktionstag geben. „Keinesfalls hektisch werden", betont Otte. Die Bedeutung des Ratschlags offenbart sich allerdings erst beim Bedienen. Doch erst einmal zurecht finden in der Fahrerkabine mit den Hebeln und Pedalen: Die Sitze sind überraschend gut gepolstert und federn jede Bewegung ab. Armstützen und Klimaanlage gibt es auch – mehr Komfort, als so manches Auto zu bieten hat. „Für die Fahrer ist es schließlich ihr Arbeitsplatz. Sie sitzen den ganzen Tag darin", erklärt Otte. Nun klettert Föste auf die Gummikette und blickt in die Fahrerkabine, um die Bedienung zu erklären. Mit dem rechten Joystick werden der Ausleger, also der Baggerarm bedient (heben und senken) sowie der Löffel geöffnet und geschlossen. Der linke Joystick steuert den Stielzylinder (ranholen und wegführen) und dreht den Oberwagen. „Einmal im Kreis drehen", lautet Föstes erste Anweisung. Nach zaghaftem Druck auf den linken Joystick beginnt der Oberwagen, sich zu drehen. „Keine Angst, einfach weitermachen", ruft Föste. Die erste Aufgabe ist bestanden – besser gesagt: überstanden. Nun geht es ans Baggern. Ein großer Erdhaufen ist bereits neben dem Bagger aufgeschüttet. „Aber wir buddeln jetzt ein neues Loch." Föste gibt eine genaue Anleitung: Die Joysticks fest in den Händen, den Löffel senken und öffnen, dann ranziehen und schließen, hoch den Arm, schwenken und den Löffel öffnen. Klingt einfach – ist es aber nicht. Multitasking ist gefragt. Die Hände haben unterschiedliche Aufgaben, drehen, drücken und ziehen in unterschiedliche Richtungen. Auf einer Baustelle würde dann noch das Fahren über die Fußpedale hinzukommen. „Geübte nutzen die Fahrhebel nicht, sondern die Pedale." Wer hätte schon gedacht, dass Bagger fahren so anspruchsvoll ist, wo es doch immer so einfach aussieht. Und schon bald macht Ottes Rat Sinn, nicht hektisch zu werden. Abgehakte Bewegungen fördern nicht das Wohlbefinden des Fahrers. Und wer den Löffel zu tief in die Erde bohrt, hebt mit dem Bagger ab. Leichte Panik macht sich breit. „Einfach loslassen", ruft Fölse. So schnell würde der Bagger nicht hinten rüber fallen, beruhigt der erfahrene Fahrer. Anfühlen tut es sich im ersten Moment allerdings ganz anders. Nun einfach den Arm langsam anheben und das Fahrzeug senkt sich wieder. Wer nicht aufpasst, hüllt alles in Staub und Nebel Nach einigen Minuten werden die Bewegungen flüssiger, bis zur Schnelligkeit und Präzision der Profis würde es aber wohl eher Monate dauern. Schon eine gleichmäßige, fließende Bewegung hinzubekommen, das bedarf nicht nur Übung, sondern auch viel Feingefühl. Kinder würden teilweise schneller und besser mit den Geräten zurechtkommen als Erwachsene, „weil sie mit den Joysticks besser umgehen können". Hat man den Dreh erst einmal raus, baggert es sich fast wie von allein. Und ein breites Grinsen lässt sich nicht vermeiden. Der Spaß am schweren Gerät und das eigene Werk zu sehen, das ist plötzlich nicht mehr so unverständlich. Neue Aufgabe: „Und jetzt muss das Loch wieder zugemacht werden." Mit Blick auf den großen Erdhaufen vergeht das Lachen dann schnell. Entpuppt sich das Zuschütten und Geradeziehen als noch anspruchsvoller. Wer nicht aufpasst, hüllt alles in Staub und Nebel. Abstand halten ist sicherlich ratsam.

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