Großes Interesse: Grünen-Kreisgeschäftsführer Ludger Roters (l.) und Grünen-Kreissprecher Uwe Rottermund begrüßen Tanja Busse im voll besetzten Rathaussaal. - © Burkhard Battran
Großes Interesse: Grünen-Kreisgeschäftsführer Ludger Roters (l.) und Grünen-Kreissprecher Uwe Rottermund begrüßen Tanja Busse im voll besetzten Rathaussaal. | © Burkhard Battran

Höxter Tanja Busses Kritik an Hochleistungslandwirtschaft

"Wir essen gestresste, erschöpfte Tiere"

Höxter. Über eine krank machende Hochleistungslandwirtschaft erzählte die aus Eversen stammende Journalistin Tanja Busse und hatte damit ein sehr großes und interessiertes Publikum am Samstagabend in den historischen Rathaussaal in Höxter gelockt. Mehr als 130 Gäste konnte die einladende Kristin Launhard-Petersen von den Grünen des Ortsverbands Höxter zu der Veranstaltung während der Frauenaktionswoche begrüßen. Anhand verschiedener Beispiele machte Tanja Busse die Fehlentwicklungen deutlich, die die nicht effiziente Hochleistungslandwirtschaft, welche sie selbst als kollektiven Wettlauf in die falsche Richtung bezeichnet, hervorbringe. Die Ursache dafür sieht sie nicht etwa einseitig bei den Landwirten oder den Verbrauchern, sondern im Wirtschaftssystem, mit Verantwortlichen aus Politik, Handel, Agrarbusiness, Wissenschaft, Landwirtschaftsschulen und -beratern und Konsumenten. »Milch ist nicht nur eine weiße Flüssigkeit« "Die intensive moderne Landwirtschaft verbraucht mehr Energie, als sie hervorbringt", stellt die in Hamburg lebende Journalistin fest. Am Beispiel der Kuh macht sie deutlich, wie sehr sich die Bedingungen in den letzten Jahrzehnten verändert haben und was das für Auswirkungen auf die Tiere, aber auch auf die bäuerlichen Betriebe, die Umwelt und letztlich auch auf die Gesundheit der Menschen hat. "Milchkühe haben nur noch zwei Jahre effiziente Melkzeit, danach kommen sie zum Schlachter, weil sie nicht dauerhaft mehr Milch produzieren können, als sie Futter zu sich nehmen. Sie sind dazu fähig um Kälber in Notzeiten durchzubringen, aber eben nicht dauerhaft", so Tanja Busse und fügt hinzu: "Man ist, was man isst, und wir essen gestresste, erschöpfte Tiere". Die Journalistin hat sich auch in anderen Ländern umgesehen. Die Entwicklungen in Australien, wo jährlich 700.000 männliche Kälber getötet würden, weil sie nicht wirtschaftlich seien oder in North Carolina, wo das Grundwasser ganzer Landstriche vergiftet sei, weil es keine Gülleverordnung gebe, seien Auswüchse, die das bestehende Wirtschaftssystem hervorbringt. "Unser Ziel sollte es aber sein, dass die Landwirtschaft hier unsere schöne Kulturlandschaft erhält", fordert Busse und ruft zu mehr Regionalität auf. "Man muss sich überlegen, woher die Milch kommt. Das ist nicht einfach nur eine weiße Flüssigkeit", so die engagierte Buchautorin. Im Anschluss an den Vortrag wurde lebhaft über Fragen zum Thema Respekt vor Lebensmitteln, die solidarische Landwirtschaft, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und die Frage, wie man die Konsumenten dazu bringen kann, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben, diskutiert. Das Publikum hatte danach noch die Möglichkeit, sich am Stand von Bücher Brandt, die Werke der Buchautorin signieren zu lassen. Claudia Pelz-Weskamp, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Höxter und für die Organisation der Frauenaktionswoche verantwortlich, freute sich über dlie gut besuchte und gelungene Veranstaltung: "Vor sieben Jahren war Frau Busse schon einmal für einen Vortrag hier und auch da war der Saal so gut besucht und das Publikum genauso begeistert", resümierte sie den Abend.

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