Ziehen Bilanz: Martin Schoppmeier (v. l.), Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Höxter, und Rüdiger Matisz, Chef der Agentur für Arbeit Paderborn. - © Agentur
Ziehen Bilanz: Martin Schoppmeier (v. l.), Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Höxter, und Rüdiger Matisz, Chef der Agentur für Arbeit Paderborn. | © Agentur

Kreis Höxter Ausländer werden zur großen Herausforderung für die Arbeitsagentur

Arbeitslosigkeit im Kreis Höxter sinkt um 1,3 Prozent singt, steigt aber bei den ausländischen Mitbürgern auf 27,3 Prozent

Kreis Höxter. Die Arbeitsagentur hat ihre Jahresbilanz für den Kreis Höxter vorgelegt. Die wichtigste Botschaft aus Sicht der Vermittler: Es gibt ein großes Stellenangebot, aber die Bewerber passen häufig nicht zu den Stellen. Die wichtigsten Fakten Die Arbeitslosigkeit sinkt im Vergleich zum Vorjahr 2015 um 48 Frauen und Männer beziehungsweise um 1,3 Prozent auf insgesamt 3.738 Personen im Jahresdurchschnitt 2016 Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote lag bei 5,0 Prozent - im Vorjahr 5,1 Prozent Es gibt insgesamt 11.335 Neuzugänge in die Arbeitslosigkeit und 11.240 Abmeldungen aus der Arbeitslosigkeit in der Jahressumme Zu verzeichnen ist ein deutlicher Anstieg bei den zugegangenen Stellenangeboten im Vergleich zum Vorjahr um 15,9 Prozent - aus Sicht der Vermittler ein Hinweis auf einen robusten und aufnahmefähigen Arbeitsmarkt Die Flüchtlingssituation wirkt sich aus: Anstieg der Ausländer-Arbeitslosenquote von 15,2 Prozent auf 27,3 Prozent Bewertung "Der Arbeitsmarkt im Kreis Höxter hat sich auch 2016 als robust und stabil erwiesen", so der Leiter der Agentur für Arbeit Paderborn, Rüdiger Matisz. "Wir blicken nun schon im zweiten Jahr in Folge auf einen Rückgang der Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt - ein gutes Ergebnis. Auch die Zunahme der Stellenmeldungen spricht für einen aufnahmefähigen Arbeitsmarkt und eine robuste Konjunktur in unserem Kreis. Die Herausforderung besteht nun darin, die Matchingprobleme zu überwinden und die passenden Bewerber für diese Stellen zu finden. Eine wesentliche Lösungsstrategie ist hierbei in die marktorientierte Qualifizierung von Arbeitslosen", erläutert der Arbeitsmarktexperte. Langzeitarbeitslose Auch bei den Langzeitarbeitslosen ist ein Rückgang zu verzeichnen: 2016 gab es im Jahresdurchschnitt mit 1.278 Personen 85 weniger Langzeitarbeitslose als 2015. Jugenarbeitslosigkeit Die Jugendarbeitslosigkeit (unter 25 Jahre) ist im Jahresdurchschnitt 2016 im Vergleich zu 2015 von um 102 Personen von 369 auf 472 Personen gestiegen - die altersspezifische Arbeitslosenquote ist hier von 2,3 Prozent auf 3,4 Prozent gestiegen. Hier ist der Zuzug der geflüchteten Menschen zu spüren, ein Großteil von ihnen ist jung. Ältere Arbeitslose Die Arbeitslosigkeit der über 55-Jährigen hat im Jahresdurchschnitt im Vergleich zum Vorjahr um 45 Personen von 900 auf 855 Personen abgenommen. Die altersspezifische Arbeitslosenquote sank im Jahresdurchschnitt von noch 6,3 Prozent in 2015 auf 5,7 Prozent in 2016. Ausländer Ein besonders hoher Anstieg ist bei den Ausländern zu verzeichnen: Hier stieg die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt um 326 Personen von 372 auf 698 Personen an. Die durchschnittliche Quote stieg von 15,2 Prozent in 2015 auf 27,3 Prozent in 2016. Arbeitgeberservice Der Zugang von Stellenmeldungen bei dem Arbeitgeberservice im Kreis Höxter ist deutlich gestiegen: In der Jahressumme wurden 4.394 Stellen gemeldet, 604 oder 15,9 Prozent mehr als noch 2015. Der Bestand an offenen Arbeitsstellen lag 2016 im Jahresdurchschnitt bei 1.731 Stellen - 2015 waren es im Schnitt 419 weniger, nämlich 1.312 Stellen. Besonders im Handwerk, dem Dienstleistungsbereich und im Gesundheits- und Sozialwesen ist der Bedarf an Arbeitskräften deutlich gestiegen. Herausforderung "Die positive Entwicklung bei den über 55-Jährigen sowie den Langzeitarbeitslosen, aber auch die Zunahme der Stellenmeldungen, ist durchaus erfreulich", so Martin Schoppmeier, Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Höxter. "Dennoch zeichnet sich bei genauerer Betrachtung der Arbeitslosenzahlen eines ab: Die Flüchtlingssituation ist eine Herausforderung, die ihre Spuren auf dem lokalen Arbeitsmarkt hinterlässt", erläutert er weiter. Die Zahl der Arbeitslosen aus den nichteuropäischen Asylherkunftsländern im Kreis Höxter ist im Jahresdurchschnitt im Vergleich zum Vorjahr um 305 von 51 auf 356 Personen gestiegen. "Neben dem Anstieg der Ausländer-Arbeitslosigkeit lässt sich auch der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit mit der Flüchtlingsbewegung in Verbindung bringen: Viele der Menschen, die zu uns kommen, sind sehr jung", so Schoppmeier. Hierfür habe die Agentur einen Integration Point eingerichtet - eine Einrichtung, deren Mitarbeiter zurzeit rund 1.100 geflüchtete Menschen betreuen und sich um ihre Qualifizierung für sowie Integration in den Arbeitsmarkt bemühen. Integration "Es gilt jedoch zu betonen, dass die Integration von geflüchteten Menschen eine Herausforderung ist, die nur auf langfristige Sicht bewältigt werden kann", ergänzt Agenturchef Matisz. "Zunächst müssen die Geflüchteten die notwendigen Qualifikationen - allem voran Sprachkenntnisse - erlangen, um für den deutschen Arbeitsmarkt bereit zu sein. Mit den Qualifikations-Maßnahmen des Integration Points versuchen Agentur und Jobcenter, durch die Vermittlung von berufsbezogenen Kenntnissen, diesen Prozess zu beschleunigen. Ausblick Insgesamt gesehen rechnen Arbeitsagentur und Jobcenter in 2017 mit einer weiterhin guten Arbeitsmarktsituation, auch wenn migrationsbedingt die Zahl der Arbeitslosen und erwerbsfähigen Leistungsempfänger leicht steigen wird.

realisiert durch evolver group