Kreis Höxter Digitalisierung im Fokus für Unternehmen im Kreis Höxter

Simone Flörke

Kreis Höxter. "Die Stimmung passt. Die Umsätze laufen. Die Wirtschaftslage im Kreis ist gut bis sehr gut. Aber es stehen zwei Risiken im Raum, deren Auswirkungen derzeit noch nicht fassbar sind", sagt IHK-Geschäftsführer Jürgen Behlke (Paderborn-Höxter). "Die Verunsicherung durch den Brexit und der neue amerikanische Präsident." Zwar sei der Kreis Höxter nicht der Export-Weltmeister und damit unmittelbar betroffen, doch über viele Zulieferer-Firmen sei man indirekt auch in diesem Wirtschaftssystem mit den beiden Staaten vernetzt. Seit zehn Jahren ist er jetzt Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in der Niederlassung fürs Hochstift. "Und kein Tag ist wie der andere, kein Unternehmen wie das andere", sagt der 52-Jährige. Er schätzt die Unternehmerschaft als "bodenständig und zielorientiert": Sie sei nicht nur auf sich selbst bedacht, sondern habe auch die Region mit ihren Menschen im Blick. Die Wirtschaft in den Kreisen Höxter und Paderborn habe dank der Devise "Vielfältigkeit statt Monostruktur" die zwei Krisen des vergangenen Jahrzehnts gut überstanden. Die politische Führung agiere lokal und größtenteils nahe am Bürger, das Verhältnis der Bürgermeister im Kreis sei "ohne große Konkurrenz". Also eine stabile Wirtschaftslandschaft, mit der der Kreis ein dickes Pfund zum Wuchern habe. Das "Mega-Thema" der Zukunft ist für Behlke die Digitalisierung: in Gesellschaft und in Unternehmen. Das sei "die Chance für den ländlichen Raum". Darüber dürfe der Geschäftsmann aber nicht seine Händler-Tugenden - Kundennähe und Kundenwunsch an oberster Stelle - vergessen. "Digitalisierung ist nur ein Mittel zum Zweck." Er appelliert an die Unternehmen: Das Thema Ausbildung im IT-Bereich, in den vielfältigen Möglichkeiten der Digitalisierung, auch in mittelständischen Betrieben in der Region künftig viel stärker in den Blick und sehr ernst zu nehmen: "Jedes Unternehmen ist gut beraten, dort mehr zu tun, sich die Kompetenz selbst zu schaffen." Man könne die Hardware mit den Maschinen kaufen, aber die Software - der Mensch - sei die entscheidende Komponente. Das schaffe auch interessante Jobs für junge Leute aus dem Kreis Höxter, aber auch darüber hinaus. Denn das Phänomen des starken, oftmals noch familiengeführten Mittelstandsunternehmens präge nicht nur den Kreis Höxter, sondern ganz OWL. Ein starkes, solides Fundament und ein "dickes Plus" für die Region. Aber man dürfe den "Klebeeffekt", diese Verbundenheit, auch nicht überstrapazieren: "Man muss auch angemessene Löhne zahlen. Ein guter Mittelweg. Aber in der Regel bekommen die Unternehmen das gut hin." Als weiteres großes Thema der Gegenwart und Zukunft bezeichnet Behlke die Ausbildung und Nachwuchswerbung: "Ein gesellschaftliches Thema. Es muss gelingen, die Jugendliche und Eltern von der dualen Ausbildung zu überzeugen." Er plädiert angesichts der Aussage viele Eltern - "mein Kind soll studieren" - für die Ausbildung als beruflichen Weg mit Zukunft für die jungen Menschen. Und für eine Entstigmatisierung dieses beruflichen Weges. Behlke: "Wir dürfen nicht sagen: Lass laufen. Dann fahren wir das Thema vor die Wand, dann können wir Berufsschulklassen und Ausbildungsgänge gleich schließen, und Berufe verlieren ihre Sinnhaftigkeit. Deshalb heißt es für uns, frühzeitig gegenzusteuern." Der IHK-Geschäftsführer gibt zu, dass dies ein durchaus langer, harter Weg ist, der viel Durchhaltevermögen und Geduld erfordere. Er wird aber nicht müde, dieses - wie er selbst sagt - "dicke Brett zu bohren". Welche Schlagzeile sich Behlke aus Sicht des IHK-Geschäftsführers für das kommende und aufgrund von Landtags- und Bundestagswahl sicherlich ebenfalls spanende Jahr wünscht? Er lächelt: ",Die Wirtschaft boomt weiter im Kreis Höxter.? Viel mehr Wünsche habe ich nicht."

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