Inmitten der Heide: Gärtnermeister Reinhold Fahle zwischen den Beauty Ladies. Die Besenheide Calluna vulgaris gibt es in verschiedenen Farben. Sie eignet sich gut als Gräberbepflanzung im Herbst und Winter. - © Amina Vieth
Inmitten der Heide: Gärtnermeister Reinhold Fahle zwischen den Beauty Ladies. Die Besenheide Calluna vulgaris gibt es in verschiedenen Farben. Sie eignet sich gut als Gräberbepflanzung im Herbst und Winter. | © Amina Vieth

Höxter Gärtnermeister gibt Tipps zur Grabgestaltung

Reinhold Fahle erklärt, wie die letzte Ruhestätte für den Winter vorbereitet werden kann, welche Rolle Heide dabei spielt, was gerade modern ist und wieso Stiefmütterchen auf dem Rückzug sind

Amina Vieth

Höxter. Kreativität ist nicht nur im heimischen Garten, sondern auch bei der Grabgestaltung gefragt, weiß Gärtnermeister Reinhold Fahle. Passend zu Jahreszeit und Geschmack können die Ruhestätten nach Belieben gestaltet werden - solange es mit der Friedhofssatzung konform ist. Was im Winter beachtet werden sollte und was sich hinter den "Beauty Ladies" verbirgt, erklärt der Inhaber der Friedhofsgärtnerei Fahle. Fahles Vater übernahm die Gärtnerei 1961, erst gepachtet, dann gekauft. Seit 1994 führt Reinhold Fahle die Friedhofsgärtnerei an der Gartenstraße in Höxter. Zu Spitzenzeiten, wie jetzt im Oktober, arbeiten sieben bis acht Personen in dem Betrieb. Schwerpunkt der Arbeit ist die Grabpflege. Die Ruhestätten werden derzeit für den Herbst und Winter vorbereitet. "Sommerblumen entfernen, nicht winterfeste Pflanzen einlagern, durchgraben, und wenn nötig, mit neuer Blumenerde ergänzen", erklärt Fahle und ergänzt: "Gehölze und Stauden schneiden, Bodendecker nochmals in Form bringen." Und bei Bedarf sollten auch Senkschäden beseitigt werden, rät er. Wer nun vor einem pflanzenlosen, ebenen Grab steht und nicht weiß, wie er es angemessen bepflanzt, erhält Rat beim Profi. "Beratung gehört für uns dazu. Darauf legen wir viel Wert", sagt Fahle. Die Geschmäcker gehen weit auseinander - es ist auch eine Frage des Budgets. "Viele möchten, dass das Grab einfach schön ist", so der Gärtnermeister. Andere hätten bereits Ideen, inspiriert beispielsweise von Bundes- oder Landesgartenschauen. Denn Trends würden sich auch in der Grabgestaltung wiederfinden. "Auf dem Friedhof spiegelt sich die Gesellschaft", sagt Fahle. Beispielsweise seien Steine als gestalterisches Element wieder modern. Das habe es bereits in den 60er-Jahren gegeben, weiß Fahle. Grundsätzlich zähle Kreativität bei der Grabgestaltung. Aber es gibt auch Richtlinien: die Friedhofssatzung, welche jede Gemeinde selbst festlegt. "Die sollte jeder vorher lesen." Für Höxter sei beispielsweise Auflage, dass keine Pflanzen über das Grab hinauswachsen dürfen. "Es darf nichts gepflanzt werden, was das Nachbargrab stört", erklärt Fahle. Aber auch Gärtner hätten eine Richtlinie, bemessen nach dem ästhetischen Empfinden. Denn nicht nur Pflanzenkunde, sondern auch Farben- und Gestaltungslehre, wie verschiedene Formen zueinander wirken gehören zum Beruf. So finde sich auch der Goldene Schnitt in der Grabgestaltung wieder, erläutert Fahle. Heide Wer es im Winter einfach haben möchte, greift zur Heide. Fahle empfiehlt die sogenannten Beauty Ladies. Das ist die Besenheide Calluna vulgaris, welche es in ein- und zweifarbig sowie dreifarbig (Trios) und fünffarbig (High Five) gibt. "Sie kommen erst später in die Blüte und halten so länger ihre Farbe", sagt Fahle. Die Calluna vulgaris heißen Knospenblüher, "weil die Knospe nicht aufgeht". Die verschiedenen Farben können kombiniert werden. Je nach Belieben könne die Heide auch noch mit anderen Herbstblumen kombiniert werden. Auf Erika gracilis verzichte man, "weil sie nicht frostfest ist". Strukturgrab Wer es abwechslungsreicher mag und Spaß am Gestalten hat, kann ein Strukturgrab anlegen. Dabei werden verschiedene Pflanzen und dekorative Elemente miteinander kombiniert. Als Strukturpflanzen in Beeten eignen sich Heuchera (Purpurglöckchen), Rebhuhnbeere, Gräser in verschiedenen Farben, Silberblatt, Astern in verschiedenen Farben, Salbei grün oder violett, Baumheide in Gelb, Wüstengras, Silbereiche und Heiligenkraut in weißgrau sowie Veronika als "Green Boys". Stiefmütterchen seien aber nicht mehr sonderlich gefragt. Denn sie würden teils nur schlecht ins Frühjahr kommen. "Sie werden teilweise über den Winter durch einen Pilzbefall stark geschädigt", erklärt Fahle. Winterbeet Eine Winterabdeckung, ein sogenanntes Winterbeet, ist auch eine Option für die kalte Jahreszeit. "Aber sehr arbeitsintensiv und auch nicht kostengünstig", sagt Fahle. Bei dieser Form der Gestaltung werden die Sommerblumen entfernt, alles gerade gemacht und mit Fichten- oder Tannenreisig bedeckt. Das kann dann beispielsweise noch mit Tannenzapfen oder Zypressen ergänzt werden. Tipps Die Beete können auch noch mit Ästen, Zapfen, Moos und dergleichen ergänzt werden, erklärt Fahle. Zudem biete sich jetzt auch eine Um- oder Neugestaltung der Gräber an. "Herbstzeit ist Pflanzzeit", sagt Fahle. Alte Blumen könnten entfernt und neue gepflanzt werden. Sie müssten aber gut angegossen werden. Bei Heide beispielsweise mit rund 20 Litern. "So, dass die Erde nass ist", sagt Fahle. Wer Rosen auf dem Grab hat, sollte diese nicht zu früh abdecken, rät Fahle. "Erst ab minus fünf oder minus sieben Grad. Sonst könnte sie faulen." Zur Abdeckung diene beispielsweise Jute. Damit soll die Pflanze vor Frost aber auch vor der Wintersonne geschützt werden. Denn durch die Sonneneinstrahlung können die Äste reißen. Das Grab sollte für den Winter gestaltet sein, bevor der erste Frost kommt. "Bei Frost kann man nicht mehr mit dem Boden arbeiten."

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