Märchenfiguren in der Stadthalle: Die Zwerge mit Schneewittchen waren in Höxter unterwegs – zwei Zwerge waren aber abhanden gekommen. - © Simone Flörke
Märchenfiguren in der Stadthalle: Die Zwerge mit Schneewittchen waren in Höxter unterwegs – zwei Zwerge waren aber abhanden gekommen. | © Simone Flörke

Kreis Höxter Weiberfastnacht: Die Herrschaft der Frauen im Kreis Höxter

Laut, fröhlich und in kreativen Kostümen feiern die Damen im Kreis Höxter

Kreis Höxter. Für einen Tag stand alles unter der Herrschaft der Frauen. Weiberfastnacht wurde auch im Kreis Höxter trotz regnerischen Wetters fröhlich gefeiert. Zahlreiche Frauen machten sich in kreativen Kostümen auf den Weg, um die Rathäuser zu stürmen und den Männern die Krawatten zu kürzen.

HÖXTER

Mehrere Hundert Frauen stürmten am Abend die Stadthalle in Höxter und verwandelten sie in einen Hexenkessel. Da feierten Schneewittchen und die sieben Zwerge mit den Schlümpfen, die Schneemänner mit den süßen Muffins und die Glitzer-Girls der 70er Jahre mit der Lufthansa-Crew. DJ Marcus und Markus führten im Saal durchs Programm und kündigten Show- und Gardetänze an. Darunter die duften Puppen aus Brakel, die in ihr Medley der 1980er Jahre das Motto des Abends integriert hatten: "Girls just wanna have Fun!"

BRAKEL

In Brakel mussten die Jecken erst einmal an Regina Werneke vorbei, bevor sie Bürgermeister Hermann Temme seine Macht entreißen konnten. Werneke - verkleidet als "das stärkste Mädchen in ganz Brakel" - verwandelte das Treppenhaus in "Schlüters Boxbude" und forderte Karnevalsprinz "Nils I. der stark Auftanzende" zu einem Wettstreit im Gewichtheben auf. Der Prinz konnte nur mit aller Anstrengung siegen - die Jecken stürmten das Rathaus. Mut bewies Kinderprinzessin Mona "die bezaubernd kletternde Wassernixe". Sie schnitt kurzerhand die bunte Krawatte des Bürgermeisters ab.

STEINHEIM

"Der Bürgermeister hat jetzt ausregiert, er wird von uns einfach abserviert", jubelten die Steinheimer Närrinnen pünktlich um 11.11 Uhr bei der Schlüsselübergabe vor dem Rathaus. "Nur gut 100 Tage ist Carsten erst im Amt und wird schon wieder aus dem Haus verbannt", so Anke Rüsenberg (Bürgerservice der Stadt Steinheim) mit einem Augenzwinkern. Nachdem Carsten Torke dann noch die Hälfte seiner Krawatte von Gertrud Hansmann (ebenfalls Bürgerservice) abgeschnitten worden war, stürmten die Frauen ins festlich dekorierte Rathaus. Dort warteten 222 mit Sekt gefüllte Gläser und ein jeckes Programm. Unter anderem zeigten die "Citygirls", allesamt städtische Mitarbeiterinnen, im Bundeswehr-Outfit einen mitreißenden Tanz, der das närrische Publikum im Rathaussaal lautstark jubeln ließ. Auch die Kump(el)stilzchen sowie das Männerballett der Sparkasse "Böllers Eleven" brachten die Stimmung zum Kochen.

BEVERUNGEN

Das Rathaus in Beverungen hatte sich zum "Circus Buerocratius" verwandelt. Hubertus Grimm alias Circusdirektor Grimmaldi begrüßte zusammen mit einer Meute närrischer Tiere die singenden Weiber, die es auf den Rathausschlüssel abgesehen hatten. "Was seid ihr alt geworden", begrüßte Grimm die Altweiber und spielte damit natürlich nur auf den Geburtstag der Alten Garde an, die zum 60. Mal in Beverungen auf Schlipsjagd ging. "Wir sind zum Weitermachen bereit", verkündete Präsidentin Paula Jocheim und forderte den Rathausschlüssel. Für Grimm hatten die Frauen den "Hubertus-Tropfen" mitgebracht und ein leeres Heft, in das er Märchen schreiben könnte, denn Märchen gebe es ja im Rathaus genug.

BAD DRIBURG

In Bad Driburg hatten die jecken Weiber das Schützenhaus am Fuße der Iburg gestürmt und binnen weniger Minuten in einen brodelnden Hexenkessel verwandelt. Nur wenige Männer durften anwesend sein: Sie durften kellnern, fotografieren oder wie die "Tornados", die "Drohndancer" und die Stadtgarde auf der Bühne mit Gesangs- und Tanzeinlagen für Stimmung sorgen. Das Frauenkomitee der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiße Garde hatte für das närrische Bühnenprogramm hochkarätige Akteure gewinnen können.

NIEHEIM

"Wir wollen rein!", riefen die Frauen, als sie vor dem Nieheimer Rathaus standen. Lautstark forderten sie die Lichtgestalt der Käsestadt, Rainer "den Wieder-Erwählten", zur Herausgabe des Schlüssels auf und stutzten ihm mit einem schnellen Scherenschnitt sein buntes "Hängerchen" auf die "normale" Länge. Dagegen konnte ihm auch die zirzensische Raubtierdressur mit Sohn Santiago nicht mehr helfen. Der Erkenntnis folgend, dass schnelles und lautes Reden wohl Politiker, nicht aber zielgerichtet agierende Frauen beeindrucken kann, überließ der Bürger von Steinheim und Meister von Nieheim den quirligen Weibern das Feld und den historischen Rathauskeller.

Von Simone Flörke, Helga Krooß, Madita Schellenberg, Torsten Wegener, Josef Köhne und Silke Riethmüller

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