Das Gebäude: Die Weserbergland-Klinik in Höxter hat nur noch Reha-Patienten und Reha-Sportgruppen des eigenen Hauses bei sich. Andere Sportgruppen, dürfen das Hallenbad dort nicht mehr benutzen. - © NW
Das Gebäude: Die Weserbergland-Klinik in Höxter hat nur noch Reha-Patienten und Reha-Sportgruppen des eigenen Hauses bei sich. Andere Sportgruppen, dürfen das Hallenbad dort nicht mehr benutzen. | © NW

Höxter Externe Übungsgruppen sind in der WBK nicht mehr erwünscht

Das Bad in der Weserbergland-Klinik steht nur noch Rehabilitanden zur Verfügung - allen anderen, wie den Adipositas-Gruppen, nicht mehr. Übungsleiterin Ilona Nessau ist enttäuscht, dass es keinen Kompromiss gibt

Amina Vieth

Höxter. Zwölf Jahre hat Ilona Nessau Wassersportgruppen in der Weserbergland-Klinik betreut, jetzt ist Schluss. Die WBK hat den Gruppen gekündigt, sie dürfen das Bad nicht mehr nutzen. Der Grund: Das Bad soll den Rehabilitanden rund um die Uhr zur Verfügung stehen, wie WBK-Geschäftsführer Andreas Fischer erläutert. Nessaus Versuche, einen Kompromiss zu finden, scheiterten. Nur schwer lässt sich eine andere Trainingsmöglichkeit finden - vor allem eine dauerhafte Lösung. Die Adipositas-Gruppe Höxter/Holzminden trainiert heute erstmals in Vörden. Die Mitgliederzahl hat sich aber bereits halbiert. Zwölf Jahre trainierte die Adipositas-Gruppe in den geschützten Räumen der WBK. Insgesamt 50 Teilnehmer, aufgeteilt in zwei Übungsgruppen. "Der Sport ist wichtig für sie, Wasser das beste Element, da Übungen im Wasser gelenkschonend sind", sagt Nessau. Sie ist seit 2003 Präventionsgesundheitstrainerin. Ein Großteil der Gruppe sei schon seit vielen Jahren dabei, "einige sogar schon seit der Gründung". Es seien Freundschaften geschlossen worden und in der WBK sei man "unter sich" gewesen, wie Helga Rinsche von der Adipositas- Gruppe berichtet. Denn in der WBK seien die Teilnehmer keinen spöttischen Blicken ausgesetzt gewesen, mussten keine beleidigenden Sprüche fürchten, wie Rinsche erläutert. Jetzt in das Hallenbad nach Vörden zu wechseln sei schwierig. "Das ist ein öffentliches Bad", die Privatsphäre wie in der WBK sei nicht mehr gegeben. "Das schreckt einige ab, sie wollen sich nicht öffentlich im Badeanzug präsentieren", weiß Rinsche. Für andere sei der Weg zu weit. "Die Mitglieder kommen aus Höxter sowie Holzminden und Umgebung", so Nessau. Letztlich seien von den insgesamt 50 Mitgliedern der Adipositas-Gruppe nur noch 24 übriggeblieben. "Aber ich musste schnell eine Lösung finden, sonst wäre die Gruppe völlig auseinandergebrochen", betont Nessau. Alle Bemühungen, eine Einigung mit WBK-Geschäftsführer Andreas Fischer zu finden, seien vergeblich gewesen. Im November erhielt Nessau von der WBK die Kündigung für die Badnutzung zum 31. Dezember 2015. Sie setzte sich mit dem Geschäftsführer in Verbindung, wollte eine Lösung, einen Kompromiss finden. "Schließlich waren wir schon zwölf Jahre da und haben für die Nutzung des Bades gezahlt", so Nessau. Mehr als 5.000 Euro seien allein im vergangenen Jahr für die Badnutzung gezahlt worden, "pro Teilnehmer 3,50 Euro pro Training", so Nessau. "Wir waren bereit, mehr zu zahlen. Vier Euro pro Person." Das wären alleine im Quartal 192 Euro mehr, rechnet Nessau vor. Diese Zahlen habe sie auch Fischer vorgelegt, doch das habe ihn kalt gelassen, wie Nessau berichtet. "Er würde die Zahlen kennen, es würde ihn nicht interessieren", habe er laut Nessau gesagt. Der Geschäftsführer fährt eine klare Linie: "Wir wollen das Bad für die Rehabilitanden freihalten, damit sie es in der therapiefreien Zeit nutzen können. So wollen wir die Attraktivität unseres Hauses steigern", erklärt Fischer auf NW-Anfrage. Die WBK stehe in Konkurrenz zu vielen anderen Reha-Kliniken, ein "rund um die Uhr" nutzbares Bad könne da Vorteile verschaffen, es stehe auch eine Sauna für die Patienten zur Verfügung. Es habe zudem vereinzelte Beschwerden gegeben, dass das Bad teilweise durch Fremdgruppen genutzt worden war und nicht zur Verfügung stand. Deswegen solle sich das nun ändern. "Wenn unsere Patienten Freizeit haben, sollen sie auch das Bad nutzen können." Nessau bezweifelt, dass die Reha-Patienten beispielsweise abends nach dem Essen noch das Bad nutzen würden. Also hätten ihre Gruppen oder die vom HLC, die auch gekündigt worden sind, dort trainieren können. Dass das nicht gewünscht ist, macht der WBK-Geschäftsführer deutlich. "Das Bad steht nur noch unseren Patienten und Reha-Gruppen zur Verfügung, die zu unserem Haus gehören. Keine Fremdgruppen mehr." Fischer erklärt, dass das Konzept in der WBK derzeit umgestellt werde, es gehe um eine andere Ausrichtung, das habe er auch Ilona Bessau bereits erläutert. "In einem halben Jahr kann man dann nochmal schauen, da werden wir dann Ergebnisse haben, wie das Angebot angenommen wird", so Fischer. Dann könne Nessau erneut das Gespräch suchen. Denn wenn die Umstellung erfolglos ist, dann bestehe die Möglichkeit, dass Fremdgruppen wieder im Bad der WBK trainieren können. Übungsleiterin Nessau hofft darauf, dass Fischer schon zuvor auf sie zukommt und die Nutzung des Bades wieder ermöglicht. Für wahrscheinlich hält sie es aber nicht. "Wir waren zwölf Jahre da. Und er hat nicht mal gesagt, dass es ihm leid tue, dass wir und die anderen Gruppen das Bad nicht mehr nutzen können."

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