Große Nachfrage: Beim Pfefferspray verzeichnet der Fachhandel eine massive Umsatzsteigerung. Es ist in Deutschland als Tierabwehr-Spray deklariert. Wer es gegen Menschen benutzt, muss mit einem Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung rechnen - © Boris Roessler
Große Nachfrage: Beim Pfefferspray verzeichnet der Fachhandel eine massive Umsatzsteigerung. Es ist in Deutschland als Tierabwehr-Spray deklariert. Wer es gegen Menschen benutzt, muss mit einem Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung rechnen | © Boris Roessler

Höxter Waffen: Höxteraner - was legal ist und was nicht

Der Verkauf von Pfefferspray, Gaspistolen und lauten Signalalarmen boomt

Simone Flörke
Nora Pfützenreuter

Höxter. Schreckschuss- oder Gaspistole, Pfefferspray und Reizgas, Schlagstock oder Baseballschläger: Mit großem "Bauchgrummeln" beobachtet die Polizei die zunehmende Aufrüstung und Bewaffnung der Menschen im privaten Bereich. Die Anzahl der Anträge für den sogenannten Kleinen Waffenschein ist im Kreis Höxter seit Jahresbeginn enorm gestiegen. Endes des Monats werden es schon mehr als 20 Anträge sein. Normal seien 30 - im gesamten Jahr, sagt Andreas Hellwig, Sprecher der Kreispolizei Höxter. Konsequenzen Hellwig betont: Schon der Einsatz von Pfefferspray gegen einen Menschen ziehe in jedem Fall ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und eine Untersuchung nach sich, ob der Einsatz gerechtfertigt gewesen sei. Und er betont auch die Gefährlichkeit einer solch legal erworbenen Waffe, die ab dem Alter von 18 Jahren mit einem Kleinen Waffenschein erhältlich ist: "Schon eine Schreckschuss- oder Reizgaspistole kann erhebliche Verletzungen bis hin zum Tod nach sich ziehen." Ob ein Gegenstand zu einer Waffe werde, das hänge zum einen davon ab, wie sie vom Hersteller deklariert würden: "Der Einsatzstock der Polizei gilt in Asien eventuell als Sportgerät, hier bei uns fällt er unters Waffenrecht." Und zum anderen davon, ob der Gegenstand manipuliert werde: "Wer ein erlaubtes Messer auf beiden Seiten schleift, macht daraus einen verbotenen Gegenstand." Geahndet werden können Vergehen von der Ordnungswidrigkeit bis hin zur Straftat bei einem Verstoß gegen das Waffengesetz. Karneval Sorgen macht diese Bewaffnung der Polizei auch vor dem Hintergrund, dass nun die heiße Phase des Karnevals beginnt. Denn das Tragen von Waffen bedeute noch eine weitere Stufe der Eskalation: "Wenn sich Menschen Waffen besorgen, dann werden sie diese möglicherweise auch einsetzen." Und gingen in Situationen, in denen sonst ein Rückzug die vernünftige Alternative gewesen sei, nun nach vorn. In Verbindung mit Alkohol bei den Feiernden sieht die Polizei die zunehmende Bewaffnung "sehr kritisch". "Wir werden im Karneval - besonders nach den Rosenmontagszügen - massiv Präsenz zeigen", kündigt Andreas Hellwig an. Möglicherweise werden auch im Kreis Höxter noch Polizeischüler eingesetzt. Unsicherheit Grund für das Aufrüsten sei ein subjektives Gefühl der Unsicherheit in der Bevölkerung. Obwohl die Statistiken der Polizei genau das Gegenteil anzeigten - dass die Anzahl der Delikte Kreis Höxter nach unten geht - sei die Bevölkerung nach den Silvester-Vorfällen in Köln, Düsseldorf oder Bielefeld "sehr sensibilisiert", lese und höre viele Informationen von außen auch über die Sozialen Netzwerke und lasse sich davon mitreißen. "Die Menschen meinen, sich schützen zu müssen. Aber das ist Aufgabe der Polizei oder der jeweiligen Veranstalter." Schreckschusspistole Ein Antrag für den Kleinen Waffenschein, der zum verdeckten Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen berechtigt, muss bei der Polizeibehörde eingehen, der Antragsteller 18 Jahre alt sein, "mit ausreichender körperlicher und geistiger Eignung", darf keine Vorstrafen haben und bei öffentlichen Veranstaltungen die Waffe nicht bei sich tragen. Die Waffe selbst muss ein sogenanntes PTB-Prüfzeichen tragen und darf niemandem anderes überlassen und nicht außerhalb von Schießstätten oder geschlossenen Wohnungen benutzt werden. Aufbewahrt werden soll sie getrennt von Munition. Pfefferspray/CS-Gas "Pfefferspray ist komplett frei erwerblich, solange es als Tierabwehrspray deklariert wird", sagt Hellwig. Reizstoffsprühgeräte müssen ein amtliches BKA-Prüfzechen auf den Kartuschen haben und sind freigegeben ab 14 Jahren. Abwehrsprays aus dem Ausland sollten nicht nach Deutschland mitgebracht werden. Elektroschock-Impulsgeräte dürfen ab 18 Jahren gekauft, besessen und mitgeführt werden. Sogenannte Taser seien komplett verboten. Baseballschläger Das klassische Sportgerät fällt nicht unter das Waffengesetz, hat aber eine Zweckbestimmung. Und wenn nicht der Sportzweck dahintersteht, muss nachgewiesen werden, dass ein Baseballschläger nicht dauerhaft im Auto mitgeführt wird." Dabei sei sehr viel Fingerspitzengefühl der Polizei gefragt, erklärt der Sprecher. Messer Verboten ist es, Messer mit einhändig feststellbarer Klinge (Einhandmesser) oder feststehende Messer mit einer Klingenlänge über zwölf Zentimeter zu führen. Faustmesser und Butterflymesser sind ausnahmslos verboten - genau wie Wurfsterne. Handel Besonders Pfefferspray ist derzeit gefragt. "Seit Silvester kommt die Branche mit der Lieferung nicht hinterher", sagt Ralf Krekeler, der ein Jagd- und Waffengeschäft in Höxter betreibt. Er habe vergangene Woche 500 Dosen Pfefferspray verkauft, so dass die Ware zeitweise ausverkauft sein könne. Auch die Nachfrage nach Gaspistolen, lauten Sirenen und Hochleistungstaschenlampen sei gestiegen. Diese Taschenlampen seien zwar nur so groß wie ein Lippenstift, aber achtmal so stark wie eine Maglite-Taschenlampe. Insgesamt sei derzeit nur eine begrenzte Nachlieferung möglich. "Die Branche hatte gar keine Chance zu reagieren", so der Büchsenmachermeister. "Viele Kollegen sagen, dass sie das so noch nicht erlebt haben." Die Nachfrage nach Hieb- oder Stichwaffen sei nicht angestiegen.

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