Historisches: Vor dem Replikat eines spätromanischen Sandsteinreliefs, das einen Waagemeister darstellt, sind der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins, Dardo Franke (v. l.), der Redakteur des Monatsheftes, Klaus Dörfel, der Stadtarchivar Michael Koch und der Stadtarchäologe Andreas König aus Höxter zu sehen. - © Foto: Katrin Schubert
Historisches: Vor dem Replikat eines spätromanischen Sandsteinreliefs, das einen Waagemeister darstellt, sind der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins, Dardo Franke (v. l.), der Redakteur des Monatsheftes, Klaus Dörfel, der Stadtarchivar Michael Koch und der Stadtarchäologe Andreas König aus Höxter zu sehen. | © Foto: Katrin Schubert

Höxter Heimatverein erinnert an 900 Jahre Marktrecht

Festakt erinnert an Ausstellung der sogenannten Brückenmarkturkunde

Katrin Schubert

Höxter. Vor 900 Jahren wurde in der sogenannten Brückenmarkturkunde die Besteuerung der Stände auf dem Markt an der Weserbrücke in Höxter festgehalten. "Für unsere Stadt ist das ein herausragendes Ereignis", sagte Dardo Franke, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Höxter. Wichtig ist die Urkunde jedoch nicht wegen der Steuerfestsetzung: Die Inhaber der Marktstände wurden mit der Ausstellung der Urkunde vor 900 Jahren erstmals als rechtsfähiger Personenverband anerkannt - und erhielten offiziell Marktrecht. "Das bis dahin nur mündlich zugestandene Gewohnheitsrecht wurde in einer urkundlichen und damit beweiskräftigen Form verfestigt", erklärte der Höxteraner Stadtarchäologe Andreas König. Zu dem Rechtsakt hatten sich am 11. Juni 1115 der gesamte Corveyer Klosterkonvent mit Abt Erkenbert (1107 bis 1128) an seiner Spitze, der Corveyer Edelvogt Siegfried IV. von Northeim, der Stadtvogt Adalrad mit seinen beiden Söhnen, weitere Corveyer Ministeriale und die Bewohner des Marktortes in der "Villa Hugseli" versammelt. "Die Urkunde stellt eines der wenigen erhaltenen Dokumente für eine wichtige Entwicklungsphase des frühen Städtewesens in Deutschland dar", weiß Andreas König. An das für Höxter historisch bedeutsame Ereignis der Urkundenausstellung wird der Heimat- und Verkehrsverein Höxter am Donnerstag, 11. Juni, um 19 Uhr im Historischen Rathaus mit einem Festakt erinnern. Der renommierte Historiker Wilfried Ehbrecht vom Institut für vergleichende Städtegeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster wird in einem Vortrag über die Auswirkungen der Brückenmarkturkunde referieren. "Wir sind froh, dass wir Wilfried Ehbrecht für diesen Vortrag gewinnen konnten", freut sich Andreas König, denn der Historiker "ist einer der bekanntesten Mittelalterforscher im deutschen Sprachraum". Ehbrecht war am Aufbau des Instituts für vergleichende Städtegeschichte beteiligt und leitete dieses zwischen 1979 und 1984 als wissenschaftlicher Vorstand. Er ist Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen und Mitherausgeber des Westfälischen Städteatlas? Zu dem Festakt im Historischen Rathaus sind alle Interessierten eingeladen. "Es wäre schön, wenn die Bürgerschaft an diesem Tag zusammenkommen würde", betonte Dardo Franke. Auch in den beiden Wochen nach dem Festakt wird es Vorträge anlässlich des Jubiläums geben: Am Donnerstag, 18. Juni, wird Stadtarchäologe Andreas König zum Thema "Der Marktort Höxter im frühen zwölften Jahrhundert" referieren. Stadtarchivar Michael Koch wird am darauffolgenden Donnerstag, 25. Juni, einen Vortrag mit dem Titel "Höxters Weg von der frühen Bürgerbeteiligung zur Bürgergemeinde des Mittelalters" halten. Beide Vorträge finden in der Aula der Volkshochschule statt. Sie beginnen jeweils um 19 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos.

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