Sebastian B. (hinten, v. l.), Claudia G., Jürgen T., Maria M. und Svenja H.. Hinter dem Smiley verbirgt sich Ariane G. - © FOTO: DAVID SCHELLENBERG
Sebastian B. (hinten, v. l.), Claudia G., Jürgen T., Maria M. und Svenja H.. Hinter dem Smiley verbirgt sich Ariane G. | © FOTO: DAVID SCHELLENBERG

Kreis Höxter 7.000 Kilometer und ein Smiley für mehr Toleranz

Radler der Mood-Tour werben im Kreis Höxter für einen natürlichen Umgang mit Depression

VON DAVID SCHELLENBERG

Kreis Höxter. Es ist eine Herkulesaufgabe: Von Holzminden aus hat sich gestern eine kleine Gruppe Tandemfahrer zu einer Fahrt quer durch Deutschland aufgemacht. Gemeinsam mit elf weiteren Teams der sogenannten Mood-Tour werben sie in der ganzen Republik für mehr Toleranz im Umgang mit Menschen, die an Depression erkrankt sind. Sie wollen Ängste und Vorurteile abbauen. Insgesamt radeln alle Teilnehmer 7.000 Kilometer - bisher haben sie 2.403 Kilometer geschafft.

Die Krankheit ist den Menschen nicht anzusehen. Um das zu symbolisieren, hat sich Teilnehmerin Ariane G. hinter einem lachenden gelben Smiley versteckt. Es soll auch Verständnis für Anonymität wecken, denn nicht jeder an Depression Erkrankte möchte mit seinem Leiden in der Öffentlichkeit stehen. Zugleich ist das Smiley ein Zeichen für die Betroffenen selbst: "Es wird wieder Zeiten geben, in denen sie auch lachen können", soll es ihnen zurufen.

Das sechsköpfige Team, das am Freitag an der Weser in Höxter Pause machte, besteht zur einen Hälfte aus erkrankten und zur anderen aus gesunden Radlern. Auch das ist eine Botschaft: Gemeinsam können die Menschen besser vorankommen. Davon berichtet auch Maria M. Die junge Mutter litt schwer an Depressionen. "Am Ende haben davon in der Firma alle profitiert", berichtet sie. So wurden Strukturen geändert und die gegenseitige Rücksichtnahme und das Verständnis für die Arbeitskollegen wuchs. "Was ich mir wünsche, ist eine wertfreie Begegnung", sagt Maria M. Auch wenn der Umgang mit Depressiven im Familien-, Freundes- und Kollegenkreis nicht immer leicht sei, wirbt sie dafür, im Gespräch zu bleiben. "Einfach immer wieder fragen, was dem Gegenüber jetzt helfen könne. Und der Zeit viel Raum geben."

Einer der Organisatoren der Mood-Tour ist Sebastian B. Ihn selbst habe vor einigen Jahren im Studium der Winterblues erfasst - er musste raus, wandern, sich selbst fordern. Dabei kam er mit seinem Rucksack auch durch Höxter, erzählt er. Seine Erfahrung: Leistungsdruckfreier Sport, Struktur, Natur und Gemeinschaft können die Stimmung (englisch Mood) heben. Raus aus der Einsamkeit und viel Bewegung sind auch ein Grund für Jürgen T. aus Bochum, an der Tour teilzunehmen, die dieses Team über Göttingen und Weimar bis nach Dresden führen wird. "Mir ist es auch wichtig, etwas für mich zu tun und neue Gruppenerfahrungen zu machen", erzählt er. Seit 25 Jahren leidet er an Depressionen - in Bochum engagiert er sich in einer Selbsthilfegruppe.

Links zum Thema
Mehr Infos rund um das Thema unter: www.mood-tour.de

Insgesamt radeln bei der Tour 64 Menschen mit und ohne Depressionen. Die Kampagne, die nach 2012 bereits zum zweiten Mal stattfindet, steht unter dem Motto "Mit der Mood-Tour in die Gänge kommen". Begonnen hat die Aktion im Juni in Leipzig. In 70 Städten gibt es Mitfahraktionen, die sich nicht nur an die rund vier Millionen Betroffenen wenden. Die Tandemfahrer sind 133 Tage quer durch die Republik unterwegs, bevor es am 20. September in Köln auf die Zielgeraden geht. Veranstaltet wird die Tour vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub Bremen und der Deutschen Depressionsliga. Weitere Partner unterstützen das Projekt.

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