Höxter/Doha Corveyer Westwerk ist Weltkulturerbe

Entscheidung in Doha

Höxter. Als erste Kulturstätte in Westfalen wurde das Westwerk des Klosters Corvey und die "Civitas Corvey" zum Weltkulturerbe erklärt. Die Entscheidung am Samstagnachmittag bei der Jahrestagung des UNESCO-Welterbekomittees in Doha/Katar. Damit bestätigte das Komittee den "außergewöhnlichen universellen Wert" der Abtei und der untergegangenen Klosterstadt bei Höxter. 16 Jahre wurde der Antrag in der Kreisstadt an der Weser vorbereitet. "Das Westwerk von Corvey in Höxter an der Weser ist eines der wenigen in den wesentlichen Teilen erhaltenen karolingischen Bauwerke und darüber hinaus das einzige erhaltene Zeugnis des Bautyps Westwerk aus dieser Zeit",  begründete das UNESCO-Komitee in der Hauptstadt Doha  seine Entscheidung. "Wir sind total begeistert, Corvey ist Welterbe", sagte Viktor Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey in einer ersten Reaktion gegenüber nw-news.de, nachdem die Entscheidung um 16.48 Uhr gefallen war. Die herzogliche Familie sieht den Welterbetitel als Verpflichtung und Aufgabe, ihre Anstrengungen fortzuführen und Corvey einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wie auch die Wahrung der besonderen Würde des Ortes zu achten. "Dies ist eine schöne Aufgabe, der sich die Eigentümer mit Freude und Verantwortungsbewusstsein stellen werden", so der Herzog weiter. "Wir Akteure vor Ort werden uns bemühen, dieser hohen Auszeichnung gerecht zu werden und alles tun, um die Ausstrahlung dieses außergewöhnlichen Kulturerbes voranzubringen", betonte Claudia Konrad, Geschäftsführerin und Museumsleiterin Kulturkreis Höxter-Corvey. Die Entscheidung fiel einstimmig. Der Vertreter von Kroatien sprach von einem "Juwel", während der Vertreter von Libanon Bedenken wegen möglicher Windparks anmeldete. Alle Redner sprachen sich letztendlich aber für eine Aufnahme in die Welterbe-Liste aus. Zur Verkündung der Entscheidung in Höxter läuteten um 17.15 Uhr die Glocken aller Kirchen. "Es ist eine große Ehre, dass die UNESCO das Karolingische Westwerk und die Civitas Corvey in die Liste der Weltkulturerbe-Stätten aufgenommen hat. Ich freue mich ganz besonders darüber und bin sicher, dass es vielen Menschen in Ostwestfalen-Lippe ähnlich geht", erklärte OWL-Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl nach der Entscheidung. Und der Höxteraner Landrat Friedhelm Spieker meint: "Heute ist ein glücklicher Tag nicht nur für die Stadt und den Kreis Höxter, sondern auch für Westfalen und das ganze Land. Die UNESCO hat Corvey in die Weltspitze der überragenden Kulturgüter aufgenommen. Damit steht Corvey in einer Reihe mit den Pyramiden von Gizeh, dem antiken Pompeji und dem Kölner Dom als erste Kulturstätte Westfalens. Dies erfüllt uns mit großer Freude." Corvey war in diesem Jahr Deutschlands einziger Antrag für die Welterbe-Liste - und ist die 39. Kulturstätte der Bundesrepublik, die diesen Titel tragen darf. In der Sitzung hatte sich der Internationale Denkmalrat ICOMOS, der die Bewerbungsunterlagen ausführlich geprüft hatte, für die Aufnahme ausgesprochen. Zahlreiche Länder schlossen sich dem Vorschlag an. Für Sonntag ist eine kleine Andacht und ein Empfang in Corvey geplant, um die positive Entscheidung zu feiern. Auch der Höxter Pfarrdechant Ludger Eilebrecht, der die Abteikirche betreut, freute sich über die Entscheidung: "Die Auszeichnung ist für uns eine Anerkennung und Verpflichtung, Erbe der Vorfahren und Auftrag für künftige Generationen, im Geiste der Gründer das Gut des Glaubens zu bewahren, zu verkünden und zu leben, und Menschen, die als Touristen kommen, dann als Pilger, getsärkt im Glauben, zu verabschieden." Die Region hofft mit dem Titel auf einen Prestigegewinn, der sich vor allem ideell, möglicherweise auch finanziell auszahlt. Welterbestätten werden in ein internationales Netzwerk aufgenommen, sie sind touristische Anziehungspunkte erster Qualität. Der Titel bringt nicht nur zusätzliche Besucher, sondern auch Gäste aus zum Teil sehr fernen Regionen. Die 822 gegründete Benediktinerabtei Corvey geht zurück auf Ludwig den Frommen, der damit den Wunsch seines Vaters Karl des Großen umsetzte. Von der Reichsabtei aus sollte die karolingische Herrschaft im kurz zuvor eroberten Sachsenland gefestigt und die Christianisierung vorangetrieben werden. Im 10. Jahrhundert erlebte das Kloster eine Blütezeit als eines der wichtigsten politischen und geistlichen Zentren des Frankenlandes. Es hat damit, so die Antragsteller, historische Bedeutung für ganz Europa. Mittelpunkt des Antrags ist das im 12. Jahrhundert umgestaltete und nahezu original erhaltene Westwerk mit den beiden flankierenden Türmen. Die übrige Klosteranlage war nach einem verheerenden Brand ab 1699 im Stil einer barocken Schlossanlage wieder aufgebaut worden. Sie ist heute im Privat-Besitz von Viktor Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey und gehört nicht zum Antrag. Zur Delegation in Doha, die im Umfeld der Sitzung für Corvey als Weltkulturerbe warben, gehörten der Höxteraner Pfarrdechant Ludger Eilebrecht, Hausherr der Abteikirche, und Viktor Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey, dessen Familie seit 200 Jahren das Gelände des Klosterbezirks, die ehemalige "Civitas Corvey", gehört, sowie der frühere Umweltminister Klaus Töpfer, der aus Höxter stammt. Das Welterbekomitee, in dem 21 Mitglieder aus allen fünf Kontinenten vertreten sind, entscheidet in Doha über 40 Anträge auf Aufnahme in die Welterbe-Liste, darunter auch zur Seidenstraße in China.

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