Massenweise Cannabispflanzen waren im sogenannten "Horror Haus" gefunden worden, jetzt verurteilte das Landgericht Paderborn mehrere Personen zu langen Haftstrafen. - © Polizei
Massenweise Cannabispflanzen waren im sogenannten "Horror Haus" gefunden worden, jetzt verurteilte das Landgericht Paderborn mehrere Personen zu langen Haftstrafen. | © Polizei

Höxter/Paderborn Drogen-Plantage im „Horror-Haus“: Lange Haftstrafe für Eigentümer

Jutta Steinmetz

Bosseborn/Paderborn. Daniel N. (Name geändert) ist ein Mann offener Worte. Er macht keinen Hehl daraus, dass er sich für „ganz normal bescheuert" hält, für einen typischen Schotten eben, der schon früh mit Alkohol in Kontakt kam, seit jungen Jahren kifft. Aber genauso beschreibt er sich als Mann, der weiß, dass für Geld gearbeitet werden muss – und erklärt die Tatsache, dass er das Horrorhaus in Bosseborn für eine Marihuana-Plantage zur Verfügung stellte, mit der bekannten Todsünde „Gier". Diese kommt ihn jetzt teuer zustehen. Bislang mit strafrechtlich weißer Weste durchs Leben gegangen, wurde er zu sieben Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem ordnete das Landgericht seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Mit ihrem Strafmaß blieben die Richter um den Vorsitzenden Oliver Neuwinger unter dem Antrag von Staatsanwalt Hendrik Dahnke. Dieser hatte für den 51-Jährigen achteinhalb Jahre Haft gefordert. Daniel N. sei ein wichtiges Mitglied jener Bande Krimineller gewesen, die in Bosseborn im großen Stil Marihuana angebaut hatte, war Dahnke nach mehrtägiger Beweisaufnahme überzeugt. Ohne Anbaufläche kein Cannabis Ohne N. wäre das Unternehmen, bei dem nach Expertenmeinung jährlich mindestens 79 Kilo konsumfertiges Gras hätte geerntet werden können, nicht möglich gewesen. „Er stellte das Grundstück zur Verfügung", erklärte der Anklagevertreter, und sei damit vollwertiges Mitglied der Bande gewesen. So sahen es am Ende auch die Richter. Ohne dass Daniel N. das Grundstück Saatweg 6 zur Verfügung gestellt hätte, „hätte das Marihuana gar nicht wachsen können". Damit habe er einen „schwer wiegenden Tatbeitrag" für die Bande geleistet. Anders sei aber Fall der 33-Jährigen zu bewerten, die die rund 1.000 Pflanzen gehegt und gepflegt hatte, erklärte Neuwinger. Sie sei in dem Gefüge austauschbar gewesen und damit nur der Beihilfe schuldig. Für dreieinhalb Jahre muss die türkische Staatsangehörige, die monatelang in völliger Heimlichkeit auf dem Gelände in einem Wohnwagen gelebt hatte, hinter Gitter. Gleichfalls für Beihilfe, aber mit vier Jahren etwas strenger bestraft wurde ein 44-Jähriger. Er hatte auf dem alten Gehöft die notwendigen Elektroinstallationen angebracht, aber auch Erntehelfer oder einen Pflanzenexperten chauffiert. Anwesen wird zwangsversteigert „Alle drei wurden verarscht", resümierte Daniel N.s Verteidiger Carsten Ernst. Denn den großen Reibach hat keiner der bis dahin völlig unbescholtenen Angeklagten gemacht. Vielmehr wurden sie von Beginn an mit verlockenden Versprechungen hingehalten. Dabei hätte die Plantage, die höchst professionell eingerichtet war, wahrscheinlich hohe Erträge und entsprechende Gewinne eingebracht. Mehr als eine halbe Million Konsumeinheiten Cannabis hätten nach Expertenmeinung pro Jahr mindestens im Saatweg 6 gewonnen werden können. Von solch beeindruckenden Zahlen ist das heruntergekommene Gehöft weiter entfernt denn je. Die Richter haben die Einziehung des Anwesens angeordnet. Es wird demnächst zwangsversteigert.

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