Auch der Nierentisch darf nicht fehlen: Zum fünfjährigen Bestehen macht Corinna Wodarz auf vielfachen Wunsch wieder eine 50er-Jahre-Ausstellung. - © Manuela Puls
Auch der Nierentisch darf nicht fehlen: Zum fünfjährigen Bestehen macht Corinna Wodarz auf vielfachen Wunsch wieder eine 50er-Jahre-Ausstellung. | © Manuela Puls

Höxter Fünf Jahre Museum im Hütteschen Haus in Höxter

50er-Jahre-Ausstellung ab dem 25. März

Manuela Puls

Höxter. Corinna Wodarz hat das "Sammler-Gen", wie sie selbst augenzwinkernd bestätigt. 15.000 Objekte umfasst die private Sammlung der studierten Kunsthistorikerin und Autorin. Vor fünf Jahren erfüllte sich die Höxteranerin den Traum vom eigenen Museum im Hütteschen Haus in Höxter. "Zum Jubiläum mache ich die Ausstellungen, die vom Publikum am meisten nachgefragt werden", sagt die 49-Jährige. So dreht sich im Hütteschen Haus ab dem 25. März unter dem Titel "Petticoat und Caprifischer" alles um die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Im Sommer folgt die Lego-Ausstellung "Stein auf Stein" und im Advent werden Krippen gezeigt. Alles fing damit an, dass Corinna Wodarz sich beim Schreiben ihrer Doktorarbeit auf Flohmärkten entspannte: "Damals gab es Alltagsdesign aus den vergangenen Jahrzehnten noch ganz billig", erinnert sich die Höxteranerin. Im Laufe der Zeit wuchs ihre Sammlung ganz enorm an, dehnte sich auf den Zeitraum von 1890 bis 1990 aus und umfasste schließlich auch historisches Spielzeug. Als sie von ihrer kleinen Studentenbude in ein Drei-Zimmer-Häuschen in Höxter zog, richtete sie sich weitgehend gebraucht ein. Aus dieser Zeit stammen auch noch Teile des Küchenmobiliars, das bald im Hütteschen Haus ausgestellt wird: "Mit altrosa- und cremefarbenem Schleiflack und Resopalplatte". Ihre erste Ausstellung machte Corinna Wodarz 1998 in Corvey. Seitdem bestückte die Kunsthistorikerin mehr als 30 Museen in Deutschland, Holland und in der Schweiz mit ihren Exponaten. Immer stärker wuchs bei Corinna Wodarz der Wunsch nach einem eigenen Museum. "Ich konnte meine Sammlung gar nicht voll ausschöpfen und ich vermisste den direkten Besucherkontakt", erzählt die Höxteranerin. 2010 bot sich ihr dann die Chance, das Hüttesche Haus in Höxter mit der schönen Renaissance-Fassade aus dem Jahr 1565 zu kaufen. "Zweieinhalb Jahre lang haben wir hier jeden Tag rund um die Uhr renoviert", erinnert sie sich. Es entstand eine Ausstellungsfläche mit 100 Quadratmetern. 2013 startete dann die erste richtige Ausstellungssaison im Hütteschen Haus. Jetzt zur Jubiläumssaison wird noch ein weiterer Raum im Erdgeschoss hergerichtet - als eine Art Kabinett für kleine Sonderausstellungen. Die Lagerung der 15.000 Objekte ist natürlich für Corinna Wodarz ein Problem. Und manchmal auch das Finden, obwohl alles gut beschriftet und geordnet ist. "90 Prozent der Sachen finde ich sofort, einige verstecken sich und machen sich unsichtbar", lacht Corinna Wodarz. »Ich bin schon ein Vielsammler und ein Vielfinder« Sie denkt gerne an die Zeiten zurück, als sie am Wochenende fünf Flohmärkte abklapperte und am Ende mit einem vollgepackten Auto zurückkam. Das ist wegen der begrenzten Lagerfläche heute nicht mehr möglich. "Ich bin schon ein Vielsammler und ein Vielfinder", schmunzelt die 49-Jährige. Schon damals als Studentin hatte sie bei Grabungen in Corvey ein glückliches Händchen: "Ich habe einmal mit der Spitzhacke zugehauen und schon hatte ich etwas durchbohrt", sagt sie. Und so erging es ihr eben auch, wenn es um Salzstangenanbieter oder Sputnik-Aschenbecher aus den 50ern ging. Die Besucher im Hütteschen Haus sind etwa je zur Hälfte Einheimische und Touristen. Im Schaufenster zur Nikolaistraße hin macht Corinna Wodarz gerne Appetit auf die aktuellen Ausstellungen. "Irgendwann schaffe ich es vielleicht, die historische Fassade zu restaurieren", sagt die Museumsbesitzerin. Die blieb nach einem Brand im Jahr 1909 nur deswegen erhalten, weil das Höxteraner Gebäude damals als Beispiel der Weserrenaissance in "Meyers Konversationslexikon" abgebildet war. Das Museum im Hütteschen Haus ist ab dem 25. März wieder mittwochs bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Öffentliche Führungen werden 14-täglich sonntags um 15 Uhr angeboten. www.höxter-museum.de

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