Kreis Höxter Abschied nach 20 Jahren

Ingrid Gräfin Droste zu Vischering gibt den Vorsitz im Fördervereins für das Frauen- und Kinderschutzhaus ab

Simone Flörke

Lütmarsen/Kreis Höxter. Dieses Engagement war, ist und bleibt ihr eine Herzensangelegenheit: Ingrid Gräfin Droste zu Vischering wird nach 20 Jahren an der Spitze des Fördervereins für das Frauen- und Kinderschutzhaus im Kreis Höxter heute Abend verabschiedet. Gemeinsam mit weiteren Wegbegleitern aus dem Vorstand (siehe Info-Kiste). Gemeinsam haben sie seit der Gründung Spenden in Höhe von 200.000 Euro zur Unterstützung dieser wichtigen Einrichtung zum Schutz von Frauen und Kindern im Kreis eingeworben – und dabei das Thema immer wieder in die Öffentlichkeit und in die Diskussion gebracht. Um ihnen in schwierigen Situationen ein kleines Stückchen Alltag zu ermöglichen, sagt die engagierte Lütmarserin, die sich immer als eine Teamplayerin versteht. Gewalt durch alle Schichten und Altersgruppen Ihre Nachfolgerin als Vorsitzende wird Hedwig Mellwig aus Höxter. Vertrauen und Kontinuität – für Ingrid Gräfin Droste zu Vischering wichtige Aspekte, um mit gutem Bauchgefühl die Aufgaben zu übergeben. „Und ich weiß, dass es sehr gut und engagiert weitergehen wird", sagt sie im Gespräch mit der NW. Die Übergabe des Vorsitzes hat Ingrid Gräfin Droste zu Vischering schon länger vorbereitet. Ihr Credo: Gewalt gegen Frauen und Kinder ist nicht hinnehmbar. Und doch gebe es sie durch alle Schichten und Altersgruppen, in physischer wie in psychischer Form. Sie selbst habe mit ihrem Mann, ihren beiden Söhnen und Schwiegertöchtern sowie den sechs Enkeln im Alter von drei Monaten bis neun Jahren einen starken familiären Rückhalt im Leben. Der Familie möchte sie sich künftig etwas mehr widmen, bleibt aber weiterhin im Förderverein, ist aktiv im Kinderschutzbund oder bei den Silberfischen, in der Frauengemeinschaft oder der Kirchengemeinde, singt seit drei Jahren im Cäcilienchor („gut für Gemüt und Herz"), findet im Garten ihre Meditationsquelle, war ehrenamtliche Richterin an der Jugendstrafkammer in Paderborn – unermüdlich unterwegs. Menschen, die Hilfe brauchen, liegen ihr am Herzen. Sie erinnert sich noch an einen ausschlaggebenden Impuls für die Gründung des Schutzhauses: Eine VHS-Podiumsveranstaltung am 19. Juni 1991, zu der die Arbeitsgemeinschaft der Frauenverbände (später Höxtiviti) mit ihr als Vorsitzende eingeladen hatte. Überschrift: „Gewalt gegen Frauen und Kinder geht uns alle an." Fast 100 Unterschriften kamen an dem Abend spontan zusammen für die Forderung nach einem Frauen- und Kinderschutzhaus im Kreis – damals ein weißer Fleck auf der Landkarte. Fast vier Jahre habe es gedauert, bis mit dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) der Träger gefunden, die Absicherungen in trockenen Tüchern waren, die Räumlichkeiten angemietet waren. Im Herbst 1994 wurde das Haus eröffnet. Noch heute zeigten die Belegungszahlen – aktuell sieben Frauen und zwölf Kinder – die Bedeutung dieser Einrichtung. Vier Jahre später wurde zur Unterstützung der Förderverein gegründet, dessen Vorsitz an sie herangetragen wurde und für den sie sofort aus Überzeugung zusagte. Sie spricht von sozialer Verantwortung, ist berührt von Schicksalen, auf die sie aufmerksam machen wollen. Unter den derzeit knapp 100 Mitgliedern – 31 traten dem Verein schon am Gründungsabend bei – sind viele Männer, was ihr sehr wichtig ist. Weitere Interessierte können sich an die neue Vorsitzende Hedwig Mellwig in Höxter wenden. In der Mitte der Gesellschaft im Kreis angekommen Das einst verdrängte Tabuthema sei heute in den Köpfen der Menschen und in der Mitte der Gesellschaft im Kreis angekommen: Davon zeugten auch die Spenden von Privatpersonen und Gruppen, aber auch das Bewusstsein über die Notwendigkeit dieses Schutzhauses und seine Akzeptanz. „Es ist kein Hotel. Die Frauen müssen ihren Lebensalltag selbst gestalten, ihre Mahlzeiten selbst bereiten, leben mit ihren Kindern in einem Zimmer." Eine behütete Atmosphäre sei ganz wichtig – und kleine Alltäglichkeiten, die mit den Spenden des Fördervereins finanziert werden können. Vom Ausflug bis zur Dauerwelle, von der Gartengestaltung bis zur neuen Matratze oder einem frischen Anstrich der Zimmer, vom Fahrzeug bis zum Benzingutschein. Selbstverständlichkeiten, die in diesen außergewöhnlichen Situationen der Frauen und Kinder ein Stück Alltag und Ablenkung sein sollen. Bei knappen Kassen nicht vom Träger oder einer Kommunen leistbar. Genau dort springt der Förderverein ein.

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